Kreis Heinsberg: Mit Cello Stücke von Barock bis Free Jazz interpretiert

Kreis Heinsberg : Mit Cello Stücke von Barock bis Free Jazz interpretiert

Diese Stücke hatte von den Zuhörern des fünften VHS-Meisterkonzerts dieser Saison so wohl noch niemand gehört. Außer vielleicht, er hatte das Programm des vom Rastrelli Cello Quartett schon einmal erlebt.

Dieses Quartett, das sich vor allem einem verschrieben hat: der Wandlung. Dafür hat Cellist Sergio Drabkine, der unter anderem 17 Jahre Stimmführer der Staatlichen Philharmonie Weißrusslands war, die Stücke neu, für vier Celli, arrangiert. Die Musiker, die alle ihre Wurzeln in der Klassik haben, interpretierten mit dem Cello Stücke vom Barock bis zum Free Jazz.

Mit zarter Intonation der an Paganini angelehnten Komposition „Paganissimo” von Sergio Drabkine führten Kira Kraftzoff, Kirill Timofejeff, Misha Degtjareffv und Sergio Drabkine leise, bis an die Schwelle zur Lautlosigkeit in das Konzert ein und setzten mit Tschaikowskys „Andante Cantabile” den ruhigen Rhythmus fort. Das Hauptthema, von einem alten russischen Lied inspiriert, spielte der Solocellist Kira Kraftzoff, Träger zahlreicher internationale Auszeichnungen, so virtuos, dass eine Welle des Applauses im Atrium des Erkelenzer Cusanus-Gymnasium nicht enden wollte.

Bei einer weiteren Eigenkomposition („Bach à la russe”) des 29-jährigen „Rastrelli-Cellisten” Misha Degtjareff, unterschieden sich die Verbindungen zwischen den Themen von dem Barock Bachs. Außerdem zeigten die Musiker den Zuhörern unter den sechs Georgischen Volkssuiten von Sulkan Zinzadze das Gefühl „Lale”, „das man empfindet, wenn man den Kaukasus sieht”, beschrieb Kira Kraftzoff. Es spannte sich leicht melancholisch zwischen Erhabenheit und Demut.

Locker und professionell, hingebungsvoll und vertieft spielten die Musiker und schufen dabei individuell ein immer wieder neues Ganzes.

Nach der Pause folgte ein Bruch im Programm und die Musiker kamen in neuen Oberteilen, statt in schwarz in weiß, auf die Bühne. Immer mehr bewegte sich die Musik dem Free Jazz entgegen und wurde, passend zur bevorstehenden USA-Tournee, von amerikanischen Komponisten bestimmt. „Wir versuchen, vergessen zu lassen, dass wir auf einem Cello spielen”, so die Musiker.

Bei der „Melodie” von Nikolay Sokolov weckten sie mit ihren Instrumenten Assoziationen an Saxofonklänge und ließen bei Euday Bowmans „On the 12th Street” an Stummfilmmusik denken. Sie gaben den Beat auf dem Cello an, und Sergio Drabkine imitierte mit gezupften Läufen einen Kontrabass. Wie einen Dudelsack mit durchgehendem Borduton hatte Kira Kraftzoff sein Cello schon beim „Sachidao”, einer der Georgischen Volkssuiten, klingen lassen und verwandelte sein Cello nun auch in eine Bassgitarre. Nach dem „bluesigen” „Blue rondo à la Turk” von Dave Brubeck spielte das Quartett die Rhapsody „Porgy and Bess” von George Gershwin in neuem Gewand. Sich ergänzend, ineinander übergehend und das Thema eines anderen übernehmend ließen die Musiker die bekannte Melodie in neuen Variationen klingen.

Die kraftvollen Stücke „Night Train” und „Take Five” - von Jimmy Forrest und Paul Desmond - eroberten das Publikum vollends. Mit stehenden Ovationen wurden die Cellisten gefeiert. Und obwohl der Bogen von Misha Degtjareff schon etwas angeschlagen war, spielten sie zwei Zugaben. Unter ihnen ein jüdisches Stück des Komponisten Mr. Anonymus, hinter dem sich, so lautet laut Kira Kraftzoff der Verdacht, in Wahrheit Sergio Drabkine verberge. Doch das bleibt wohl für immer im Dunkeln.