Aachen: Kulturfestival: Zehn Grenzgänger im Kirchenschiff

Aachen : Kulturfestival: Zehn Grenzgänger im Kirchenschiff

Sie schwimmen auf einer Erfolgswelle, und die hat Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick bis ins Kirchenschiff von St. Nikolaus in Aachen gespült. Zuletzt gastierten sie mit ihrem Ensemble in London, die nächste Station lautet Nizza. Die Bühnen sind erstklassig.

Der Auftritt des Brandt Brauer Frick Ensembles im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion war es letztlich auch.

Techno traf auf Klassik — mit dieser sehr speziellen Musik hat sich das Ensemble weltweit einen formidablen Namen gemacht. Da brummt das Klavier, da jauchzt die Posaune — Halleluja, das Brandt Brauer Frick Ensemble lässt in der Aachener Kirche wie auch auf dem Festivalgelände in Glastonbury die Zuhörer jubilieren.

Das Konzert ist letztlich so etwas wie ein Sinnbild dessen, für das das Kulturfestival der Städteregion steht: ein erbaulich ungewöhnlicher Ort — die Citykirche St. Nikolaus im Aachener Zentrum —, ein musikstilistischer Grenzgang — Technoklassik — und eine unerhört gute Live-Darbietung, denn der Spaß war den insgesamt zehn Musikern anzusehen.

Stimmung eher gesittet

Die Begeisterung darüber war wirklich groß, die Stimmung während der Stücke leider eher gesittet — was weniger mit den Musikern als mit der Bestuhlung des Kirchenraums zusammenhing. Artig blieben die Zuhörer während des einstündigen Konzerts plus zwei Zugaben sitzen. Schade.

Denn auch wenn die Kombination aus Technobeats und Klassik samt Instrumentierung mit Harfe oder Flügel sehr speziell ist — das Brandt Brauer Frick Ensemble ist durchaus tanzbar. Die Basis ist und bleibt elektronische Tanzmusik.

Begonnen hat dieses Experiment aus elektronischer Tanzmusik mit klassischen Instrumenten und — ja, auch das — jazzigen Kompositionen 2008 in Wiesbaden, wo sich die drei Wahl-Berliner das erste Mal begegneten. Anfangs kamen Tuba und Cello noch als Samples in die Konzerte des Trios, dann kamen die Instrumente samt weiteren Musikern auf die Bühne — auch beim Jazz Festival von Montreux — und es wurde dort weiter experimentiert: Da wird auch nicht auf die Pauke, sondern auf die Tuba gehauen und der Radiergummi zwischen die Klaviersaiten geklemmt. Und am Ende steht dennoch dieser saubere Klang.

Drei Alben haben Brandt Brauer Frick mittlerweile aufgenommen, das letzte erschien 2013: „Miami“ . Es sollte den Abend maßgeblich prägen. Aber auch ältere Stücke wie „606‘n‘Rock‘n‘Roll“ bleiben nachhaltig im Ohr.

Langeweile? Nicht bei dieser Musik. Es war das erste Mal, dass Brandt Brauer Frick in Aachen und vor allem auch das erste Mal, dass die Formation in einer Kirche spielte. Die Reise geht weiter: am 14. Juni im Rahmen der Quadriennale X in Düsseldorf.