Kreis Heinsberg: Mit dem Rollstuhl gegen soziale Wände: Karikaturen-Ausstellung

Kreis Heinsberg : Mit dem Rollstuhl gegen soziale Wände: Karikaturen-Ausstellung

Dem Thema Inklusion widmet sich eine Ausstellung im neuen Bildungshaus des Kreises Heinsberg an der Oberbrucher Straße/Ecke Ostpromenade in Heinsberg. Hier war nach einer Berufsschule zuletzt die Förderschule des Kreises mit dem Förderschwerpunkt Lernen untergebracht. Jetzt befinden sich hier unterschiedliche Einrichtungen der Kreisverwaltung, die sich fast alle der Bildung widmen.

„Wir wünschen Ihnen eine angenehme Inklusion“ lautet der Titel der Ausstellung im ehemaligen Mehrzweckraum der Schule. Sie zeigt zehn großformatige, farbige Zeichnungen des Karikaturisten Gerhard Mester, in denen es um Inklusion im Berufsleben geht. Der studierte Grafik-Designer, der in Wiesbaden lebt, ist bekannt für seine politischen Karikaturen für unterschiedliche deutsche Tageszeitungen und Zeitschriften. 2012 erhielt er den Karikaturenpreis der deutschen Zeitungen. Prominent machte ihn auch sein Buch mit Cartoons über Papst Franziskus.

„Das Feld, auf dem Karikatur am prächtigsten gedeiht, ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen Wahlversprechen und dem, ‚was hinten raus kommt‘“, schreibt Mester selbst zur Ausstellung. „Deshalb zeigen meine Zeichnungen auch keine Situationen geglückter Inklusion, sondern vielmehr deren kümmerliche Fehlversuche.“

Zwar habe er versucht, nicht immer wieder den Rollstuhlfahrer zu zeichnen oder den Blinden mit Taststock und Armbinde, denn es gebe tausend andere Formen von Behinderung, die einen Menschen von sozialer Teilhabe ausschließen könnten. „Aber Karikaturen leben von klarer, unmissverständlicher Symbolik“, räumt er ein. „Drum ist es immer wieder der Rollstuhlfahrer, der stellvertretend für alle anderen Behinderten Richtung Inklusion rollt oder eben gegen soziale Wände.“

Die Karikaturen werden ergänzt durch zahlreiche Informationen und Zahlen zum Thema Behinderung und Inklusion in Deutschland. So erfährt der Besucher zum Beispiel, dass es in unserem Land mehr als zehn Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung gibt oder dass fast 40.000 Unternehmen lieber eine Ausgleichsabgabe zahlen als behinderte Menschen zu beschäftigen. Weiter informieren in der Ausstellung aber auch alle Einrichtungen des Kreises Heinsberg, die sich mit dem Thema Inklusion beschäftigen und im Bildungshaus ihren Sitz haben, über ihre Arbeit.

Bezahlen statt beschäftigen

Die Idee zu der Ausstellung hatte Annette Greiner von der Schulpsychologischen Beratungsstelle, die ebenfalls im Bildungshaus zu finden ist. Im Internet habe sie von der Ausstellung der Weseler Inklusions-Initiative gelesen, berichtete sie im Rahmen der Eröffnungsfeier. Der Titel der Präsentation mit dem Wunsch einer angenehmen Inklusion komme eher harmlos daher, erklärte Heinz-Theo Tholen, der die Ausstellung als stellvertretender Landrat offiziell eröffnete.

„Scheinbar harmlos, obwohl sich dahinter eine gesellschaftliche Mammutaufgabe verbirgt“, fügte er jedoch gleich hinzu. Der Titel ziele vielmehr darauf ab, dass sich möglichst viele mit dem Thema angesprochen fühlen, sich damit beschäftigen.

Anhand einfacher Beispiele wie etwa der kaum lesbaren IBAN-Nummer auf einer Rechnung machte Tholen deutlich, dass Inklusion im Kleinen anfängt. „All diese kleinen Barrieren abzubauen, das bedeutet wirkliche Teilhabe, wirkliche Inklusion“, betonte er. „Inklusion ist ein gesellschaftliches Thema.“

Umgekehrt bedeute Inklusion aber auch, die Scheu nicht behinderter Menschen vor behinderten Menschen abzubauen. „Wir wünschen uns ja eine angenehme Inklusion“, betonte er. „Es liegt an uns, wie wir behinderten Menschen, ganz gleich wie die Behinderung aussieht, Teilhabe ermöglichen“, schloss er.

Michael Sommer von der Weseler Inklusions-Initiative stellte den Gästen der Eröffnung die Ausstellung dann im Detail vor, die in Heinsberg bereits ihren 27. Ausstellungsort hat. Musikalisch begleitete Klaus Hurtz von der Band Rur-Rock die Eröffnung.

Zu sehen ist die Ausstellung im Bildungshaus noch bis zum 26. Juli, jeweils montags bis donnerstags in der Zeit von 13 bis 16.30 Uhr.

(anna)