Monschau: KuK Monschau zeigt „Europäer“ mit Werken von Henri Cartier-Bresson

Monschau : KuK Monschau zeigt „Europäer“ mit Werken von Henri Cartier-Bresson

Der Fotograf Henri Cartier-Bresson gilt als Meister des Augenblicks und wird als „Auge des Jahrhunderts“ bezeichnet. Seine Bilder sind Ikonen der Fotografie und gehören zu den bedeutendsten Aufnahmen der Welt. Rund 150 dieser Fotoklassiker, die er auf seinen Reisen durch Europa über fast 60 Jahre hinweg aufgezeichnet hat, sind jetzt im Kunst- und Kulturzentrum (Kuk) der Städteregion in Monschau zu sehen.

„Europäer“ heißt die Ausstellung, die am Wochenende von Städteregionsrat Helmut Etschenberg eröffnet wurde. Etschenberg blickte angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Parteienlandschaft in Europa und insbesondere auch in Deutschland voller Sorge auf die Zukunft Europas. „Dass wir heute mit offenen Grenzen leben, einen Spaziergang in andere Länder unternehmen, dort Freunde besuchen und Städte besichtigen können, das ist nicht selbstverständlich“, sagte Etschenberg.

Einen langen Weg illustriert

Er erinnerte daran, wie es war, vor dem Urlaub Geld wechseln zu müssen oder den Zollbeamten die Einkaufstasche durchforsten zu lassen. „Wir waren Nachbarn und einander doch ganz fern. Formalien, Regeln und Verbote haben uns getrennt, haben verhindert, dass wir dergestalt am gleichen Strang gezogen hätten, wie das heute der Fall ist. Und einzeln waren wir naturgemäß schwächer, hatten weniger Potenzial, eingeschränktere Perspektiven“, betonte Etschenberg.

Dies hätte auch Henri Cartier-Bresson bestätigen können, meinte Etschenberg. Denn der Fotograf sei vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Europa unterwegs gewesen, in dem Misstrauen, Verzweiflung und Armut vorherrschten. „Das ist heute Vergangenheit — und das ist gut so. Umso besser, dass uns fotografische Zeitzeugnisse daran erinnern, dass unser in Frieden geeintes Europa etwas Kostbares ist. Es war nämlich ein langer Weg dorthin, wo wir heute stehen“, erklärte der Städteregionsrat.

Cartier-Bressons Fotografien würden diesen Weg gewissermaßen illustrieren. Der Fotograf, der zu den Gründern der weltberühmten Fotoagentur Magnum gehörte, die für ihren humanistischen Ansatz und hohen Qualitätsanspruch bekannt wurde, habe mit seiner Leica Momente eingefangen, die Europäer so zeigen, wie sie in den Anfangsstunden Europas tatsächlich waren. „Von allen Ausdrucksmitteln ist die Fotografie das einzige, das einen präzisen Zeitpunkt festhält“, zitierte Etschenberg den Fotografen.

Die Leiterin des KuK, Dr. Nina Mika-Helfmeier, übernahm anschließend die Einführung in das Werk von Henri Cartier-Bresson. Sie zeichnete seinen Lebenslauf nach und ging auf sein Verständnis der Fotografie ein. Ihn habe das Flüchtige im Leben interessiert. Der entscheidende, der richtige, der wesentliche Moment gehöre zu seinen Zentralbegriffen der Fotokunst.

„Im Bruchteil einer Sekunde eine ganze Geschichte einfangen: Davon verstand Henri Cartier-Bresson sehr viel. Und so entstand in seinem langen kreativen Leben eine Fülle teils skurriler, teils ironischer, teils auch verstörender Fotos“, erläuterte Mika-Helfmeier und zitierte Cartier-Bresson: „Besonders ein Aspekt interessiert mich an der Fotografie, eine Sache bewegt mich und fesselt mich, das ist der Blick auf das Leben. Es ist eine Art ständiger Frage und sofortiger Antwort.“

Für ihn sei ein Foto eine Welt. „Ich bin hinter dem einen, einmaligen Foto her, dessen Komposition solche Kraft und solchen Reichtum besitzt und dessen Inhalt so nach außen strahlt, dass dieses einzelne Bild eine ganze Geschichte in sich selbst darstellt.“

Henri Cartier-Bresson sei rastlos durch Länder und über Kontinente gereist; er habe die Begegnung mit Menschen geliebt, erklärte Mika-Helfmeier. „In dieser Zeit fotografierte er Menschen, die über Pfützen springen, Ball spielende Kinder, Berliner Taxifahrer, Teilnehmer eines Taliner Tanzwettbewerbs, Bauern vor der Kulisse des Chateau de Biron, spazierende Teilnehmer eines Priesterseminars, feiernde Düsseldorfer Karnevalisten, berühmte Zeitgenossen und Liebespaare bei allen Gelegenheiten“, sagte sie.

Cartier-Bressons weltberühmte Schnappschüsse würden das Genie des Augenblicks deutlich machen. Betrachte man etwa das Foto „Scanno, Abruzzo, Italy 1951“, so fänden sich alle Attribute, die die Fotokunst von Henri Cartier-Bresson erklären. „Die hochformatige Schwarz-Weiß-Aufnahme wirkt zunächst wie ein Schnappschuss, achtlos geknipst im Vorbeigehen — eine belanglose Alltagsszene.

Schaut man jedoch länger hin — genauer — offenbart sich eine geniale Komposition: Treppenstufen und Treppengeländer bringen räumliche Tiefe, und die verschiedenen Gruppen traditionell angezogener Frauen sorgen für eine Harmonie zwischen Symmetrie und Asymmetrie. Alles wirkt chaotisch und geordnet zugleich. Eine subtile und dichterische Bildkomposition, in der Flächen und Linien, Licht und Schatten, Menschen und Gegenstände ihren bestimmten Platz in der seltsamen Ordnung haben“, erläuterte die Leiterin des KuK.

Abschließend nutzte Nina Mika-Helfmeier die Gelegenheit, um sich bei Hermann Mertens, dem allgemeinen Vertreter der Monschauer Bürgermeisterin, der in wenigen Wochen in den Ruhestand geht, für seinen jahrelangen Einsatz für das KuK und die Kunst in der Städteregion zu danken.

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