Aachen: Kulturfestival: Für 2013 droht eine Zitterpartie

Aachen : Kulturfestival: Für 2013 droht eine Zitterpartie

Zum Abschluss der Kulturfestivals der Städteregion ging es noch einmal hoch her. Jan Plewka sang Songs von Rio Reiser, gab eine Stunde lang Zugaben und brachte am Ende die Besucher in der überfüllten Kirche St. Pius X. in Würselen zum Tanzen.

„Es war ein grandioser und würdiger Abschluss des Kulturfestivals”, freut sich die Kulturbeauftragte der Städteregion, die das Festival vor neun Jahren aus der Taufe gehoben hat. „Seitdem hat es immer Ausbaupotenzial gegeben”, fügt Dr. Nina Mika-Helfmeier hinzu.

Den bisher größten Erfolg hat die Initiatorin des Festivals allerdings in diesem Jahr eingefahren: In zwölf Wochen haben 18.000 Zuschauer die zwölf Veranstaltungen in zehn Kommunen besucht. Das ist Rekord. Alleine die Ausstellung mit Fotografien von Jim Rakete im Monschauer Kunst- und Kulturzentrum (KuK) hat bislang über 8000 Interessierte angezogen, und sie läuft noch dreieinhalb Wochen. Darüber hinaus wurden 10.000 Euro durch den Kartenverkauf eingenommen - Geld, das wieder in Kultur- und soziale Projekte der Städteregion investiert wird.

Für Mika-Helfmeier, die den Kulturauftrag mit großer Leidenschaft betreibt, sind diese erfreulichen Zahlen der Beweis, dass sich das Kulturfestival in der Städteregion „allmählich einen Ruf erworben” hat und die „gewünschte identitätsstiftende Wirkung” bei den Menschen in der Städteregion endlich angekommen ist. Nicht zuletzt seien auch die Künstler „begeistert von der Stimmung in de Region”.

Bei aller Begeisterung für die Sache - es liegt auch eine harte Zeit hinter Nina Mika-Helfmeier: „Das Eintreiben der Fördermittel ist sehr aufwendig und anstrengend, wenn man wie wir kein Mainstream-Programm mit VIP-Bereich anbietet.” Schließlich kann das Festival nur auf die Beine gestellt werden, weil es dem Team rund um die Kulturbeauftragte Jahr für Jahr gelingt, rund 350.000 Euro an Fördermitteln und Sponsorengeldern aufzutreiben. Die Städteregion beteiligt sich mit 50.000 Euro, die beteiligten Kommunen zahlen in „Naturalien”, stellen Servicepersonal, sorgen für Verpflegung und ähnliches.

„Das alles ist super viel Arbeit, aber es lohnt sich”, lobt Mika-Helfmeier vor allem auch ihr kleines, „tolles” Team. Trotzdem sei es oft schwer, in den entsprechenden Gremien die Bedeutung des Festivals zu vermitteln. „Da sind Grenzen im Kopf”, sagt die Kulturchefin, „vor allem wenn es darum geht, Aufmerksamkeit für experimentelle Kunst zu erreichen. Dennoch ist sie überzeugt, dass hier bei Bevölkerung wie Verantwortlichen ein Lernprozess im Gange ist: „Das muss wachsen.”

Dass es das tut, hofft Nina Mika-Helfmeier auch in Bezug auf das nächste Jahr, obwohl hier im Moment noch eine „Zitterpartie” drohe. Sicher ist, dass Projekte wie Signal X und String Theory Bestand haben, sogar noch größer und internationaler werden. Die Förderanträge dafür sind bewilligt. Für das KuK, das im nächsten Jahr ebenso wie das Kulturfestival zehnjähriges Bestehen feiert, kann Mika-Helfmeier aus dem Vollen schöpfen. „Ich habe jedes Jahr 400 Bewerbungen.” Drei Ausstellungen internationaler Künstler wird es 2013 geben. Die Namen werden noch nicht verraten, aber es handele sich um zwei bedeutende Fotografen und einen zeitgenössischen Künstler, versichert Mika-Helfmeier.

Was die Open-Air-Veranstaltung, Konzerte und andere Liveauftritte angeht, müsse man noch abwarten. Dass die Entscheidung darüber erst im November zu erwarten ist, kommt nicht von ungefähr. Denn ab Oktober wird ein neuer Dezernent die Kulturgeschicke der Städteregion in die Hand nehmen. „Da müssen wir erst einmal abwarten, ob es noch Freiräume für die Kultur geben wird, oder ob sie bürokratischen Zwängen unterworfen wird.” Sagt die Kulturbeauftragte Nina Mika-Helfmeier.