Heinsberg: Mafia findet einen breiten Nährboden

Heinsberg : Mafia findet einen breiten Nährboden

Am Ende musste der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zurücktreten. Nixons Fall ist das vielleicht spektakulärste Ergebnis der Arbeit „investigativ” vorgehender Journalisten und Autoren. Jürgen Roth ist einer von denen, die hier zu Lande so „enthüllend” vorgehen.

Seit 1971 produziert der 1945 in Frankfurt am Main geborene Roth brisante TV-Dokumentationen und veröffentlichte eine Reihe von Büchern, die in aufklärerischer Absicht kritisch die gesellschaftlichen Zustände in Deutschland beleuchten.

In den neuen Räumen der Service-Agentur unserer Zeitung, der Buchhandlung Gollenstede, stellte Roth sein aktuelles Buch „Mafialand Deutschland” vor. Gut 60 Zuhörer waren auf die Antworten gespannt, die Roth auf die Fragen seines Kollegen Rainer Herwartz, dem Leiter der Heinsberger Redaktion unserer Zeitung, zu den Methoden und den Hintergründen seiner Arbeit geben würde. Ob er, sein Geburtsjahr lasse dies ja vermuten, ein so genannter 68er sei, will Herwartz grundlegend wissen. „Geprägt nicht”, sagt Roth, „aber von der 68er-Generation im Denken beeinflusst bin ich schon.”

Er sei früh politisch geworden, mit 14 Jahren ist er Mitglied der Jungen Union. Im Laufe des Abends allerdings weist er auf das „rote Parteibuch” der SPD hin, das er noch immer bei sich trage. „Das Prinzip, dem ich in allen meinen Büchern nachgehe, ist die Frage der Gerechtigkeit”, sagt Roth.

Was denn nun richtig sei, will Herwartz von Roth wissen. „Ich war immer umstritten”, antwortet der. Und fügt gleich hinzu: „Glücklicherweise”. Wenn man wie er Partei für Gruppen ergreife, die sonst nicht zu Gehör kämen, dann müsse man mit Widerspruch rechnen. Hinzu komme, dass die organisierte Kriminalität und deren Einfluss auf das gesellschaftliche Leben in Deutschland „für viele Kollegen ein exotisches Thema” sei. „Aber es gibt auch Journalisten, die sich nachhaltig mit diesem Thema beschäftigen”, betont Roth.

Geldwäsche, Zwangsprostitution, Drogenhandel - Felder auf denen sich die Cosa nostra, die N´drangheta, die Camorra oder die russische Mafia auch in Deutschland tummeln. Gibt es seines Wissens konkrete Verbindungen zwischen der organisierten Kriminalität und der Politik in Deutschland? „Es gibt Verbindungen von Politikern zu kriminellen Strukturen”, antwortet Roth. Beispiel? „Gerhard Schröder. Der hat mit Gazprom Verträge gemacht und arbeitet jetzt für den russischen Energielieferanten. Bei Gazprom sind ganz eindeutig Verbindungen zu kriminellen Strukturen vorhanden.”

Schröder („Der hat die SPD kaputt gemacht”) sei natürlich ein Ausnahmefall. In der Regel aber, so Roth, liefe die Sache ganz alltäglich: „Man geht bei einem teuren Italiener speisen, man schließt Freundschaften, man gewinnt Gefallen an Gefälligkeiten.” Konkret? Da nimmt Jürgen Roth kein Blatt vor den Mund: „Koks und Nutten. In diesem Bereich bewegen sich viele auf der Ebene der politischen Elite in Deutschland. Und sind damit erpressbar. Unabhängig vom Parteibuch.” Beispiel? „Ronald Schill in Hamburg.” Auch ein „amtierender Ministerpräsident” komme ihm in den Sinn.