Aachen: Mit offenen Augen durchs Leben gehen: Bürgerpreis „Zivilcourage”

Aachen : Mit offenen Augen durchs Leben gehen: Bürgerpreis „Zivilcourage”

Axel Warstat zögerte keine Sekunde. Als er sah, wie ein Mann in der Pontstraße in Bedrängnis geriet und von mehreren Schlägern drangsaliert wurde, griff er ein. Und brachte sich selber in Gefahr. „Ich würde das heute wieder tun”, sagt er. „Ohne Rücksicht auf Verluste.” Damals kamen ihm seine Freunde zur Hilfe, und gemeinsam schlugen sie die Angreifer in die Flucht.

So viel Mut muss belohnt werden, meinte nun die Jury und zeichnete den 22-Jährigen mit dem Bürgerpreis Zivilcourage 2012 der Städteregion aus. Auch Polizeipräsident Klaus Oelze hat nur lobende Worte für so viel Zivilcourage. „Wir würden uns wünschen, wenn mehr Leute hingucken würden”, sagt er, mahnt aber auch zur Vorsicht. „Niemand hat Interesse daran, dass jemand verletzt wird.” Aber beherztes Vorgehen findet in jedem Fall seinen Zuspruch. Deshalb freut er sich auch über Ronald Heinz Kischkel. Der ältere Herr hatte in Baesweiler beobachtet, wie eine Bushaltestelle mit Hakenkreuzen beschmiert wurde und dafür gesorgt, dass die Täter dingfest gemacht wurden.

„Ihr Handeln setzt ein Ausrufezeichen”, sagte Markus Terrode, stellvertretender Dezernent für Steuerung, Regionalentwicklung, Europa und Kultur bei der Städteregion, in seiner Laudatio und betonte: „Solche rechtsextremistische Handlungen sind kein Kavaliersdelikt.”

Mit offenen Augen durchs Leben gehen und eingreifen, wo es von Nöten ist. Diese Botschaft wollten alle Beteiligten während der offiziellen Preisverleihung des Bürgerpreises Zivilcourage 2012 vermitteln. Und ließen sich einen Film präsentieren, den Jugendliche zum Thema Zivilcourage entwickelt haben. „Kinder- und Jugendschutz ist eng mit dem Thema Zivilcourage verbunden”, meinte Angelika Degen vom Jugendamt der Städteregion und verwies auf ein gemeinsames Projekt der Jugendämter und der Polizei: „Im Blick - Zivilcourage stärken” verfügt inzwischen über eine eigene Internetseite http://www.imblick.info .

Für Axel Warstat war sein beherztes Eingreifen in der Pont-straße eine Selbstverständlichkeit. Geärgert hat ihn nur, dass er zehn Euro für den Krankenwagen und zehn Euro Praxisgebühr zahlen musste, obwohl er seine kleine Wunde am liebsten selbst behandelt hätte. Da der Bürgerpreis aber auch mit einem kleinen Geldbetrag dotiert sei, möge das ein kleiner Trost sein, meinte Laudator Manfred Reinders, Ehrenamtsbeauftragter der Stadt Aachen mit einem kleinen Schmunzeln.