Mönchengladbach/Erkelenz: Mit KO-Tropfen ausgeschaltet: Lange Haftstrafe für junge Frau

Mönchengladbach/Erkelenz : Mit KO-Tropfen ausgeschaltet: Lange Haftstrafe für junge Frau

Vier Jahre und vier Monate muss Sandra N. (28) aus Krefeld in Haft. Der Grund der Verurteilung ist schwerer Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Sie hat vor dem Mönchengladbacher Landgericht gestanden, einem Hobby-Fotografen aus Erkelenz ein alkoholisches Getränk mit trizyklischen Antidepressiva, die auch als KO-Tropfen benutzt oder von Menschen mit Suizidabsicht eingesetzt werden, versetzt zu haben, um ihm dann eine Kamera-Ausrüstung zu rauben. Ein Arzt bestätigte, dass eine solche Behandlung lebensbedrohlich sein könne - der Mann habe mit schweren Herzrhythmusstörungen auf der Intensivstation gelegen.

Die blasse schmale Frau sitzt hinter ihrem Anwalt, der versucht, das Gericht von der dringenden Notwendigkeit einer stationären Therapie für seine Mandantin zu überzeugen. Durch ihr ganzes bisheriges Leben ziehe sich der Missbrauch von Betäubungsmitteln. Schon allein, um davon loszukommen, sei eine Therapie dringend erforderlich. Aber es gebe auch Vorfälle in ihrer Vorgeschichte, die aus anderen Gründen eine Aufarbeitung notwendig machten, deutete er an. Sein Wunsch: Eine Strafe, die möglichst schnell eine solche Therapie ermögliche.

Der Haken: Sandra N. sitzt bereits in Haft. Sie verbüßt insgesamt ein Jahr in der JVA Willich. Denn das Landgericht Krefeld hatte sie wegen eines Betäubungsmittelverstoßes zu einer Strafe von acht Monaten verurteilt und gleichzeitig die Bewährung für eine Strafe von vier Monaten widerrufen. Weil sie nicht ins Gefängnis wollte, floh Sandra N. und stellte sich später auf Zureden ihres Ehemannes.

Auf den guten Einfluss dieses frisch angetrauten Ehemannes hob der Verteidiger auch ab. Die Staatsanwaltschaft sah nach reiner Aktenlage zunächst eine Forderung von etwa fünfeinhalb Jahren Haft. Eine Brücke zu schlagen zur Verteidigung, die wegen des Therapieansinnens möglichst nur wenig über zwei Jahre Haft als Urteil hören wollte, fiel da schwer. Schließlich einigte man sich darauf, dass es im Fall eines Geständnisses eine Haftstrafe von nicht mehr als vier Jahren und neun Monaten geben sollte.

Daraufhin gestand die zierliche Frau: Wie sie den Erkelenzer in einem Saunaclub, in dem sie gelegentlich als Prostituierte arbeitete, kennen gelernt habe. Wie man sich außerhalb des Clubs zu bezahltem Sex getroffen habe. Und wie er ihr eine Auswanderung nach Kanada angeboten habe - um ein neues Leben zu beginnen. Da hatte sie aber bereits ihren jetzigen Ehemann kennen gelernt.

Weil sie wieder einmal Geld gebraucht habe, sei sie noch einmal zu dem Erkelenzer gefahren. Die Antidepressiva hatte sie bereits in die Flasche mit Jägermeister gemixt gehabt. Schließlich wusste sie, wie gerne er den trinke. Zum Sex sei es gar nicht mehr gekommen, er sei sofort eingeschlafen.

Dann habe sie einen Laptop, eine Kamera und ein Objektiv mitgenommen - nicht, wie in der Anklageschrift stand, mehrere Kameras, Blitzgeräte und Objektive. Das geraubte Gut habe sie in einem Pfandhaus versetzt.