Heinsberg: „Kunst und Kultur können Brücken bauen“

Heinsberg : „Kunst und Kultur können Brücken bauen“

Die Kulturförderung, der Kulturförderplan 2016 - 2018 und die Kulturarbeit mit Geflüchteten standen im Mittelpunkt der vierten Kreis-Kultur-Konferenz. Der Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Partnerschaft und Tourismus des Kreises Heinsberg, Erwin Dahlmanns, begrüßte dazu rund 40 Vertreter aus Kommunalpolitik und Kommunalverwaltungen sowie Kulturtreibende, Vertreter musealer und kultureller Einrichtungen sowie weitere kulturpolitisch Interessierte im großen Sitzungssaal des Heinsberger Kreishauses.

Auf der Tagesordnung stand der erste Entwurf des Kulturförderplans 2016 — 2018, der von der Referatsleiterin in der Kulturabteilung des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Andrea Hankeln, vorgestellt wurde. Ziele des Kulturförderplans seien, so ihre Ausführungen, neben der Wahrnehmung landeseigener Kulturaufgaben auch die Unterstützung kultureller Aktivitäten der Kommunen durch Fördermittel.

Dadurch sollten neue Entwicklungen in Kultur, Kunst und kultureller Bildung gefördert, die kulturelle Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen angeregt und die schöpferische Entfaltung durch eigenes künstlerisches Schaffen oder durch Teilhabe an kulturellen oder künstlerischen Angeboten ermöglicht werden. Bei der Ausrichtung der Kulturförderung würden zudem aktuelle oder andauernde gesellschaftliche Veränderungsprozesse berücksichtigt.

Eines der zentralen Ziele der Landeskulturpolitik und -förderung sei es, Diversität zu unterstützen, das heißt jeder Person unabhängig von sozialer Lage, ethnischer Herkunft, gesundheitlicher Einschränkung oder dem Aufenthaltsstatus kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.

Nicht zuletzt durch die stark angestiegenen Zuwanderungszahlen werde das Thema Integration in NRW noch stärker auch in kulturpolitischen Maßnahmen Berücksichtigung finden müssen. Durch interkulturelle und integrative Angebote aller Sparten sollten vor allem auch junge Geflüchtete angesprochen werden.

Gemeinsame Aktivitäten

Robert Hillmanns vom Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation (Zakk) in Düsseldorf stellte in seinem Vortrag zum Thema „Kultur für Alle — Kulturarbeit mit Geflüchteten“ Herausforderungen, Ziele und Probleme bei der Planung und Durchführung interkultureller Projekte vor. In Zeiten einer zunehmenden Polarisierung der Gesellschaft zwischen Hilfsbereitschaft und Fremdenfeindlichkeit könnten Kunst und Kultur ­Brücken bauen und die Chance bieten, mit Kulturarbeit Position zu beziehen.

Dabei stelle sich die Frage: „Welchen Beitrag kann Kulturarbeit mit Geflüchteten leisten und wo sind die Grenzen?“ Hillmanns berichtete aus seiner Praxisarbeit. Durch Begegnung und Dialog solle der Versuch unternommen werden, die geflüchteten Menschen aus der Isolation zu holen und ihnen eine Möglichkeit des Ausdrucks und Öffentlichkeit zu bieten.

Durch gemeinsame Aktivitäten wie interkulturelle Cafés sowie Theater- oder Kunstprojekte könnten die unter­schiedlichen Kulturen, Traditionen und Verhaltensweisen besser vermittelt werden. So könne ein wesentlicher Beitrag im Integrationsprozess geleistet werden. Kulturarbeit sei nur dann erfolgreich, wenn sie auf Teilhabe basiere und den geflüchteten Menschen die Möglichkeit gebe, ihr eigenes Kunstprojekt zu gestalten.

Es gelte, Barrieren auf beiden Seiten — einerseits Probleme mit der Sprache, mangelnde Mobilität, rechtliche, finanzielle und häufig auch psychische Probleme und andererseits mangelnde Ressourcen, Unkenntnis über kulturelle Bedürfnisse der Geflüchteten und Vorurteile im Umfeld der Kulturinstitutionen — zu überwinden.

Kulturarbeit für und vor allem mit Geflüchteten sei ein langfristiger, aktiv zu gestaltender Prozess, der eine realistische und keine idealistische Herangehensweise voraussetze. Im Anschluss an den Vortrag fand ein reger Erfahrungsaustausch mit Gästen aus Migranten- und Flüchtlingsorganisationen sowie kommunalen Integrationsbeauftragten statt.