Städteregion: „Music is fun“: Kinder schaffen selbst ein Stück Kultur

Städteregion : „Music is fun“: Kinder schaffen selbst ein Stück Kultur

„Da haste Töne und Orientierung“: Unter diesem Motto schaffen Tausende Jugendliche seit 2012 in zahlreichen Projekten unter dem Motto „Music is fun“ selbst ein Stück Kultur in der Städteregion. Koordiniert werden die Einzelprojekte von der Stabsstelle Kultur der Städteregion, gefördert wird das Ganze vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Dachprojektes „Kulturrucksack“.

Wie sich „Music is fun“ in den Schulalltag eingliedert oder diesen ganz bewusst durchbricht, bleibt den Projektverantwortlichen vor Ort überlassen. Auch Ansätze, die keinen musikalischen Schwerpunkt haben und sich auf andere Weise darstellender oder bildender Kunst annähern, sind willkommen. Ein roter Faden von „Music is fun“ ist jedoch, dass professionelle Kulturschaffende jeglicher Couleur mit den Jugendlichen und den verantwortlichen Erwachsenen die Vorhaben umsetzen.

„Rund 30 Einzelprojekte sind für die nun beginnende fünfte Runde angemeldet, teils mehrere aus einer Einrichtung mit völlig unterschiedlichen Ansätzen“, berichtet Dr. Nina Mika-Helfmeier. 17 von ihnen sind nach Aussage der Leiterin der Stabstelle Kultur zum ersten Mal dabei. „Erfolg spricht sich eben herum.“

Und die Ergebnisse von „Music is fun“ gehen deutlich über gefeierte Abschlussaufführungen hinaus. „Wir nehmen als Schule ja schon einige Jahre teil, weil wir mit Hilfe des Kulturrucksacks auch Kinder solcher Familien erreichen, die sich ansonsten niemals leisten könnten, ein Streichinstrument zu erlernen. Dadurch bekommt die Unterstützung durch den Kulturrucksack eine starke soziale Komponente“, sagt Wilhelm Merschen, Leiter des Gymnasiums Baesweiler, das sich mit einem Streicherprojekt von der Masse absetzt. „Wir bieten es in dieser Form an, weil in einer Stadt, in der auf hohem Niveau in mehreren Vereinen Blasmusik gemacht wird, das Erlernen eines Streichinstruments schon fast etwas Exotisches hat. Im Hinblick auf unser sinfonisch besetztes Schulorchester ist die Nachwuchsarbeit aber nötig.“

Ganz anders angelegt ist das Projekt am Herzogenrather Gymnasium, das von Anfang an dabei ist. „Das Neue war die Perspektive, dass professionelle Künstler — bei uns Songwriter, ein Musikmanager und Choreographen — eine künstlerisch zusammenhängende Performance entwickeln, bei der die unterschiedlichen musikalischen Begabungen und Talente, Begeisterung für Bühnentechnik oder den Bereich Musik und Bewegung, in eine intensive Interaktion kommen“, erläutert der verantwortliche Lehrer Dr. Martin Eibach. Und auch hier zeigt sich, dass positive Nebeneffekte erzielt werden: „Das Projekt spricht eine heterogene Schülerschaft an, die wiederum ihre vielfältigen Talente für ein Gesamtprojekt zur Verfügung stellt.“

Ausgesprochen positiv sei, dass Jugendliche verschiedener Jahrgänge miteinander in Bewegung versetzt werden, im sprichwörtlichen Sinne. „Aufgaben wie in einem professionellen Bühnentheater sind hochkomplex und müssen koordiniert werden. Kommunikation ist das größte Leitmotiv gerade bei den Bühnenmanagern“, sagt Eibach.“ Immer wieder seien Jugendliche in dem Projekt über sich hinausgewachsen, hat er festgestellt.

Der titelgebende „Fun-Faktor“ spielt also offenbar eine motivierende Rolle, rückt aber in den Hintergrund, während berufsorientierende Aspekte, die im Schulalltag sonst kaum berührt werden, Gewicht bekommen. Wissen wird weitergegeben — etwa darüber, wie Musik erzeugt wird, aber auch über das Berufsbild des Musikers. „Die Jugendlichen erkennen, wie komplex und vielfältig Musik sein kann und welch unterschiedliche Herangehensweisen es gibt“, erläutert Nina Mika-Helfmeier.

„Das ist durchaus auch als Parallele zum Kulturfestival X der Städteregion zu begreifen“, sagt die Initiatorin des Projektes. „Wir setzen auf Nachhaltigkeit und tauchen tief in die Materie ein. Das zeigt sich in Kooperationen wie der des Herzogenrather Gymnasiums mit dem Open-Air-Festival ‚Tanzende Stadt‘ oder dem Angebot des Musikbunkers an die Kulturrucksack-Teilnehmer, seine Infrastruktur zu nutzen.“

Die angestrebte Nachhaltigkeit ist wahrnehmbar. „Etliche Teilnehmer am Streicherprojekt wechseln danach in die Musikschule Baesweiler, mit der wir kooperieren“, berichtet etwa Wilhelm Merschen. „Die größte Freude kommt jedoch immer dann auf, wenn Schüler durch das Streicherprojekt ihr Instrument gefunden haben und im Idealfall ein Leben lang mit anderen zusammen musizieren.“ Selbst Fälle, in denen Schulabgänger gezielt den beruflichen Weg ins Musikbusiness eingeschlagen haben, sind ihm bekannt.

(red)