Aachen/Eschweiler/Stolberg: Mit Baseballschläger auf Mitbewohner eingeschlagen: Einweisung droht

Aachen/Eschweiler/Stolberg : Mit Baseballschläger auf Mitbewohner eingeschlagen: Einweisung droht

Weil er einen Mitbewohner in einer Flüchtlingsunterkunft mit einem Baseballschläger angegriffen und aus dem Fenster gestürzt hat, steht seit Freitag ein junger Afrikaner vor dem Aachener Landgericht. Immer wieder hatte der 23-Jährige randaliert und andere Menschen attackiert. Laut Staatsanwaltschaft leidet er unter einer paranoiden schizophrenen Psychose, er wird möglicherweise dauerhaft eingewiesen.

Das Einweisungsverfahren vor der 1. Großen Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht begann denn auch mit umfangreichen Tatvorwürfen gegen Boubacar S. aus Guinea.

Seit 2015 in Deutschland, bekam S. immer wieder Schwierigkeiten mit seinen Mitbewohnern oder auch mit den Betreuern, die sich um den jungen Mann aus Afrika kümmerten. Dabei wurden laut der verlesenen Antragsschrift die gewalttätigen Ausfälle von S. immer heftiger. Nach einem kürzeren Aufenthalt in Aachen war S. seit 2017 in einer Flüchtlingsunterkunft in Eschweiler untergebracht.

Dort kam es dann zu handfesten und gewalttätigen Übergriffen gegen seine Mitbewohner. Er habe sich eingeschränkt und missverstanden gefühlt, hatten Zeugen vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen berichtet.

Doch deswegen einen Mitbewohner mit einem Baseballschläger aus Aluminium mindestens sechsmal gegen Körper und den Kopf zu schlagen ist keine Lösung von Konflikten. Auch die sich am Morgen gegen 9 Uhr daran anschließende Handlung in der Unterkunft könne, das bekräftigte am Freitag der Rechtsmediziner unmissverständlich, zum Tode eines Menschen führen.

Prellungen und Blutergüsse

Denn Boubacar S. hatte sich so aufgeregt, dass er nicht nur mit seinem Baseballschläger zuschlug, sondern sein Opfer unmittelbar danach aus einem Fenster des Hauses wuchtete und nach draußen schmiss. Die Fallhöhe betrug „nur“ rund 2,50 Meter, doch unten am Boden lagen gefährliche Steinplatten, das Opfer kam mit Prellungen und Blutergüssen davon. Das hätte durchaus zum Tode führen können, Stürze direkt auf den Kopf seien auch aus geringerer Höhe manchmal tödlich, berichtete der Rechtsmediziner der Kammer.

Bereits 2016 hatte S. in Stolberg seine Betreuerin bedroht mit den Worten „ich steche Sie ab“, im Februar 2017 randalierte er abends gegen 22 Uhr in einer Unterkunft in Aachen, hier knallte er einem Mitbewohner eine Glasflasche auf den Kopf. In Eschweiler fiel er bereits vor dem gravierenden Ereignis im August mehrfach durch Körperverletzungen auf, einem Kollegen gab er eine Faust mitten ins Gesicht und soll ihn angeschrien haben „ich töte dich“, andere bearbeitete er mit Tischbeinen oder Holzlatten.

Die ihm vorgeworfenen Taten soll Boubacar S. laut Staatsanwaltschaft während akuter Anfälle einer paranoiden schizophrenen Psychose begangen haben, die Kammer wird also entscheiden müssen, ob der junge Mann in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wird, solange er als gefährlich für die Allgemeinheit eingestuft werden wird.

Das Verfahren wir in der kommenden Woche fortgesetzt.

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