Kreis Düren: Landwirte warten sehnsüchtig auf einen Landregen

Kreis Düren : Landwirte warten sehnsüchtig auf einen Landregen

Als vor gut einem Monat die Getreideernte im Dürener Land startete, war Erich Gussen verhalten optimistisch. Mit existenzbedrohenden Totalausfällen im Zuge der anhaltenden Hitzewelle wie in Teilen des Nordens und Ostens der Republik rechnete der Vorsitzende der Kreisbauerschaft und Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands nicht.

Grund sind die überwiegend sehr lösshaltigen Böden in der Bördelandschaft, die den Frühjahrsregen recht gut speichern können.

Ganz spurlos aber ist die wochenlange Trockenheit, die nur punktuell von einzelnen Gewitterschauern unterbrochen wurde, auch an den Landwirten im Kreis Düren nicht vorbeigegangen. Bei der Gerstenernte spricht Gussen von Ertragseinbußen im Bereich von durchschnittlich zehn bis 15 Prozent, beim Weizen von bis zu 25 Prozent, „sehr schwankend je nach Boden“, betont Gussen, auf den sogenannten „leichten“ Böden, den sandigeren, die das Wasser schlechter speichern, auch mehr.

„Beim Getreide sind wir noch mit einem blauen Auge davongekommen“, betont der Bauernvorsitzende. „Das Problem sind die jetzt folgenden Kulturen“, verweist er auf Mais, Kartoffeln und vor allem die Zuckerrübe. „Die bräuchten jetzt dringend Wasser.“ Und damit meint Gussen nicht nur einen Gewitterschauer, sondern einen langanhaltenden Landregen. Mehr als einen halben Meter tief sind die steinharten Böden vielerorts mittlerweile ausgetrocknet. Um Kartoffeln überhaupt ernten zu können, bewässern einzelne Landwirte sogar ihre Parzellen, weiß Gussen.

Das aber würde sich beim Mais, der in diesen Tagen eigentlich seine Kolben ausbilden müsste, und bei der Zuckerrübe finanziell nicht lohnen. Die Folge: Vielerorts „schlafen“ die Rüben nicht nur, wie die Landwirte sagen, und lassen ihre Blätter tagsüber in der glühenden Sonne sinken. Viele Pflanzen werfen das gelbwerdende Grün auch ab. „Die aus dem Mittelmeerraum kommende Zuckerrübe kann mit der Hitze zwar besser umgehen und auch neue Blätter bilden, wenn es wieder regnet, aber natürlich geht das auch erst einmal auf Kosten des eingelagerten Zuckers“, erklärt der Kreisbauernchef.

Selbst auf guten Böden machen die Bestände in diesen Tagen keinen guten Eindruck. Angesichts der sich auch kaum verändernden Großwetterlage drohen daher auch bei der Zuckerrübe, die lange Jahre eine der wichtigsten Einnahmequellen der hiesigen Landwirtschaft war, Ertragseinbrüche. Und das bei ohnehin geringen Preisen, betont Gussen. Kein Wunder, dass unter den Landwirten schon laut über einen späteren Kampagnenstart diskutiert wird, schließlich könne die Zuckerrübe im Oktober noch wachsen.

Nicht außen vor lassen will Gussen die Sorgen der Milchbauern im südlichen Kreisgebiet. Ihnen geht langsam das Futter aus, weil auf den Wiesen wie im heimischen Garten längst nichts mehr wächst. Wintervorräte können so kaum aufgebaut werden. Und weil der Heumarkt leer gefegt ist, müssen unter Umständen sogar Bestände reduziert werden.

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