Gangelt-Langbroich: Langbröker Selfkanttheater: Toben, Schimpfen und Lachen

Gangelt-Langbroich : Langbröker Selfkanttheater: Toben, Schimpfen und Lachen

„Wir spielen nichts so, wie es im Drehbuch steht!“ Mit diesem Satz umreißt Arndt Horrichs, Vorsitzender des Langbröker Selfkanttheaters, schon die erste Zutat für das Erfolgsrezept der Mundartgruppe, die mit ihren stets ausverkauften Stücken seit vielen Jahren auf einer scheinbar nicht enden wollenden Erfolgswelle schwimmt.

Zufall ist, das in gewisser Weise das Sommer(schlecht)wetter der jüngeren Vergangenheit eine Rolle spielt. Kein Zufall ist es aber, dass immer wieder Personen oder Familien in den Stücken auftauchen, die es so oder in sehr ähnlicher Form im Dorf wirklich mal gegeben hat.

Die Lachmuskeln sollten trainiert sein, wenn man sich einen Schwank in Langbroich ansehen möchte.
Die Lachmuskeln sollten trainiert sein, wenn man sich einen Schwank in Langbroich ansehen möchte. Foto: Hamacher

Da will Arndt Horrichs aber dann nicht so richtig mit der Sprache raus: „Da müsste man die älteren Mitspieler mal fragen“, schmunzelt er. Diesmal heißt das Stück „Hommelwäer on staaze Vrolü“ (höflich übersetzt soviel wie: „Gewitter und wunderschöne Frauen“), es dreht sich um Tant´ Billas, die zusammen mit ihren beiden Nichten Idda und Dillke einen ziemlich renovierungsbedürftigen Bauernhof bewirtschaften.

Man fühlt sich beim Personal und der Umgebung unwillkürlich an „Die Flodders“ erinnert. Anders als bei der niederländischen Chaosfamilie sind aber in Langbroich Männer nicht gerne gesehen; mit ihnen verbinden die drei Damen einen Begriff: Teufelszeug! Das, was sich hier noch relativ höflich anhört, klingt in Langbröker Platt dann einfach nur noch „bott“ — gemein eben. „Für unsere Art des Spielens gibt es das ideale Stück nicht“, erinnert Arndt Horrichs an die Mundart, mit der die Stücke des Langbroicher stehen und fallen.

Hochdeutsch zu Mundart

Wenn der lokale Handlungsstrang in das Stück eingewebt ist, geht es daran, aus dem Hochdeutschen in die Mundart zu übersetzen. Das macht in Langbroich erst einmal jeder Spieler mit seiner Rolle selber.

„Die ersten zwei Proben setzen wir uns dann hin, lesen unsere Rollen vor, verbessern und schreiben um“, so der Vorsitzende, der weiß, dass hier die Jungen, die ihre „Muttersprache“ oft nur noch am Rande beherrschen, von den älteren Spielern gerne an die Hand genommen werden. Kommt es von ungefähr, ist es Fügung oder gar Schicksal, dass kurz vor einem heftigen Gewitter eine Gruppe von Männern mehr oder weniger zufällig auf dem Hof von Tant´ Billa aufeinandertrifft? Als ist Herren erkennen, dass sie in der jungfräulichen Umgebung nicht willkommen, oder Leib und Leben in Gefahr sind, ist es zu spät. Der Saeffelbach, üblicherweise ein Rinnsal, ist über die Ufer getreten und formt damit eine seltsame Zweckgemeinschaft. Jetzt, wo es bei einem Krimi Zeit für den Mord wäre, kocht beim Langbröker Selfkanttheater das hoch, was die Gäste Jahr für Jahr begeistert.

Es wird getobt, es wird geschimpft, es wird gelogen, es wird der eigene Vorteil gesucht — das Ganze wird mit Kraftausdrücken garniert, die man nicht übersetzen muss. Und dass in all diesem Chaos das eine oder andere Pflänzchen der Liebe keimt, macht Hoffnung, dass am Ende — natürlich — alles gut wird.

Tant´ Billa wird von Marianne Heutz gespielt, ihre Nichte Idda von Doris Niessen, Nichte Dillke von Stefanie Schröder. Arndt Horrichs ist in der Rolle des Knechtes Föns zu sehen, Helmut Schürkens als Lommele Kresch und Sebastian Arnusch als Jradese Mathes. In die Rolle des Verkes Woelm schlüpft Willi Jütten, in die seiner Tochter Seef Anja Wagner und Schustere Lies wird von Elisabeth Palmen dargestellt. Für die Maske sind Isabelle Schlicher und Sandra Hausmann verantwortlich, als Souffleusen agieren Hedwig Barion und Christina Schroten, und die Bühne bauen Andreas Hausmann, Christoph Goertz, Karl-Heinz Gossen und Franz-Josef Ronkartz.

(hama)