Mitten im Wald, kein "Hinterwäldler"

Mitten im Wald, kein "Hinterwäldler"

Kreis Heinsberg (an-o) - Er wohnt zwar mitten im Wald, "aber ein Hinterwäldler bin ich nicht". Der Mann, der das von sich sagt, ist Hans J. Laumanns, der für die FDP in den neuen Bundestag einziehen möchte. Dafür kämpft der 55 Jahre alte Managementberater seit Wochen mit Vehemenz.

Der Mann aus dem Wegberger Stadtteil Harbeck hat Humor. Der Weg zu seinem Haus ist nicht einfach zu finden. Der asphaltierte Wirtschaftsweg endete plötzlich zwischen Weizen- und Rübenfeldern. Statt Bitumen nur noch Schotter. "Mit viel Mut weiter fahren!", hatte er am Telefon bei der Wegbeschreibung gesagt. Und dann taucht das Haus doch noch auf - riesig und versteckt hinter Bäumen.

Wir setzen uns in den parkähnlichen Garten. Durch die Kronen der mächtigen Bäume blinzelt die Sonne. Ingrid Laumanns, Gattin des liberalen Politikers, kredenzt köstlichen Cappuccino. Und dann schauen auch noch kurz die beiden Stubentiger Tabby und Lisa, die ebenfalls ein Er ist, vorbei, um sich danach wieder in der Sonne zu räkeln. "So", sagt der Kandidat, "jetzt kennen Sie alle Bewohner des Hauses."

Ahnenforschung nach Hausgeschichte

Das Haus wurde in den dreißiger Jahren von der Pestalozzi-Stiftung gebaut und sollte ein Landschulheim werden. Das ließen dann aber die politischen Verhältnisse nicht mehr zu. "Später hat es die Familie meiner Frau übernommen", berichtet Hans J. Laumanns - das "J" steht übrigens für Jose - weiter, um gleich noch ein Kapitel aus der Abteilung Familien- und Ahnenforschung anzuhängen.

"Der Name Laumanns kommt aus dem Württembergischen und leitet sich von Lohmann ab, was Köhler bedeutet." Bei seinen Forschungen hat er festgestellt, dass alle hiesigen Laumanns aus dem Großraum Keyenberg kommen. "So gesehen", schmunzelt er weiter, "bin ich sogar weitläufig mit dem stellvertretenden CDU-Landrat Erich Laumanns verwandt.

Für die Kommunalpolitik

Hans J. Laumanns, der nach dem Willen seines Vaters und der Familientradition folgend, eigentlich Priester werden sollte, sich aber nicht berufen fühlte, stammt aus Doveren. Hier entdeckte er auch mit 18 Jahren sein Interesse für die Kommunalpolitik. Er trat 1969 in die SPD ein, "vor allen Dingen weil mir Willy Brandt und seine Ostpolitik gefallen hat". An der Seite von Kurt Kampmeyer setzte sich der gelernte Bankkaufmann und Betriebswirt dafür ein, dass die damals selbständige Gemeinde Doveren einen sozialdemokratischen Bürgermeister bekam.

Damals war und heute ist es sein erklärtes Ziel, der jungen Generation in der Politik eine größere Plattform zu schaffen. Im Laufe der Zeit verlor Laumanns, dessen Eltern ein Lebensmittelgeschäft betrieben und der daher kaufmännisch-wirtschaftliches Denken gelernt hatte, zunehmend die Identifikation mit der SPD, "weil die Wirtschaft in dieser Partei zu wenig Raum einnahm".

Jede Menge Humor

Laumanns, der sich vor 15 Jahren als Trainer für Führungskräfte selbständig machte, verließ die Sozialdemokraten und fand später in der FDP seine politische Heimat. Er ist der festen Überzeugung, dass "Macht müde macht". Er sieht sich selbst als typischer Treiber, "der die Dinge selbst anpackt und nicht andere für sich arbeiten lässt". So hat er auch im laufenden Wahlkampf die meisten Plakate mit seinem schelmisch-lächelnden Konterfei darauf selbst geklebt.

Und das Lächeln ist nicht gekünstelt. Der Mann, der mit Vorliebe klassische Musik hört, gutes Essen liebt, aber nicht kochen kann, und gerne fotografiert, hat jede Menge Humor. Und den zeigt er auch im Umgang mit seinen politischen Gegnern: "Lieber ein drahtiger Harbecker als ein angeknabberter Berliner!" schmunzelt er beim Abschied.