Städteregion/Aachen: Mehr als Sprachförderung über die Eltern

Städteregion/Aachen : Mehr als Sprachförderung über die Eltern

„Bei ‚Rucksack' geht es um viel mehr als reine Sprachförderung“, meinte Livia Daveri von der Hauptstelle der RAA (Regionale Arbeitsstelle für Kinder aus Zuwandererfamilien) in NRW, als jetzt Elternbegleiterinnen aus ganz Deutschland in Aachen zusammenkamen, um ihre Arbeit zu reflektieren. Und die scheint sehr fruchtbar zu sein.

Das Projekt „Rucksack“ wirkt auf verschiedenen Ebenen. Es richtet sich an Eltern mit Zuwanderungsgeschichte und ihre Kinder ab dem vierten Lebensjahr. Die Elternbegleiterinnen arbeiten mit den Müttern in ihrer Herkunftssprache und gehen mit ihnen all die Dinge durch, die ihre Kinder in der Kita gerade lernen. So können die Mütter später in ihrer eigenen Sprache noch einmal das mit ihren Kindern erarbeiten, was die bereits auf Deutsch gelernt haben.

„Gute Kenntnisse der Muttersprache sind die Voraussetzung, um eine andere Sprache zu lernen“, betonte Günter Schabram, Dezernent für Soziales und Integration der Städteregion Aachen, als er die Elternbegleiterinnen im Haus der Städteregion begrüßte. Doch das, was „Rucksack“ leiste, gehe weit über reine Sprachförderung hinaus, betonte Livia Daveri.

Das Projekt trage zur interkulturellen Öffnung der Familien bei und gebe den Eltern die Chance, mitzugestalten. „Man kann erkennen, welches Kind an dem Projekt teilgenommen hat“, sagte Daveri. Und Meral Yumuk, Elternbegleiterin aus Gladbeck, gibt ihr da völlig Recht. Seit zwei Jahren begleitet sie Mütter und Väter in ihrer Muttersprache. Sie hat festgestellt: Die Kinder aus diesen Familien sind offener und fallen später in der Schule wegen ihrer guten Integration auf. Ihr mache die Arbeit sehr viel Spaß, sagt Meral Yumuk, und sie wolle auch in Zukunft dabei bleiben.

Bundesweit sind 550 Elternbegleiterinnen im Einsatz. In der Städteregion sind es etwa 15. Gemeinsam leisten sie laut Timur Bozkir, kommissarischer Leiter des Integrationsbüros der Städteregion, einen wichtigen Beitrag, um Integration voranzutreiben.

Die an dem Projekt teilnehmenden Kitas suchen die Mütter aus, die sie für die richtigen halten. Dabei geht es laut Timur Bozkir weniger um berufliche Qualifikationen, sondern mehr um persönliche Eignung.

Die Mütter werden in den Kitas geschult, damit sie später anderen Müttern zeigen können, wie die in ihrer Sprache mit ihren Kindern arbeiten können. Türkisch, arabisch, serbisch, oder russisch sind nur einige der Sprachen, die dabei in Frage kommen. Die Elternbegleiterinnen werden ganz nebenbei zu Ansprechpartnerinnen der Familien und der Erzieher.

Im Rahmen der Konferenz, bei der gleichzeitig das 15-jährige Jubiläum des Projekts gefeiert wurde, tauschten die Elternbegleiterinnen bei drei thematischen Workshops ihre Erfahrungen aus. Außerdem stand ein Referat von Professorin Birgit Leyendecker auf dem Programm. Sie beschäftigt sich an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum mit dem Thema Migration.