Ratheim: „Kunst ist heute mehr als ein Blatt an der Wand”

Ratheim : „Kunst ist heute mehr als ein Blatt an der Wand”

„Es geht nicht darum, die Bilder aus den Massenmedien anzuklagen, sie stellen vielmehr ein Rohmaterial dar, das bearbeitet oder gar entformt werden kann, so dass sie in einen anderen, künstlerischen Kontext gestellt und dadurch zu neuen Aussagen genötigt werden”, erklärt Michael Halfmann zu seinen Arbeiten.

Vom 1. bis zum 14. September stellt der 41-jährige Künstler im alten Rathaus in Ratheim 29 seiner Werke aus.

„Ich freue mich, dass so viele Leute zur Ausstellungseröffnung gekommen sind”, sagte „Canthe”-Vorsitzender Hans Latour. Neben Vertretern des Kunstvereins, der diese Ausstellung initiiert, waren auch Vertreter der Stadt und des Kreises sowie Gabriele Teuteberg vom Ludwig-Forum für internationale Kunst in Aachen zu Gast.

„TV-Pictures”, „Hemd und Fotoapparat”, „Aquarium” und „zwei Tassen” sind nur einige Titel der beeindruckenden Werke Halfmanns, bei deren Erstellung sich der Künstler vieler verschiedener Techniken bedient.

„Als ich vor sieben Jahren die TV-Pictures gemacht habe, entstanden sie eigentlich aus einer Kritzelei heraus”, so Halfmann. Der Fernseher sei gelaufen, er habe nebenbei gezeichnet und was er sah, habe er in die Bilder mit einfließen lassen. „Allmählich habe ich aber den Fernseher aus den Augen verloren und mich bewusster diesen Bildern gewidmet, ich habe sie weiter bearbeitet und neue Aussagen persönlicher Art entstehen lassen.”

Mit diesen TV-Pictures schaffte Halfmann eine Bildserie, bei deren Betrachten klar wird, dass unsere Erfahrungswelt oft auf den Bildfetzen der Massenmedien beruht. Nach der Arbeit mit den TV-Pictures widmete sich Halfmann zunehmend der Technik der Décalcomanie.

Mit Hilfe eines Lösungsmittels übertrug er Fotos aus Illustrierten auf Papier, wiederholte diesen Vorgang mehrfach und schuf so wunderschöne, collagenartige Bilder.

„Kunst ist heute mehr als ein Blatt an der Wand”, so Gabriele Teuteberg vom Aachener Ludwig-Forum. Die Flut von Bildern verändere die Sicht auf die Welt, und Halfmann habe sich in seiner Kunst der Frage nach der Macht der Bilder gewidmet.

Der Künstler, der zu Beginn der Ausstellung sein Können am Saxophon demonstrierte, zeigt in seiner Ausstellung auch diverse Objekte deren Wirkung mit dem Standpunkt des Betrachters variiert.

Weiterhin bedient sich Halfmann den Dingen des täglichen Lebens, so zum Beispiel den Blisterpackungen, durchsichtige Produktverpackungen, die beim Einkauf jede Ungewissheit über das, was man kauft, nehmen sollen. Der Blick auf das Innerste wird freigegeben.

Bei der Serie „Fisch” hat Halfmann das Foto eines Fisches so bearbeitet, dass man die Farbpixelierung ganz deutlich erkennen kann. Den vergrößerten Fisch hat er dann in acht Teile geteilt, diese in eine Blisterpackung gesetzt und wieder zu einem Bild zusammengesetzt.

„Auf künstlerische Weise zeigt uns Michael Halfmann, dass eine Distanz zu Bildern notwendig ist, und wir ein Leben hinter den Bilden selbst leben können”, so Gabriele Teuteberg. Bilder seien Teil unseres Lebens, sie zeugten von den Vorstellungen und Bedeutungen, die ihnen gegeben werden.