Erkelenz: Meister der Langsamkeit läuft spät zur Hochform auf

Erkelenz : Meister der Langsamkeit läuft spät zur Hochform auf

Der Meister der Langsamkeit lief spät, aber doch noch rechtzeitig zur Hochform auf.

Kabarettist Rüdiger Hoffmann, nicht gerade als Schnellsprecher in der Szene bekannt, ließ sich Zeit, viel Zeit, bis er die Pointen seiner Sketche lieferte. Und es brauchte lange, bis sein Publikum in der Erkelenzer Erka-Halle in Begeisterung ausbrach.

„Ekstase” lautet der Titel des neuen Programms von Hoffmann, aber ehe das ihm durchaus gewogene Publikum tatsächlich in Ekstase geriet, verging viel Zeit. Erst der zweite Teil seines Auftritts und die Zugaben ließen den Funken überspringen, vor der Pause bereitete es Hoffmann dagegen etliche Mühe, bei den Zuhörern auf allgemeine Zufriedenheit zu stoßen.

Rund 1500 Besucher strömten am Sonntagabend in die nicht ausverkaufte Halle. Selbstverständlich freute sich Hoffmann nach drei Jahren wieder einmal in Erkelenz zu sein, zugleich froh darüber, überhaupt hierhin gefunden zu haben.

Erkelenz sei eine schöne Stadt mit gepflegten Vorgärten, „aber nicht zu gepflegten”. Es „menschelt” sehr im Programm des Kabarettisten aus Paderborn. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind der Stoff, aus dem er seine Sketche schöpft. Seine Probleme mit dem Navigationssytem, der Nachbarkiller-Blues, der stotternde Hund Achim, der stets locker bleibende Schützenbruder ließen das Publikum nur langsam warm werden.

Mitleid mit dem verhätschelten Muttersöhnchen, der als 45-jähriger Jurist sein Kinderzimmer räumen und das Haus verlassen soll, konnte es ebenso wenig aufbringen wie für den geplagten Vater, der große Schwierigkeiten bei den Erziehungsbemühungen des Sohnes hat.

„Ja, ich weiß nicht, ob Sies wussten”, vermutete Hoffmann mehr als einmal bei seinem Auftritt, um dann etwa über die Voraussetzungen einer guten Beziehung zu referieren, bekanntermaßen langsam, mit einigem Hintersinn und das Publikum immer wieder zur Aufmerksamkeit fordernd.

Man müsse sich in einer guten Beziehung auch gelegentlich auseinandersetzen, empfahl Hoffmann; etwa im Kino, in dem seine Bekannte in der ersten und er in der letzten Reihe sitzen würde. Auch müsse man loslassen können, um eine Beziehungskrise zu bewältigen; „etwa beim Bergsteigen.”

Bisweilen am Klavier, gelegentlich mit kleinen Veränderungen, aber im Wesentlichen mit einer stets wechselhaftes Mimik wanderte Hoffmann durch das Programm, zu dessen Höhepunkten seine Darstellung eines Traumpaares kurz vor der silbernen Hochzeit gehörte und der „Ausflug mit den Jungs” ohne Frauen.

Das Lied von Mike, der Mördermücke, oder Hoffmanns Plauderei über die Selbsthilfegruppe innerhalb seiner Schützenbruderschaft gegen Ausländerfeindlichkeit führten dann doch noch zum üppigen „Lohn der Künstler”, zu lang anhaltendem Applaus und stehender Beifallsbekundung.

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