Kreis Heinsberg: Linke: „Es wird durch die Hintertür aufgerüstet“

Kreis Heinsberg : Linke: „Es wird durch die Hintertür aufgerüstet“

Ob es das eher kühle und wolkige Wetter war, das große Angebot an Pfingsten oder auch das Thema, das lässt sich nur schwer ergründen. Klar ist aber, dass beim Friedensfest der Partei „Die Linke“ am Pfingstsamstag auf dem Geilenkirchener Marktplatz der große Ansturm ausblieb.

Dabei hatten sich die drei anwesenden Bundestagsmitglieder Andrej Hunko, Sevim Dagdelen und Dr. Diether Dehm, Landessprecherin Özlem Alex Demirel und die in Geilenkirchen lebende Linke Jenny Marx viele gute Argumente zurechtgelegt, die für eine Wiederbelebung des Friedensgedankens sprechen. „Es wird durch die Hintertüre aufgerüstet“, sagte beispielsweise Ute Marx. „Pro Sitzungswoche stimmt der Bundestag mehrheitlich durchschnittlich einem Militäreinsatz zu“, ergänzte Andrej Hunko. Und angesichts eines bis 2018 auf jährlich 36 Milliarden Euro von derzeit 34 Milliarden Euro steigenden Verteidigungsetats sprach Özlem Alev Demirel davon, dass hier falsche Prioritäten gesetzt würden. „Dieses Geld fehlt bei der Sanierung von Schulen oder Bibliotheken oder auch in unserem Sozialsystem“, so Demirel.

Sie ging sogar noch einen Schritt weiter in der Argumentation, sah den Standort Geilenkirchen, der ja auch Nato-Sitz ist, in einer ihrer Meinung nach falschen Rolle. „Geilenkirchen sollte eine Stadt des Friedens sein, aber im Moment geht von Geilenkirchen der Krieg aus“, sagte sie. Darum hielten es die Linken an der Zeit, und Geilenkirchen für den geeigneten Ort, um im Rahmen eines bunten Festes für Frieden zu werben.

Umdenken muss einsetzen

Dabei ging es nicht nur mit Hüpfburg, einem Angebot für Leib und Magen sowie Manna für die Seele in Form von Musik mit DJ Sven Günther und der Band „Nic Knatterton & die Marmeladenfabrik“ oder auch der kabarettistischen Einlage mit Dr. Dehm um die Annäherung ans Friedensthema über den Spaß am Festerlebnis. Es ging für die Organisatoren auch darum, einmal Zusammenhänge zu verdeutlichen, die ihrer Meinung nach in der Flüchtlingskrise besonders auffallen. So betonte Sevim Dagdelen, dass Deutschland einer der größten Rüstungsexporteure sei, und mit den Waffenlieferungen auch dafür sorge, dass Krieg und somit Flucht erst entstünden. Hier müsse ein Umdenken einsetzen, forderte sie im Sinne des früheren Friedensslogans „Schwerter zu Pflugscharen“, der heute nur anders heißt: „Rüstungskonversion“ nannte Dagdelen es, und wünschte sich, dass auch die NRW ansässigen Produktionsstätten für Waffen in andere, friedliche Industriezweige umgeformt werden müssten.

Eine Kritik an denen, die früher einmal die Friedensbewegung politisch abbildeten, hatten die Linken dabei auch noch parat. „Die Grünen heben heute bei fast jedem Bundeswehreinsatz die Hand“, schloss Andrej Hunko, und das sorge schließlich auch dafür, dass diejenigen, die früher grün wählten, heute die Linke wählen.

(mabie)