Kreis Heinsberg: Menschen mit Behinderung haben Stärken

Kreis Heinsberg : Menschen mit Behinderung haben Stärken

„Hartelijk welkom“ hieß es am Koningsdag in Heinsberg unter einem großen, orangefarbenen Luftballonbogen auch im Museums-Café Samocca. Anlässlich des Feiertages in den Niederlanden hatte die Lebenshilfe Heinsberg als Café-Betreiber sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Sie lud ein zur Vernissage einer Ausstellung mit 50 Werken behinderter Menschen, die als Künstler im Atelier „Ut Glaashoes“ in Maastricht arbeiten, einer Einrichtung für behinderte Menschen in Südlimburg.

Geert Savelberg (rechts) stellte mit Georg Kohlen (3. v. l.) bei der Vernissage im Museums-Café Samocca auch einige seiner Bilder vor.
Geert Savelberg (rechts) stellte mit Georg Kohlen (3. v. l.) bei der Vernissage im Museums-Café Samocca auch einige seiner Bilder vor. Foto: vor.

Georg Kohlen, bei der Lebenshilfe beschäftigt und selbst Künstler, hatte zusammen mit Mitarbeitern der Lebenshilfe das Atelier und die dazu gehörende Galerie besucht und die Werke für die Ausstellung ausgesucht. Er war begeistert. 30 Künstler würden dort arbeiten, erklärte er in seiner Begrüßung und riet jedem Gast der Vernissage, das Atelier unbedingt beim nächsten Besuch in Maastricht auch zu berücksichtigen.

Einer der Künstler war Geert Savelberg, der im Gespräch mit Kohlen in Deutsch über sein Leben als Autist und über seine Arbeit berichtete.

Er sei Autist, aber nicht behindert, erklärte Savelberg seinen Zuhörern. „Ich bin interessiert“, sagte er und nannte als Beispiele Geschichte und Kultur, insbesondere die Musik und natürlich die Malerei. „Und ich kann sehr gut Details sehen“, sagte er und erläuterte, wie er diese beiden Gaben zusammen mit seinem guten Gedächtnis in seiner Kunst vereine.

Hier sehe er ein Ornament, an einem anderen Gebäude ein Fenster, und so füge sich dann eins zum anderen in seinem neuen Werk zusammen. Als Autodidakt spiele er zudem Klavier und Gitarre, erzählte Savelberg.

Erstaunt waren vor allem die deutschen Gäste, als sie weiter von ihm hörten, dass er ausschließlich als Künstler arbeite. So werde in den Niederlanden auch die künstlerische Arbeit behinderter Menschen sehr ernstgenommen und habe keine Alibi-Funktion in der Freizeit, bemerkte Kohlen.

In Deutschland stehe das Arbeiten im Vordergrund. In den Niederlanden könnten behinderte Menschen dagegen mehr wählen, erklärte Jakob Lieck, stellvertretender Vorsitzender der Lebenshilfe Heinsberg. „Menschen mit Behinderungen haben ihre Stärken, die oft nicht gesehen werden“, stellte er fest und erntete dafür viel Applaus. „Wir fühlen uns sehr geehrt, dass wir unsere Kunst hier in die Stadt bringen dürfen“, bedankte sich Léon Sporeck, der mit den Menschen in „Ut Glaashoes“ arbeitet.

Noch bis zum 1. August sind die 50 farbenfrohen Malereien und Skulpturen zu sehen, sowohl im Café Samocca als auch in den Schaufenstern von fünf weiteren Geschäften in der oberen Hochstraße, zudem auf der Verwaltungsetage des Lebenshilfe-Centers in Oberbruch. Unterstützt wird das Projekt von der Aktion Mensch anlässlich ihres Aktionstages am 5. Mai. „Wir gestalten unsere Stadt“, lautet das Motto dazu in diesem Jahr.

Zum Projekt gehört dann auch die Bustour, zu der die Lebenshilfe anlässlich der Kunsttour am 7. Mai wieder einlädt. Wenige Plätze sind noch frei. Anmeldung: Telefon 02452/969100 oder per Mail an info@lebenshilfe-heinsberg.de.

(anna)