Gangelt-Langbroich: Modellbauer Dieter Meerts hat St. Marien als Großmodell nachgebaut

Gangelt-Langbroich : Modellbauer Dieter Meerts hat St. Marien als Großmodell nachgebaut

Modellbauer Dieter Meerts hat wieder ein Projekt so gut wie abgeschlossen. St. Marien, die Pfarrkirche der Langbroich-Harzelter aus den 1850er Jahren ist das neuste Modell im Ensemble einiger Spezialitäten, die der 72-Jährige in den vergangenen Jahren zusammengebaut hat.

Nun könnte er das alles ja im Keller aufbauen, eine Eisenbahnstrecke hindurchschlängeln, den Trafo aufdrehen und sich über all das freuen. Im Falle Meerts würde aber ein Keller oder ein Wohnzimmer nicht reichen — da müsste schon eine Turnhalle her. Die Modelle des Dieter Meerts sind im Maßstab 1:22,5; eine Modellbahn sollte passend die Spurweite II haben. Das ist schon eine klassische Gartenbahn.

Es war das erste Projekt Meerts, das sich mit der Kreisbahnzeit beschäftigte: der Lagerschuppen am Bahnhof in Gangelt. Foto: Archiv Hamacher

Wenn er von der Entstehung dieses wunderbaren Modells erzählt, kann man die Begeisterung spüren, die von der Idee zum Projekt bis zum Fertigstellen der letzten Kleinigkeiten reicht. Stunden werde da nicht zusammengerechnet. Fünf bis sechs Jahre hat der Bau gedauert und Dieter Meerts macht dabei immer wieder etwas sehr Vernünftiges. „Wenn ich mit einer Ecke nicht hinkomme, wenn das Projekt irgendwo stockt oder wenn mir einfach die Motivation fehlt, dann mache ich eine Pause!“

„Problemszone“

Irgendwann hat er dann die Lösung im Kopf und der Bau St. Mariens schritt wieder voran. Das heißt, einen äußerst kritischen Punkt gab es. „Die Kirchturmspitze hat mich fast zur Weißglut gebracht; es hat nicht viel gefehlt und in unserm Garten hätte es ein Feuer gegeben.“ Schaut man sich die „Problemzone“ an, weiß man, wovon der begeisterte Modellbauer spricht. Filigran gearbeitet brauchte es viel Geschick, das Original zu kopieren.

Apropos Original: Einen Bauplan der Kirche hatte Dieter Meerts nicht. Wie schon bei anderen Projekten hat er sich mit einem Notizbuch an den großen Bau gestellt, die Klinkerreihen gezählt und daraus die Höhe errechnet. Dann kam für den Grundriss das Maßband zum Einsatz und irgendwann hatte er alle Maße, die er brauchte, um „seine“ Pfarrkirche anzugehen.

Details sind etwas, worauf der Mann aus dem Langbroicher Heggen großen Wert legt. Bei der Eingangstüre zum Gotteshaus hielt er sich an eine alte Fotografie. „Die alte Türe war schöner als die neue“, nimmt er sich auch schon mal die Freiheit des Künstlers heraus. Ebenso die Uhr. Bis vor dem letzten Krieg schmückte St. Marien eine Uhr, die aber verschwunden ist. Das Modell hat wieder einen Zeitmesser. Schwierig war es, die Marienfigur über dem Portal zu besorgen. Ein befreundeter Schnitzer sagte schnell ab: „Zu klein, zu filigran!“ Also brachte er sich von einer Kevelaer-Tour eine kleine, bunte Marienfigur mit, die nun die Front ziert.

Das Kirchen-Modell hat bis vor einiger Zeit im Keller des Hauses Meerts gestanden, wo es wuchs und wuchs. Solange, bis festgestellt wurde, dass es im Ganzen gar nicht mehr durch die Türen passte. Mittlerweile steht der Bau in der Garage und das Auto draußen.

Einige Projekte rund um die ehemalige Kreisbahn zwischen Gangelt und Schierwaldenrath hat Dieter Meerts schon realisiert. Zwar hatte die Pfarrkirche St. Marien nichts mit der Kreisbahnstrecke direkt zu tun; jeder Fahrgast aber, der sich von Geilenkirchen mit der Bimmelbahn auf den Weg in den Selfkant machte, konnte den Kirchturm sehen.

Wo seine Modelle das nächste Mal zu sehen sein werden, steht noch nicht fest. Sie sind eben so groß und benötigen den entsprechenden Platz. Die Kirche ist so gut wie fertig, die Beleuchtung fehlt noch. Nun ist die alte Mühle in Schierwaldenrath ein Projekt, über das er nachdenkt, „und in Kreuzrath stand mal eine alte Ziegelei. Das würde mich auch interessieren“, sagt Dieter Meerts.