Kreis Heinsberg: Lesung: Dorfkrimi sorgt für Lachsalven und Spannung

Kreis Heinsberg : Lesung: Dorfkrimi sorgt für Lachsalven und Spannung

Begeisterung pur; Christian Macharski zog das Publikum schon mit den ersten Sätzen auf seine Seite. Was folgte, war eine ungewöhnliche Lesung zu seinem neuen Dorfkrimi mit dem Titel „Die Geliebte des Mörders“. In der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg fand der Auftakt der ­Lesetour statt.

„Heute ist eine Weltpremiere in der Form, in der sich die Lesung präsentiert“, bemerkte Marcus Mesche, Geschäftsführer der gastgebenden Buchhandlung, bei der Begrüßung zu einer mehr als unterhaltsamen Stunde mit dem Autor Christian Macharski und seinem Alter Ego, Hastenraths Will.

Mit einer aufwendigen Licht- und Videopräsentation gab es neben der üblichen Lesungsteile einen Dialog mit Hastenraths Will, der an den passenden Stellen jeweils mit einer Videobotschaft am Bildschirm seinen Kommentar zu den Ereignissen im Krimi ablieferte.

„Hastenraths Will lässt sich entschuldigen“, begründete Macharski gleich zu Anfang das Fernbleiben seiner Kunstfigur. In der Tat begann dann die Premiere einer Lesungsform, die es erlaubte, dass der Autor er selbst sein durfte und gleichzeitig seine Hauptfigur auftreten lassen konnte. Mit einer geschickten Regieführung gelang es, einerseits Comedy-Anteile einzubauen, die sofort zu Lachsalven führten, andererseits spannende Lesesequenzen aus dem Buch einzubinden, die das Publikum in ihren Bann schlugen.

Wie tief verbunden der Autor mit seiner Romanfigur ist, zeigte sich immer wieder im problemlosen Wechsel zur Sprache Wills. Die Freude am Wechsel zwischen der grammatikalisch eigenwilligen Sprache seiner einheimischen Protagonisten im Roman und der distanzierten und erläuternden Sprache des Autors war Macharski zu jedem Zeitpunkt anzumerken. Es ist wohl dieser Charme aus Authentizität zur Kunstfigur einerseits und der großen Fähigkeit zum Geschichtenerzählen andererseits, die den Erfolg des Autors und Comedian Macharski ausmacht.

Selbst in den Vorlesepassagen mit seinen Hauptfiguren — von Hastenraths Will über den Hauptkommissar Peter Kleinheinz bis hin zum Nachbarn Richard Borowka — ließ der Autor diese vor dem geistigen Auge der Zuhörer lebendig werden. Um dem Niedergang der klassischen Landwirtschaft zu entkommen, hatten Hastenraths Will und seine Frau Marlene den Ausweg in der Eröffnung von einem Hotel garni mit dem Namen „Wills Wald- und Wiesenhotel“ gesucht.

Ein Prospekt verspricht den potenziellen Gästen denn auch „Speschschels“ wie ein Frühstück für Langschläfer bis acht Uhr sowie eine Panoramascheibe im Frühstücksraum, die direkt den Blick in den Kuhstall erlaubt. Und nicht nur die Fütterung des bissigen Hofhundes verschaffe Spannung. Die wurde geschickt aufgebaut, indem ein Kriminalfall aus dem Frankfurter Rotlichtmilieu seine spannende Fortsetzung im selfkant findet.

Das Potenzial an Sprachkomik und die skurrilen Charaktere sind das Elixier für die Begeisterung der Fans. Mehr als 100 Zuhörer erlebten einen unterhaltsamen, begeisternden Abend, bei dem die Zeit wie im Flug verging.

(jwb)