Kreis Heinsberg: „Kunst greift in das ein, was wir jeden Tag tun”

Kreis Heinsberg : „Kunst greift in das ein, was wir jeden Tag tun”

An der Eröffnung des sanierten Heinsberger Burgbergs vor zwei Jahren hatte sich der Kunstverein Region Heinsberg mit einem Werk des Künstlers Günther Zins aus Kleve beteiligt. Damals schwebte ein Würfel mit drei Metern Kantenlänge, befestigt an zwei Bäumen und der Kirchenmauer, scheinbar schwerelos hoch über dem Fußweg.

Kleiner im Format, aber ebenfalls in geometrischen oder, wie der Künstler selbst sagt, isometrischen Formen - offene Edelstahlobjekte räumlich „verzogen” von ihrer ursprünglich geometrischen Form zu einer Schrägansicht - zeigt der Künstler jetzt weitere Werke aus Edelstahl sowie Fotos in der Ausstellung „Schwerelos”, die bis zum 7. November in Unterbruch (Horster Hof) zu sehen ist. Sie ist freitags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Zwölf Objekte als Edelstahlplastiken zieren die Wände des Kunstvereins.

Hinzu kommen in der oberen Etage drei Gruppen mit Schwarz-Weiß-Fotos, die allesamt Selbstporträts des Künstlers mit seinen Objekten sind und die von ihm durch seine Kunst geschaffene Illusion dokumentieren.

Nach der Begrüßung durch Alwin Hintzen, den Vorsitzenden des Kunstvereins, führte Dr. Stephan Mann, Direktor des Museums Goch, bei der Eröffnung in die Werke von Zins ein. Kunst sei aktuell dorthin geraten, wo sie hingehöre, in die gesellschaftliche und politische Diskussion, schickte er mit Blick auf die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den Bildhauer Anselm Kiefer seinen Ausführungen vorweg.

Dann führte er die Zuhörer durch die geschichtliche Entwicklung der Skulptur, von den Raum verdrängenden in der Antike über den Barock, wo der Mensch Teil davon wurde, etwa in Kirchen, bis hin zum 20. Jahrhundert, als das Thema Raum durch sogenannte Konstruktivisten neu definiert worden sei. „Zins führt diese Arbeit auf wunderbare Weise fort”, erklärte Mann.

Bei dieser Kunst gehe es um den Raum, der vorher nicht wahrgenommen werde, der allein von Linien umzogen sei und allein durch sie da sei. „Vorher war da eine weiße Wand. Jetzt ist da auch nicht mehr. Aber der Raum ist sichtbar, ohne dass der Künstler in den vorhandenen Raum eingreift”, betonte der Museumsdirektor. Die Werke von Zins seien von Kontinuität geprägt. Von ihnen gehe eine stoische Ruhe aus.

Über die vom Künstler geschaffenen Raumlinien lerne der Betrachter zu sehen, wahrzunehmen und nachzudenken, was unmittelbar zum gesellschaftspolitischen Ansatz der Kunst führe. „Menschen, die wahrnehmen, sind sensibel, auch für die Gesellschaft, für die Politik und für Ihre Umwelt. So greift Kunst ganz elementar in das ein, was wir jeden Tag tun.”

Über die poetische Betrachtung der Werke kam Mann dann zu den Fotoarbeiten von Zins: faszinierende Raumzeichnungen, die seine Linien zurückführen würden auf die Fläche und die dem Betrachter mit spielerischen, teils lustigen Inhalten klar machen würden, dass die Wahrnehmung hinter der Definition von Raum stehe. „Damit greift die Kunst in die Gesellschaft ein, weil wir uns damit beschäftigen.”