Städteregion: Luftsportverein: Berufsschüler gehen in die Luft

Städteregion : Luftsportverein: Berufsschüler gehen in die Luft

Sie lernen Flugzeuge bis ins kleinste Detail kennen: Aufbau, Material technische Funktionsweise, Wartung und Instandhaltung. Bislang konnten die Auszubildenden zum Maschinenbautechnischen Assistenten am Berufskolleg Alsdorf die Faszination des Fliegens aber allein auf theoretischer Ebene erkunden.

Ein Kooperationsvertrag zwischen dem Berufskolleg und dem Luftsportverein Aachen bringt die Schüler in Zukunft auch selbst in die Luft.

Auf dem Flugplatz Merzbrück werden die Teilnehmer an der Arbeitsgruppe nach den Sommerferien beginnen, ihre Kenntnisse zur Wartung und Instandhaltung an den Segelfliegern in die Praxis umzusetzen. „Der Sinn der Sache ist, dass man anschließend auch selbst in den Maschinen fliegt, an denen man gearbeitet hat“, so Fachleiter Norbert van Hall vom Berufskolleg. Zusätzlich zum wöchentlichen Theorieunterricht der AG, der den Schulunterricht sinnvoll ergänzen soll, kommen ab März Segelflugtermine hinzu. Man wolle allen Teilnehmern ermöglichen, durch zusätzliche Stunden die Flugerlaubnis zu erlangen.

„Es ist schön, dass wir die Möglichkeit bekommen, so etwas von der Schule aus zu machen“, zeigt sich der 17-jährige Leonard begeistert. „Die Schüler kommen mit großer Begeisterung für den Flugsport“, freut sich Hartmut Biebricher, Vorsitzender des Luftsportvereins Aachen. Die Faszination des Fliegens besteht für Biebricher insbesondere in der Sensibilität, die man allein bei der Fortbewegung in der Luft spüre.

Luftfahrtbundesbehörde

Diese Faszination auf junge Menschen übertragen, das hat sich Flugtrainer Arnaud Hefter in den Kopf gesetzt. Der ehemalige Jugendgruppenleiter nahm auf der Suche nach einer geeigneten Schule über segelfliegende Schüler aus anderen Ausbildungsgängen Kontakt zum Berufskolleg Alsdorf auf. Rund eineinhalb Jahre hat es dann aber noch gedauert, bis Schule und Luftsportverein die Einrichtung der Flugtechnischen Arbeitsgemeinschaft nun vertraglich festmachen konnten.

Möglich wird die Kooperation durch die Unterstützung der Schulverwaltung der Städteregion als Träger des Kollegs und den finanziellen Zuschuss der P3 Group als Sponsor. Erschwert haben die Umsetzung unter anderem die hohen Ansprüche der Luftfahrtbundesbehörde, erklärte Schulleiter Thomas Becker: „Obwohl wir keinen Gewinn erzielen, gelten für uns ähnliche Auflagen wie für große Fluggesellschaften.“

Zwar gibt es zwischen den bisher bekannten Maschinen und den Segelfliegern beispielsweise beim Material große Unterschiede — die Segelflugzeuge bestehen aus leichten Faserverbundstoffen, während die Cessna 421, an der die angehenden Flugzeuginstandhalter zur Zeit üben, aus Aluminium gemacht ist. Die Grundtechniken, die die Schüler im ersten Ausbildungsjahr zum Maschinenbautechnischen Assistenten bereits erworben haben, lassen sich aber auch auf dem Flugplatz anwenden.

„Das Segelfliegen ist die Mutter allen Fliegens“, erklärte Hefter den Schülern. „Wenn ihr den Segelflieger steuern könnt, könnt ihr früher oder später alles fliegen.“ Technisch muss gar nicht mehr so viel vermittelt werden, dafür kommen aber Bereiche wie Navigation, Funk und Thermik hinzu. Bei den AG-Terminen werden die Schüler zudem Experimente im Schleppvorgang vornehmen und beispielsweise nach einer Reparatur Werte für die Abnahme aufnehmen — alles real und fliegend in der Luft.