Kreis Heinsberg: Landrat: „Wir sagen ganz bewusst Ja zur Inklusion“

Kreis Heinsberg : Landrat: „Wir sagen ganz bewusst Ja zur Inklusion“

Etwa 125 Lehrkräfte aller Schulformen aus dem Kreis Heinsberg haben sich zu ­einer ganztägigen Fachtagung unter dem Titel „Gemeinsam lernen“ im Heinsberger Kreishaus getroffen. „Die Entwicklung unserer Schullandschaft hin zu einem inklusiven Bildungssystem ist eine vordringliche und schwierige Herausforderung für alle Beteiligte.“

Vor dem Hintergrund der am Vortag getroffenen Entscheidung des Landtages zum Schulrechtsänderungsgesetz formulierte Schulrat Christoph Esser zur Begrüßung die Zielrichtung nicht nur der Fachtagung: „Es gilt jetzt, gangbare Wege zu finden und nicht mehr um die Grundsatzfrage, ob sich das Schulsystem in Richtung Inklusion bewegt.“

Gegen Hau-Ruck-Umsetzung

Zuvor hatte schon Landrat Stephan Pusch in seiner Begrüßungsrede ausgeführt, dass die politische Hinwendung zur Inklusion eindeutig sei. Schulen und Schulträger seien nun gefordert, für eine entsprechend sinnvolle Umsetzung zu sorgen. Pusch: „Wir sagen ganz bewusst Ja zur Inklusion, lehnen aber ein Hauruck-Verfahren zur Umsetzung ab.“

Schulrat Christoph Esser erklärte, dass mit der Fachtagung die Zielrichtung verfolgt werde, den pädagogischen Umgang mit dem Thema Inklusion für die Zukunft zu umreißen und entsprechende Informationen zu erhalten.

Mit Professor Dr. Franz Wember von der TU Dortmund hatte das veranstaltende Schulamt für den Kreis Heinsberg einen der renommiertesten Rehabilitationswissenschaftler Deutschlands eingeladen. Er sprach unter dem Titel „Von der konkreten Utopie zu realen Schule für alle“ zahlreiche Aspekte des inklusiven Lernens an. Er stellte dabei unter anderem fest, dass die Kooperation der Lehrer in einem inklusiven Schulsystem eine herausragende Bedeutung habe.

Außerdem sprach er Themen wie die intensive individuelle Förderung sowie differenzierte Lerninhalte und Lernmaterialien an. Er unterstrich die wissenschaftlich belegbaren größeren Lernerfolge im gemeinsamen Lernen. Dem rund einstündigen Vortrag Wembers schlossen sich zwei Sitzungsrunden in insgesamt sechs Arbeitskreisen an.

Dabei wurden praxisnahe Themenbereiche bearbeitet, so etwa die Teamarbeit im inklusiven Unterricht, Ansätze, wie Mobbing frühzeitig erkannt werden kann, die Praxis des gemeinsamen Unterrichts, die Arbeit mit dem Index für Inklusion, das sogenannte „Classroom Management“ in einer integrativen Klasse und die autismusspezifische Didaktik.

Zum Abschluss der rund siebenstündigen Fachtagung gab es eine Reflexion und Evaluation. Fast alle Teilnehmer äußerten sich sehr positiv. Vor allem die intensive Vermittlung von vertiefenden Inhalten und neuen Informationen wurde gelobt. Allerdings wurde auch sehr schnell die Forderung nach Folgeveranstaltungen laut. Wie diese nun aussehen könnten, ist nun Aufgabe des Schulamtes.

Inklusionskoordinator und Tagungsorganisator Frank Randerath: „Wir sind sehr froh über die gute Beteiligung und die sehr gute Resonanz und Bewertung. Wir werden nun überlegen müssen, wie wir dem Wunsch der Lehrer nach weiteren Veranstaltungen dieser Art entsprechen werden.“