Kreis Heinsberg: Leser hinter den Kulissen des Kreiswasserwerks Heinsberg

Kreis Heinsberg : Leser hinter den Kulissen des Kreiswasserwerks Heinsberg

Die Leser unserer Zeitung, die im Rahmen des ­Aboplus-Programms dem Kreiswasserwerk Heinsberg einen Besuch abstatten und eine exklusive Führung durch das Werk am ­Unternehmenssitz in Wegberg-­Uevekoven erleben durften, zeigten sich beeindruckt. „Sie haben Ihr Haus gut in Schuss“, so lautete ein Lob.

Viele solcher anerkennenden Worte hörte Diplom-Ingenieur Michael Leonards, seit 1995 Leiter des Kreiswasserwerkes, an diesem Nachmittag von Gästen. Sie zeigten sich einerseits beeindruckt vom Zustand der Anlagen und der Sauberkeit im Werk. „Hygiene ist für uns eine Selbstverständlichkeit, aber auch eine Verpflichtung, schließlich arbeiten wir mit dem bestkontrollierten Lebensmittel: Wasser“, so Leonards.

Andererseits konnte der Chef des Kreiswasserwerks mit wirklich eindrucksvollen Zahlen aufwarten: Das zu 100 Prozent im Besitz des Kreises Heinsberg befindliche Unternehmen versorgt rund mehr als 130.000 Einwohner in den vier Städten Erkelenz, Hückelhoven, Wassenberg und Wegberg mit Trinkwasser. Die Zahl der Hausanschlüsse liegt bei rund 43.500. Das Rohrnetzumfasst knapp 900 Kilometer. Mehr als sechs Millionen Kubikmeter Wasser werden in jedem Jahr an die Kunden verkauft. Und noch nie war die Nachfrage so groß wie in diesem Sommer. Im Monat Juli wurde so viel Wasser gefördert wie noch nie: Die Rekordmenge von exakt 901 639 Kubikmetern stand da zu Buche.

Geschäftsführer Leonards betonte, wie richtig der Schritt gewesen sei, das Wasserwerk als kommunales Unternehmen komplett in der Hand des Kreises zu halten und nicht ­Investoren mit ins Boot zu nehmen. So habe das Unternehmen im vergangenen Jahr den Rekordgewinn von gut 2,115 Millionen Euro erzielt, der dem Kreis Heinsberg und damit den Bürgern in der Region zugutekomme. Hinzu kämen noch die Konzessionsabgaben an die vier Städte des Versorgungsgebietes mit einer Gesamtsumme von rund 1,280 Millionen Euro. Nicht zu vergessen fast 970.000 Euro an Steuern und knapp 200.000 Euro Wasserentnahmegeld. Und das alles bei Preisstabilität bereits seit 2010.

Erfreuliche Botschaft für Kunden

Beim Blick in die Zukunft konnte Leonards Erfreuliches für die Kunden des Kreiswasserwerkes verkünden: Für die nächsten drei Jahre garantiert, vielleicht aber sogar in den nächsten fünf Jahren „werden wir diese Tarife halten können“, ­erklärte der Geschäftsführer, Sie liegen aktuell netto bei 1,25 Euro pro Kubikmeter (1000 Liter) plus sechs Euro Grundpreis pro Monat. Macht also in der Summe bei 150 Kubikmetern Wasserabnahme im Jahr 259,50 Euro. Leonards nannte zum Vergleich zwar noch preisgünstigere Wasserversorger wie die Stadtwerke Heinsberg (251,10 Euro) oder das Gemeinde­wasserwerk Waldfeucht (243,00 Euro), verwies aber darauf, dass beispielsweise in Aachen ­(Stawag) 399,00 Euro oder in Düsseldorf (Stadtwerke) 355,50 Euro zu zahlen seien. Den Erfolg des Unternehmens machte Leonards vor allem auch am „hochmotivierten Team“ fest. Obwohl die Personalstärke über die normale Fluktuation von knapp 60 Mitarbeitern Mitte der 90er Jahre auf nunmehr 45 abgebaut worden sei.

Abhängig von der Größe der Wassereinzugsgebiete und der Grundwasserneubildungsrate sind auf der Basis von Gutachten die möglichen Wassermengen, die ohne Beeinträchtigung der Umwelt gefördert werden können, festgelegt worden. Die Genehmigungsbehörden haben dem Kreiswasserwerk Fördermengen von 9,8 Millionen Kubikmetern im Jahr bewilligt.

Mit seinen sieben Wassergewinnungsanlagen an den Wegberger Standorten Uevekoven, Beeck und Arsbeck, in den Erkelenzer Ortslagen Mennekrath, Holzweiler und Matzerath sowie in Wassenberg verfügt das Kreiswasserwerk über insgesamt 16 (bis zu 200 Meter tiefe) Tiefbrunnen sowie 22 (bis zu 25 Meter tiefe) Flachbrunnen. Dem Weg des Wassers konnten die Abonnenten unserer Zeitung bei ihrem Besuch im Uevekovener Werk folgen: Vom Tiefbrunnen über die Enteisenung, in der dem Tiefbrunnenwasser Eisen und Mangan entzogen werden, und die Entsäuerung, in der dem Wasser aus Korrosionsschutzgründen Kohlensäure entzogen wird. Ins Netz eingespeist wird das Wasser schließlich mit Hilfe von 27 Reinwasserpumpen. Eine Desinfektion, sprich Chlorung, des Wassers sei nicht erforderlich, betonte Leonards, auch wenn das Material für einen Notfall vorhanden sei.

Versorgung rund um die Uhr

Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser wird rund um die Uhr gewährleistet — mit Hilfe voll automatisierter Technik, mit einem Notstromaggregat, das bei einem Stromausfall sofort einspringt, und mit einem ausgeklügelten ­System des Bereitschaftsdienstes. Einer von drei Mitarbeitern, die direkt am Werk wohnen, ist jeweils diensthabend und im Falle eines Falles rasch im Betrieb. Zur raschen Behebung von Störungen stehen außerdem ein Meister und drei Monteure plus eine Tiefbaukolonne sowie ein verantwortlicher Mitarbeiter aus dem Bereich der Wassergewinnung in Bereitschaft. Denn trotz Investitionen ins Netz: Rohrbrüche sind so selten nicht, auch wenn sie früher noch viel häufiger an der Tagesordnung waren. Leonards erinnerte sich an Zeiten, als es im Schnitt noch zwei am Tag gab. Heute beläuft sich ihre jährliche Gesamtzahl auf rund 100.

Der im Osten des Erkelenzer Stadtgebietes voranschreitende Braunkohletagebau Garzweiler II ist auch für das Kreiswasserwerk spürbar: Die Wassergewinnungs­anlage Holzweiler — in der Nähe zum ­Tagebau gelegen — muss in ­einigen Jahren ersetzt werden durch ein ­neues Werk, das wahrscheinlich im Süden von Erkelenz errichtet werden soll. Da die Anlage in Mennekrath saniert oder neu gebaut werden müsste, wird eine Lösung nach dem Motto „Aus zwei mach eins“ mit Blick auf diese beiden Anlagen im Erkelenzer Stadtgebiet favorisiert.

(disch)