Heinsberg: Moslem als Küster in der JVA aktiv

Heinsberg : Moslem als Küster in der JVA aktiv

Für ein gutes Miteinander von Christen und Moslems haben sich die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen in einem Grußwort an die Moslems im Land ausgesprochen. Anlass dazu ist der muslimische Fastenmonat Ramadan, der am nächsten Sonntag zu Ende geht.

Dass dieses gute Miteinander auch ganz intensiv gelebt werden kann, zeigt sich derzeit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Heinsberg.

Nicht nur, indem neben den Christen unter den Gefangenen auch die Moslems hier Gelegenheit haben - und diese auch nutzen - sonntags den Gottesdienst zu besuchen. Seit Mai dieses Jahres haben Pfarrer Marian Janke, Seelsorger in der JVA, und sein evangelischer Kollege Günter Pilger sogar einen Moslem als Küster.

Majid ist seit Oktober letzten Jahres in Heinsberg wegen eines Gewaltdeliktes inhaftiert. 15 Monate hat er noch vor sich. Derzeit absolviert er eine Maurerausbildung. Betriebs- und Logistikmanagement möchte er nach seiner Haft gerne studieren. „Das ist der Weg, den ich gehen möchte, und darauf werde ich mich auch nicht aufhalten lassen”, sagt er selbstbewusst.

Vor Jahrzehnten schon sind seine Eltern aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Er selbst ist hier geboren und aufgewachsen. Er hat die deutsche Staatsangehörigkeit. Geglaubt habe er immer, aber richtig angefangen zu beten habe er erst, seit er im Gefängnis ist, erzählt Majid. Er habe im Koran gelesen und sich von einem Mitgefangenen ein Gebetbuch ausgeliehen. „Seitdem bete ich fünf Mal täglich”, sagt er. Und bereits zum zweiten Mal hält er sich an die Fastenregeln des Ramadan. Dreißig Tage lang sind alle Muslime dabei aufgerufen, enthaltsam zu sein und sich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang von allen Genüssen fern zu halten.

Den katholischen Pfarrer lernte Majid kennen, als er sah, dass Mitgefangene in dessen offenes Büro gingen. „Dann bin ich auch mal reingegangen.” Janke nahm ihn in seine Gruppe „Freiraum” auf, die sich regelmäßig mit dem Pfarrer trifft. Und dann wurde er im Mai dieses Jahres Küster in der Kirche des Gefängnisses.

War da der andere Glaube kein Hindernis? „Nein!”, sagt Majid. „Man kann das doch von der christlichen Seite her sehen oder einfach von der menschlichen.” Für ihn sei es wichtig, aus der Sonntagsmesse die Botschaft mitzunehmen. „Der Sonntag ist jetzt für mich ein ganz besonderer Tag”, erklärt er. „Da gehe ich in die Kirche. Dort kann ich in mich hineinschauen.”

Für Janke war der muslimische Glaube seines Küsters umgekehrt auch keine Hürde. „Ich wusste ja, dass er angefangen hat, seine Religion zu leben”, so der Pfarrer. „Religion macht nur dann Sinn, wenn man sich in seiner Andersartigkeit akzeptieren kann”, pflichtet ihm Pilger bei. „Moslems sind uns willkommen, wenn sie sich so verhalten, wie sie von uns erwarten, dass wir uns in ihrer Moschee verhalten”, so Janke weiter. „Besser ein zuverlässiger Moslem als ein ungläubiger Christ!”

Majid verschlafe nicht und mache zuverlässig seine Arbeit, findet er viel Lob für den 23-Jährigen. „Ich kann keinen Küster gebrauchen, der sonntags ein langes Gesicht macht”, sagt er und schaut in Majids Gesicht, das einfach immer lacht.

„Ich bin glücklich. Das einzige, was mir fehlt, ist meine Freiheit”, sagt er. Mit dem Pfarrer könne er ganz andere Gespräche führen als mit seinen Mitgefangenen. Und er habe selten einen Gefangenen erlebt, der mit seiner Situation so souverän umgehe, lobt ihn Janke.