Kreis Heinsberg: Ministerin Schulze Föcking beim Heinsberger Schweinetag

Kreis Heinsberg : Ministerin Schulze Föcking beim Heinsberger Schweinetag

Der Vorsitzende vom Verein zur Förderung der Schweineproduktion für den Kreis Heinsberg strahlte bei der Eröffnung des Heinsberger Schweine­tages: Rudolf Hilgers outete sich gerne als Fan des prominenten Gastes.

Denn zum Silberjubiläum dieser mit Expertenvorträgen gespickten Veranstaltung, die diesmal unter dem Motto „Zukunft erfolgreich gestalten“ stand, war die neue Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Christina Schulze Föcking (CDU), selbst staatlich geprüfte Landwirtin, am Mittwoch in den Hilfarther Saal Sodekamp-Dohmen gekommen. Für die Landwirte sei die Ministerin ein Glücksfall und eine Hoffnungsträgerin, so Hilgers.

Das Jahr sei wirtschaftlich erfolgreich gewesen für die Schweinehalter, blickte der Vorsitzende zurück auf 2017. In den letzten Monaten jedoch hätten es Lebensmitteleinzelhandel und Schlachthöfe dank ihrer Marktmacht geschafft, „die Erzeugerpreise wieder einmal in den Keller zu treiben“. Belastender als die momentan unzureichenden Erzeugerpreise sei jedoch das schlechte Image der Landwirtschaft.

Wütend zeigte sich Hilgers über den „skandalgierigen Umgang der Medien mit Bildmaterial vermeintlicher Tierschutzaktivisten“, die widerrechtlich in Ställe einbrechen würden, bis sie ein paar unappetitliche Bildschnipsel zusammenhätten. „Sie riskieren bewusst, mit ihren Einbrüchen Krankheiten und Seuchen einzuschleppen. Mit Tierschutz hat das wohl überhaupt nichts zu tun.“ Das billige Geschäftsmodell dieser skrupellosen Gaffer mit Kamera — auf dem ­Rücken hart arbeitender Tierhalter — sei wenig hilfreich und gehöre rechtlich härter bestraft.

Agrarpolitik mit Augenmaß

Die Ministerin — seit sechs Monaten im Amt — machte in ihrer mit viel Applaus bedachten Rede deutlich, dass sie auf ein Miteinander statt auf ein Gegeneinander setzt. Es gehe darum, miteinander zu reden und nicht übereinander. Wir haben einige Heraussforderungen vor uns.“ Agrarpolitik wolle sie mit Augenmaß gemeinsam mit den Landwirten und nicht gegen sie machen. So formulierte sie zum Beispiel mit Blick auf das Thema Gülle den Begriff „Freiwillige Verbindlichkeit“.

Sie sei auch gegen „künstliche Gräben“ zwischen konventionellen und Bio-Betrieben. Die Frustration der Landwirte könne sie nachvollziehen: Da sei der wirtschaftliche Faktor. Da sei die Bürokratie. Und da sei die Tatsache, dass Landwirte zu Unrecht an den Pranger gestellt würden. Wertschätzung komme zu kurz. Sie danke ihnen herzlich für ihre Arbeit, die rund um die Uhr geleistet werde. Nutztierhaltung bezeichnete sie als „Herz und Kern der Landwirtschaft“. Die Bürger müssten sich beim Einkauf an der Kasse auch daran erinnern, dass mehr Tierwohl Geld wert sein müsse. „Der Landwirt lebt nicht nur von seinen Tieren, sondern auch mit seinen Tieren“, sagte Schulze Föcking. Bei der Umsetzung der Nutztierhaltungsstrategie dürften Landwirte nicht überfordert werden.

Die Ministerin spannte den Bogen von der Ferkelkastration über die drohende Afrikanische Schweinepest bis zur Düngeverordnung. Beim Thema Kupierverzicht in der Schweinehaltung (Verzicht auf das routinemäßige Kürzen der Schwänze) mache die EU-Kommission Druck. „Wir müssen uns dem stellen. Wir sind auf dem Weg.“ Aber dies gehe nicht von heute auf morgen. „Das wird dauern“, sprach sie von Übergangsfristen. Was die Diskussion um Glyphosat und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln angeht, forderte sie: „Wir brauchen verlässliche Zulassungsverfahren mit ­hohem Schutzniveau.“ Sie fügte hinzu: „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen.“ Es müsse eine Rückkehr zu einer Politik geben, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiere.

Schulze Föcking erklärte, sie wolle Ökonomie, Ökologie und Sozales in Einklang bringen. Sie lege besonderen Wert auf Austausch mit Landwirten, Tierhaltern und Waldbauern, mit Naturschützern und Tierschützern, die wirklich am Tierwohl interessiert seien und nicht nur Tierhalter diffamieren wollten.

Im vergangenen Jahr hatten Vorwürfe gegen den Schweinemastbetrieb der Familie Schulze Föcking für Schlagzeilen gesorgt. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wurden jedoch eingestellt.

Bedeutung als Wirtschaftsfaktor

Landrat Stephan Pusch hatte in seinem Grußwort die große Bedeutung der Landwirtschaft als Wirtschaftsfaktor herausgestellt, ein Bekenntnis zur Förderung der Tierzucht im Kreis Heinsberg abgelegt und die Unehrlichkeit in mancher Diskussion kritisiert. Da werde so getan, als sei artgerechte Tierhaltung zu trennen von der Frage: „Was ist ein fairer Preis?“ Einerseits werde über Tierschutz schwadroniert, andererseits werde im Supermarkt billig Fleisch eingekauft.

Fast 43.000 Schweine im Kreis

Kreistierzuchtberaterin Jessica van Sloun hatte im Geschäftsbericht des Vereins zur Förderung der Schweineproduktion Zahlen präsentiert. Im Kreis Heinsberg werden demnach insgesamt fast 43.000 Schweine in 160 Betrieben gehalten: knapp 3500 Zuchtschweine sowie jeweils knapp 20.000 Ferkel bis 30 Kilogramm und Mastschweine.

(disch)
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