Städteregion: „LIFE“-Projekt soll seltene Kröte vor dem Aussterben bewahren

Städteregion : „LIFE“-Projekt soll seltene Kröte vor dem Aussterben bewahren

Bettina Krebs steht nicht im Verdacht, Sachverhalte gerne zu dramatisieren. Man sollte ihre Worte also uneingeschränkt ernst nehmen, wenn sie sagt: „Das ist eine Rettung in letzter Minute.“ Gerettet werden soll die Geburtshelferkröte. Sie ist massiv vom Aussterben bedroht — in der Städteregion, in Deutschland und in Europa.

Um ihr endgültiges Verschwinden im Altkreis Aachen zu verhindern, hat die Biologische Station das Projekt „Amphibienverbund“ initiiert, das von der Europäischen Union, dem Land NRW und der Städteregion mit insgesamt rund 4,2 Millionen Euro gefördert wird.

Nach einem Jahr der Planung und Vorbereitung werden jetzt die ersten konkreten Maßnahmen ergriffen: Noch bis voraussichtlich Ende März werden auf der „Schwarzen Halde“ im Wurmtal sowie auf dem Brockenberg in Stolberg Gehölze samt ihrer Wurzeln entfernt, um den Kröten wieder einen adäquaten Lebensraum bieten zu können.

„Die Geburtshelferkröte benötigt weitgehend vegetationslose, sonnenbeschienene Hänge“, erklärt Krebs, die das Projekt „Amphibienverbund“ leitet. „Lockeres Bodenmaterial, in das sie sich eingraben kann, und Kleingewässer bieten ihr ideale Bedingungen.“

So war es jahrzehntelang auch in den erwähnten Bergbau- bzw. Steinbruchgebieten in Würselen und Stolberg. „Doch mittlerweile werden die Hänge durch Bäume beschattet. Und fast alle Stillgewässer sind verlandet und damit verschwunden“, beschreibt die Biologin das Dilemma. Den Geburtshelferkröten ist damit ein Großteil ihres Lebensraum verloren gegangen.

Dem will die Biologische Station mit ihrem Projekt nun entschieden und nachhaltig entgegenwirken. Die Rodungen sind der erste sichtbare Schritt, weitere werden folgen. Zum Beispiel das Anlegen von Tümpeln als Laichgewässer. Rund 50 Quadratmeter groß ist ein solcher Tümpel und so tief, dass er nicht vollständig zufrieren und nur bei extremen Bedingungen austrocknen kann. Damit wird gewährleistet, dass sich die Kaulquappen dort ungefährdet entwickeln können.

Die Biologische Station baut Becken aus Beton — oder besser gesagt: Sie lässt sie durch eine Fachfirma bauen. „Diese Becken halten das Wasser, sind gut zu reinigen und haben eine lange Lebensdauer“, erklärt Bettina Krebs. Jeweils mehrere künstliche Gewässer werden auf der „Schwarzen Halde“ und am Brockenberg entstehen. Ihre Pflege sollen sogenannte Amphibienranger übernehmen, die die Biologische Station ab dem Herbst ausbilden wird.

Außerdem ist eine verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen geplant. Schließlich soll der „Amphibienverbund“ dauerhaft für eine Verbesserung des Lebensumfeldes für die geschützten und dennoch bedrohten Arten sorgen — auch über das Ende der Projektförderung im Dezember 2025 hinaus.

Unterstützung erhält die Biologische Station von den zuständigen Behörden. Beispielsweise von der Unteren Naturschutzbehörde der Städteregion: „In den letzten Jahren ist die Zahl der Vorkommen wie auch die Gesamtzahl der Tiere stetig gesunken“, berichtet deren Leiter Richard Bollig. „Auch wir beteiligen uns an der Finanzierung des Projektes, damit uns die Geburtshelferkröte als kleine heimische Krötenart langfristig erhalten bleibt.“

Dass dies mit Blick auf die „Schwarze Halde“ anderenfalls nicht zu gewährleisten wäre, steht für Bettina Püll vom Umweltamt der Stadt Würselen fest: „Ohne diese Artenschutzmaßnahme würde die Geburtshelferkröte an diesem Standort sicherlich verschwinden.“

So aber besteht Hoffnung für die Geburtshelferkröte, und gleiches gilt für die Kreuzkröte und die Gelbbauchunke, deren weiterer Schwund ebenfalls durch den „Amphibienverbund“ verhindert werden soll.

Bettina Krebs hat in diesem Zusammenhang eine gute Nachricht: „Bei der Sichtung der Geburtshelferkröten sind wir natürlich auch auf Gelbbauchunken gestoßen.“ Und dabei habe es eine „schöne Entdeckung“ gegeben: „Der Bestand in der Städteregion ist größer, als wir bisher angenommen haben.“

An der grundsätzlich akuten Lage ändere das allerdings auch bei dieser Spezies nichts, betont die Projektleiterin: „Nur wenn wir langfristig gewährleisten, dass es für die gefährdeten Arten einen ausreichenden und passenden Lebensraum gibt, werden wir ihr Überleben sichern können.“