Man stolpert noch immer

Man stolpert noch immer

Erkelenz (an-o) - "Die Steine werden häufig beachtet. Von Menschen auf dem Weg vom Bahnhof in die Stadt, von Jung und Alt. Neo-Nazis haben sich Gott sei Dank noch nicht daran zu schaffen gemacht", sagt Wilma Sonn, Eigentümerin des Hauses Nr.46 an der Kölner Straße. Man stolpert also noch.

Als die Steine zum Gedenken an die Erkelenzer Familie Strauss, die jüdischen Glaubens war, 1942 nach Polen deportiert und wie viele andere Unschuldige in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurde, von dem Künstler Gunter Demnig vor ihrem Haus unter Teilnahme zahlreicher interessierter Erkelenzer Bürger/innen verlegt wurden, bemerkte sie zu dessen Erstaunen, sie hätte diese Aktion schon viel früher erwartet und begrüßt.

Ähnlich positive Resonanz ist in den umliegenden Geschäften der Kölner Straße anzutreffen.

Nach den "Stolpersteinen" befragt, tritt die Dame der Reinigung nebenan bereitwillig mit vor das Geschäft und zeigt auf die Stelle im Gehweg mit den "vier goldenen Steinen".
Auch der etwas weiter entfernte Eisdielenbetreiber gibt, auf die Steine angesprochen, sofort Auskunft. In der schräg gegenüberliegenden Apotheke ist das genau so. Fast alle Befragten reagieren spontan, eine positive Einstellung zu den Gedenksteinen ist zu spüren.

Erinnerung wach halten

Mit Stolz betrachtet die Gemeinschaftshauptschule die Stolpersteine als die Fortführung ihres Projekts zur Erinnerung an das Schicksal der jüdischen Mitbürger in Erkelenz. Kurt Strauss, ein Verwandter der Familie, der das Andenken in der Kölner Straße gilt, kritisiert freilich die Inschrift der Stolpersteine: Nicht "verschollen", sondern "ermordet" sei das richtige Wort für das schreckliche Geschehene.

Diese Formulierung ist vom Künstler Gunter Demnig gewählt worden, der bisher zahlreiche gleichartige Gedenksteine in Berlin und Köln und Umgebung verlegt hat. Es ist zu wünschen, das Erkelenzer Gedenken an unsere Mitbürger jüdischen Glaubens würde im Kreis Heinsberg und darüber hinaus Nachahmer finden.