Kreis Heinsberg: Kunstvereins im Horster Hof: Kunstvolle Verwirrung in „lichtem” Weiß

Kreis Heinsberg : Kunstvereins im Horster Hof: Kunstvolle Verwirrung in „lichtem” Weiß

Nicht allein als Ort, der Künstlern und ihren Arbeiten Raum zur Präsentation gibt, sondern selbst als Teil eines Kunstwerks präsentieren sich derzeit die Räume des Kunstvereins Region Heinsberg im Horster Hof in Unterbruch.

Die für ihre Rauminstallationen aus Kunststoffgeweben oder Nylonfäden bekannte Künstlerin Ulli Böhmelmann, die in Köln lebt und arbeitet, hat ihr erstes Werk aus Papier geschaffen - aus nur 26Gramm leichtem, weiß-transparenten Papier, das ansonsten für die Produktion von Zigaretten verwendet wird.

Aus 250 Metern davon hat sie damit zusammen mit ihren Helfern ein Labyrinth kreiert, das ganz in Weiß von der Decke bis zum Boden „fließt”. Die längste Papierbahn misst dabei 8,50 Meter. In Form gehalten werden alle 1,20 Meter breiten Bahnen, die jeweils an der Decke aufgehängt sind, oben und unten durch Aluminiumschienen.

Miteinander verbunden sind sie durch eine überlappende Klebung mit Tapetenkleister. „Als ich zum ersten Mal hier beim Kunstverein war, fand ich die Räumlichkeiten sehr verwirrend”, erklärte sie vor der offiziellen Eröffnung. „Ich habe mir gedacht, ich mache die Verwirrung jetzt komplett.” Dass ihr dies gelungen ist, zeigt die Erfahrung der ersten Besucher in diesem Labyrinth, denn alle nahmen erst einmal den Weg durch die größere der beiden Öffnungen, der jedoch schnell endete. Erst der zweite Versuch führte sie in die oberen Räume.

Da das empfindliche Kunstwerk nicht allzu viele Besucher zugleich verträgt, hatte der Kunstverein die Eröffnung in ein Zelt im Innenhof verlegt. Vorsitzender Alwin Hintzen begrüßte unter anderen Dr. Richard Nouvertné vom Vorstand der Kreissparkasse Heinsberg, die das Projekt mit ihrer Kunststiftung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst und Literatur” fördert. Nouvertné bezeichnete das entstandene Kunstwerk als einen Höhepunkt der Stiftungsarbeit.

Seit 2003 habe die Sparkasse Jahr für Jahr das Kapital der Stiftung erhöht, das sich derzeit auf 1,4 Millionen Euro belaufe. Dessen Zinserträge ermöglichten der Stiftung die Förderung der Kunst. „Ich glaube, es hat sich gelohnt, den Künstlern die kompletten Räume zur freien Entfaltung zur Verfügung zu stellen”, betonte er.

Zweiter Künstler im Projekt ist der in Düsseldorf lebende Schriftsteller Frank Schablewski, der nicht nur in das durch „Licht und Weiß” geprägte Werk von Böhmelmann einführte, sondern dazu auch eine Klangpoesie geschaffen hat - mit literarischer Poesie zu den Geräuschen aus einer Papierfabrik.

„Ulli Böhmelmann gliedert die Räume des Kunstvereins Region Heinsberg neu”, betonte Schablewski. „Gegen die Anhäufung von Raum, die ein Haus bedeuten kann, zieht Ulli Böhmelmann papierne Bahnen und teilt den Raum mit transparentem Weiß.” Ihr „verwickelter Weg” verweise auf den Ursprung des Wortes Labyrinth. „Ein Irrweg erhöht die Bedeutung des Raumes durch einen höheren Zeitaufwand, den es jetzt bedarf, die vorgeschriebenen Wege mit eigenen Worten neu zu bemessen.”

Schließlich ist am Gesamtwerk noch der Düsseldorfer Videokünstler André Chi Sing Yuen beteiligt. Er hat den Film zur Ausstellung gemacht hat, der im Katalog enthalten ist, und produziert die Dokumentation zur Edition, die am Ende der Ausstellung erhältlich sein wird.

Geöffnet ist die Ausstellung „Laufbahnen” mit den Werken von Ulli Böhmelmann (Installation) und Frank Schablewski (Klangpoesie) beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch (Horster Hof) bis 7. November, jeweils sonntags von 11 bis 17 Uhr und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung.