Kreis Heinsberg: Michael Barden macht den ersten Schritt in ein selbstbestimmtes Leben

Kreis Heinsberg : Michael Barden macht den ersten Schritt in ein selbstbestimmtes Leben

Erwartungsvoll sitzt Michael Barden am Esszimmertisch. Aufgeregt rollt er sein Tischset auf und wieder auseinander. Und doch strahlt er dabei über sein ganzes, pausbackiges Gesicht. Er freut sich über den Besuch in den vier Wänden, die quasi seine sind.

Denn seit Beginn des Jahres lebt der 21-Jährige, der tagsüber in der Werkstatt der Lebenshilfe als Gärtner tätig ist, zusammen mit vier weiteren Männern in einem Einfamilienhaus an der Krankenhausstraße in Heinsberg.

Im Sommer vergangenen Jahres war er von Arbeitskollegen aus der Arbeitsgruppe Landschaftspflege auf die Möglichkeit des Betreuten Wohnens aufmerksam geworden. Das kam seinem Wunsch, selbstständiger zu werden, sehr entgegen. Seine Mutter unterstützte ihn in seinem Vorhaben, aus der Familie auszuziehen, und so suchten beide Denise Lison in der Beratungsstelle der KoKoBe (Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung) auf.

Im Gespräch stellte sich schnell heraus, dass Michael Barden nicht direkt ganz alleine würde leben können, und so informierte ihn die KoKoBe über die Anbieter Betreuten Wohnens, die in Heinsberg Wohngemeinschaften begleiten. Michael Barden suchte sich davon zwei aus, besichtigte sie gemeinsam mit der KoKoBe und entschied sich schließlich für die Wohngemeinschaft (WG) der Gangelter Einrichtungen Maria Hilf im Haus an der Krankenhausstraße.

Dort traf er schon beim ersten Besuch auf Arbeitskollegen, die ihn spontan zum Grillen einluden, und so war das Eis gebrochen. Jetzt bewohnt Michael Barden im Haus sein eigenes Zimmer. Die übrigen Räume nutzt er gemeinsam mit den anderen Bewohnern. Jeder hat zudem seinen sogenannten Bezugsbetreuer. Für Michael Barden ist dies Judith Kricke. Die Diplom-Sozialpädagogin begleitet ihn auf seinem Weg in immer mehr Selbstständigkeit, angefangen bei Tipps für die Pflege des eigenen Zimmers bis hin zu Bank- oder Behördengängen. Seine gesetzliche Betreuerin ist seine Mutter.

„Kochen muss ich noch lernen”

Bis auf die festen Termine, die seine WG hat, etwa den Wocheneinkauf am Dienstag oder die Wohnungspflege am Freitag, gestaltet Michael Barden seine Freizeit jetzt nach seinen eigenen Wünschen. „Und er hat viel Freude daran, Neues zu lernen”, lobt ihn seine Betreuerin. „Kochen muss ich noch lernen”, sagt Michael Barden jedoch, als er zusammen mit seiner Betreuerin den Inhalt des Kühlschranks inspiziert.

Judith Kricke ist sicher, dass Michael Barden das Leben in der Wohngemeinschaft als „Lernfläche” nutzen wird, vielleicht zunächst für den Schritt in eine gemeinsame Wohnung mit einem Freund und dann ganz in eine eigene kleine Wohnung.

Im Moment jedoch ist er glücklich über seinen ersten Schritt in ein selbstbestimmtes Leben, wie es für ihn möglich ist, „Mmh, nö, da fällt mir nix ein”, antwortet er auf die Frage nach aktuellen Veränderungswünschen. Auch seine Wochenenden gestaltet er jetzt selbst. Meist macht er sich dann zu Fuß auf den Weg und genießt es, am Lago Laprello spazieren zu gehen. „Da sehe ich viele Gänse, Enten und manchmal einen Schwan”, erzählt er. Von dort zieht es ihn dann weiter Richtung Karken, wo er dann seine Eltern und Geschwister besucht.