"Mulmiges Gefühl beim Fliegen bleibt"

"Mulmiges Gefühl beim Fliegen bleibt"

Erkelenz (an-o) - Was sich am 11. September 2001 in New York und Washington abspielte, wird wohl für lange Zeit in den Köpfen haften bleiben. Wie ist die Stimmung ein Jahr danach? Die "Nachrichten" fragten nach: Woran denken Sie am 11. September?

Ein Jahr ist nun vergangen, doch der Schock sitzt immer noch sehr tief. Kaum einer, der in diesen Tagen nicht an schrecklichen Bilder denkt, die an jenem Tag über die Bildschirme der Welt flimmerten.

"Ich war zu an diesem Tag in Amerika", sagt Anne Jansen (18). "Und das erste, woran ich mich erinnere ist, wie ich morgens aufstand. Im Fernsehen sah ich dann, wie das zweite Flugzeug ins World Trade Center flog." Seitdem hat die Schülerin aus Hückelhoven Angst vor Terror. Auch vor dem Fliegen? "Nein, nicht direkt. Ich bin ja kurz darauf auch mit dem Flugzeug aus den USA zurückgekommen. Aber ein mulmiges Gefühl hatte ich schon dabei."

Hoffnung, "dass die Mächtigen vernünftig sind"

Ein bisschen Angst hat auch Sebastian Pospiech, wenn er an "Ground Zero" denkt. Trotzdem: "Es ist nicht richtig, mit diesen Vorfällen alles rechtfertigen zu wollen", meint der 18-jährige Hückelhovener. "Zum Beispiel ein Angriff auf den Irak wäre sicherlich falsch."

Auch Rolf Winkens aus Kleingladbach hat die Bilder noch sehr lebhaft vor Augen. "Ich denke an die Flugzeuge beim Einflug, an die Feuerwehrleute, die zu retten versuchten, was zu retten war", so Winkens. "Dann erinnere ich mich natürlich, wie die beiden Türme einstürzten." Was die weiteren Pläne der Amerikaner angeht, so kann der 20-Jährige nur hoffen, "dass die Mächtigen vernünftig sind. Einen Krieg vom Zaun zu brechen wäre sicherlich falsch."

Angst beim Betreten großer Gebäude

"Jeder Mensch denkt an die schrecklichen Bilder und an die vielen Opfer", ist sich Evelyn Neumann aus Erkelenz sicher. "Ich habe von damals ein leichtes Trauma zurück behalten: Mein Sohn war zu dieser Zeit in den USA und ich wußte nicht genau wo. Ich hatte Angst, er wäre in New York. Zum Glück war das nicht der Fall", so die 53-jährige Hausfrau.

Helga Linden aus Rath-Anhoven hat ein besonderes Verhältnis zum 11. September. "Ich werde die Geschehnisse nie mehr vergessen können, ebenso wenig, wie den Tod Prinzessin Dianas,am 31. August", so die 69-jährige Rentnerin. Für sie sind solche Gewalttaten nicht nachvollziehbar. "Ich habe seither Angst, wenn ich große Gebäude betrete", sagt sie.


Zum Thema:

Auch Hans-Jochen Vogel, ehemals Justizminister und Vorsitzender der SPD, äußerte sich gegenüber den "Nachrichten" bei seinem Besuch in Hückelhoven: "Für mich sind vor allem drei Punkte von Bedeutung: Zum einen denke ich an die schrecklichen Bilder. Mir kommt der Gedanke an Leid und Tod. Über 3.000 Menschen starben bei diesen Anschlägen. Zum anderen ist durch den Anschlag die Verletzlichkeit gerade der westlichen Industriestaaten deutlich geworden. Weder die USA noch wir sind unangreifbar. Wichtige Symbole sind getroffen worden.

Das World Trade Center als Zeichen für die Ökonomie schlechthin und das Pentagon als Inbegriff des Militärs. Drittens darf man nicht vergessen: Die Gefahren sind noch nicht beseitigt. Auch darf nicht übersehen werden, dass die Angriffe am 11. September gerade bei den verzweifelten Menschen auf dieser Welt sogar auf Sympathie gestoßen sind. Das darf man nicht unterschätzen. Da müssen wir Abhilfe schaffen. Zurück bleibt die Hoffnung, dass so etwas nie mehr vorkommt. Aber sicher kann man bei so etwas leider nicht sein."