Aachen/Kreis Heinsberg: Luxusautos gehackt und gestohlen: Angeklagter geständig

Aachen/Kreis Heinsberg : Luxusautos gehackt und gestohlen: Angeklagter geständig

Funkschlüssel für das Auto sollten einige Meter von einem Fenster entfernt abgelegt werden, empfehlen Fachleute als Vorsichtsmaßnahme. Sie soll Fahrzeugbesitzer vor diebischen Hackerangriffen schützen.

Denn das elektronische Keyless-Go-System — zum schlüssellosen Start eines Autos — gilt als so einfach zu ­knacken, dass sich gerade im grenznahen Raum Banden aus den Niederlanden auf den Diebstahl von ­Luxuskarossen per Hackerangriff spezialisiert haben.

Seit Montag muss sich nun der 34-Jährige Henk P. wegen schweren bandenmäßigen Diebstahls in mehreren Fällen vor der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht verantworten. Der Mann aus Heerlen soll als Fahrer zwischen September 2017 und Ende Januar 2018 die eigentlichen Täter im Grenzland zwischen Mönchengladbach, Heinsberg, ­Geilenkirchen und Herzogenrath chauffiert haben, damit sie zumeist in dunkler Nacht vor den Häusern stehende Autos der Oberklasse stehlen konnten.

Ihnen fielen in der kurzen Zeit sieben Autos im Wert von insgesamt 568.000 Euro in die Hände, darunter ein Mercedes Typs ML 350 und ein Luxus-Vito aus Erkelenz, ein Jaguar XE aus dem Selfkant, ein getunter 5er-BMW und ein VW-Multivan aus Geilenkirchen. In Herzogenrath verschwand ein AMG-Mercedes. Die Diebestour ging bis Mönchengladbach, dort war es wieder ein ML 350, der geknackt und laut Anklage über die nahe Grenze in die Niederlande gebracht wurde.

Der Heerlener — er ist Vater zweier kleiner Kinder und brauchte Geld, wie er vor Gericht ­erklärte — soll die Mit­täter in Aachen in einem ­Szene-Café ­kennengelernt haben. Er wohnte nach Trennung von der Ehefrau im ­August 2017 alleine in seinem Haus in Heerlen und hatte dort zwei Garagen zur Verfügung. „Ich habe zunächst nur meine Garage an einen Fremden vermietet“, berichtete er auf die Fragen des ­Vorsitzenden Richters Hans Günter Görgen. Dort wurde erstmals ein gestohlenes Auto zwischengeparkt, wobei am Montag nicht klar wurde, ob die Wagen direkt in einer der Garagen des Angeklagten zerlegt oder „am Stück“ weiterverkauft wurden.

Der im Großen und Ganzen geständige Angeklagte beschrieb, wie er an den Tattagen in seinem vergleichsweise bescheidenen Opel Corsa zwei oder drei Täter zu den vorbestimmten Objekten gefahren habe. Die Adressen seien ihm von dem Anführer in sein Handy eingegeben worden, danach habe er die Täter fast bis vor die Haustüre gefahren.

Sie seien dann — meist tief in der Nacht — mit ihrem teuren technischen Gerät ausgestiegen. Die Täter hätten sich von außen auf elektronischem Weg die Schlüsselcodes aus den Häusern besorgt. Der zweite Mann habe mit einem ­Empfangsgerät am Luxus­wagen gewartet, die Türe geöffnet und den Motor angelassen. Schließlich verschwanden sie alle von der Bild­fläche — zumeist in Richtung Sittard.

In einigen Fällen habe die Sache mit dem 20.000 Euro teuren Hackergerät nicht geklappt, dann sei auf die alte Carjacking-Methode umgeschaltet worden: Täter brechen mit einem Schraubenzieher Türen oder Fenster auf und eignen sich die Autoschlüssel direkt an.

Der Angeklagte war nach einer Verfolgungsfahrt mit der Polizei am 29. Januar geschnappt worden, die ihn in seinem Corsa stoppte, nachdem die Bande in Geilenkirchen-Gillrath „tätig“ gewesen war. Er gab die Identität der Mittäter bislang nicht preis, allerdings sind zwei weitere Männer mit ähnlichen Vorgehensweisen parallel angeklagt; ihre Verfahren stehen noch aus.

Der Prozess ist auf fünf Verhandlungstage angesetzt und wird am Mittwoch ab 9 Uhr im Aachener Landgericht mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

(wos)
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