Braunsrath/Bahamas: Mit Sportflugzeug von Bahamas nach Aachen

Braunsrath/Bahamas : Mit Sportflugzeug von Bahamas nach Aachen

Eine nicht alltägliche Reise erlebte in diesem Jahr der Braunsrather Peter Ketzler.

Alleine überführte der 54-Jährige sein neues einmotoriges Flugzeug, eine „Cirrus SR 22”, von St. Augustin im US-Bundesstaat Florida zum Aachen/Maastricht-Airport.

Mit einem Airliner der Lufthansa startete er zunächst gen USA, um dort in die 310-PS-Maschine umzusteigen. Während eines voraus gegangenen USA-Aufenthalts hatte er die neue Maschine bereits vom Herstellerwerk in Duluth/Minnesota nach St. Augustin geflogen.

Nach einem Schlenker zu den Bahamas in der Karibik führte nun seine Flugroute über die USA, Kanada, Grönland, Island und Schottland zurück nach Deutschland. Von seinem Alleinflug, der insgesamt 34 Stunden und 54 Minuten dauerte, berichtet Peter Ketzler in der Heinsberger Zeitung.

Mit einer „Cirrus SR 22”, die vor den Werkstoren der Herstellerfirma in Duluth/Minnesota stand, hat alles begonnen. Nur Insider wissen, dass dieses Fluggerät zur Zeit das schnellste, modernste und sicherste Flugzeug dieser Klasse präsentiert. Ein 310- PS-Motor verleiht dem Flugzeug eine Reisegeschwindigkeit von 350 km/h. Die Cirrus ist weltweit das erste Modell dieser Klasse, das mit einem integrierten Rettungssystem ausgerüstet ist.

In einer Notsituation kann der Pilot über eine Rakete einen Fallschirm auslösen, der dann das Flugzeug samt Insassen zu Boden schweben lässt Dass man dieses Flugzeug nicht einfach mit der deutschen Privatpilotenlizenz fliegen darf, war die erste Erkenntnis, die ich gewann.

In den USA ist für alle Flugzeuge über 200 PS Antriebsleistung ein „high performance sign off” erforderlich. Aber erst, nachdem ich auch die amerikanische Instrumentenfluglizenz abgelegt hatte, war ich mit meinem Fluggerät richtig vertraut.

Sobald die Linzenzformalitäten erledigt waren, konnte ich die Fliegerfreiheit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten richtig genießen. Es gibt nur wenige Staaten in Amerika, die von mir nicht schon angeflogen wurden.

Am beeindruckendsten jedoch bleibt Florida. Dort ergab sich für mich sogar die Gelegenheit, einen Shuttle-Start im Kennedy-Space-Center mit zu erleben. Da es nur einen Katzensprung von Florida zu den Bahamas ist - von Miami bis Nassau knapp eine Stunde - wurde auch diese Inselgruppe mit in das Programm aufgenommen.

Inseln wie Walkers Cay, Marsch Harbour, Stella Maris oder Normans Cay bestehen teilweise fast nur aus einer Landebahn und hinterlassen eine unvergessliche Erinnerung. Manchmal werde ich dabei sogar an James Bond erinnert, zum Beispiel dann, wenn ich den Anflug auf Normans Cay ansetze und im türkisblauen Meer eine DC-10 zu erkennen ist, die von dem früheren Privatbesitzer, einem ehemaligen Drogenbaron, Mitte der 80-er Jahre im Meer versenkt wurde.

Heute stellt dieses Flugzeug ein künstliches Riff für die Unterwasserbewohner dar. Die Insel, die nur aus drei Häuschen und einem makellosen Strand besteht, ist heute in staatlichem Besitz, und private Pächter betreiben dort ein kleines Paradies für Insider. Von eben dieser Insel begann mein Rückflug nach Deutschland.

Nützliches Wetterradar

Nach einem Stopp auf der Insel South Bimini - hier mussten die Ausreisepapiere aus den Bahamas erstellt werden -, ging es nach „Palm Beach International” in den Vereinigten Staaten. Dort fand die Einreise in die USA statt und so wurden auch die notwendigen Zollformalitäten für die USA erledigt.

Auf diesem Streckenabschnitt zeigte sich zum ersten Mal, dass das in meine Maschine eingebaute Wetterradar eine sehr nützliche Investition war. Es galt, Dutzende Gewitterzellen zu umfliegen, die sich fast regelmäßig in diesen Breiten am Nachmittag aufbauen und auch für Airliner eine ernste Gefahr darstellen.

In St. Augustin, Florida, war eine Übernachtung geplant. Beinahe wäre es auch bei der Planung geblieben, denn im Anflug -Êinzwischen war es Nacht geworden -Êstellte ich fest, dass der Landescheinwerfer nicht funktionierte.

Bemerkt man dies bereits am Boden, wird der Flug nicht angetreten, bemerkt man dies aber erst in der Luft, kann es zu einem erheblichen Problem werden. Die meisten Flugplätze in den USA sind nicht wie in Deutschland mit einem Tower ausgestattet, sondern „non-towered”, das heißt, hier ist kein Mensch am Boden, der dem Piloten im Anflug nützliche Hinweise gibt. Vielmehr ist der Pilot selbst gefordert, auf andere Flugzeuge zu achten.

Allerdings ist es eine sehr nützliche Einrichtung, dass man sich an den meisten dieser Plätze die Landebahnbeleuchtung durch siebenmaliges Drücken der Funktaste auf der „Unicomfrequenz” selbst anmachen kann. Nur, wer schon einmal ein Flugzeug bei absoluter Dunkelheit ohne Landescheinwerfer kontrolliert zu Boden gebracht hat, kann nachempfinden, was in diesem Moment im Kopf des Piloten vor sich geht.

Ein Wetterumschwung im „sonnigen Florida” mit Temperaturen, die 20 Grad niedriger lagen als im Durchschnitt zu dieser Jahreszeit, und Dauerregen verzögerten zunächst den Start um einige Stunden. Zum Glück zog das Tiefdruckgebiet aber Richtung Süden, und der Rückweg nach Deutschland führte gen Norden.

Über den Wolken war die Freiheit nicht nur grenzenlos, sondern das Wetter auch so, wie es der Meteorologe vorhergesagt hatte. Über Virginia verzogen sich auch die letzten Wolken und erlaubten einen prachtvollen Blick in die Landschaft. Nach einem kurzen Tankstopp und einer Wetterberatung in Richmond International ging es weiter in den Norden der USA.

Am Abend wurde das erhoffte Etappenziel, Bangor im Bundesstaat Maine, erreicht. Dieser Streckenabschnitt brachte ein unerwartetes Highlight, denn er führte direkt über den am häufigsten frequentierten Luftraum der Welt. In 5000 Fuß Höhe ging es mitten über den John F. Kennedy-Airport in New York.