Hückelhoven: Kündigung bedeutet Knast statt Kühltheke

Hückelhoven : Kündigung bedeutet Knast statt Kühltheke

84 Minuten dauerte das Arbeitsverhältnis zwischen der Firma Pic-Nic aus dem Nettetal und einem Langzeitarbeitslosen aus Hückelhoven.

Schuld an dem jähen Ende dieser Beziehung ist laut Geschäftsführer Jörg Oppenplatz die Stadt Hückelhoven.

Die Firma Pic-Nic betreibt zwischen dem Kreis Heinsberg und Viersen zahlreichen mobile Imbissbuden. In Hückelhoven wollte Oppenplatz ein neues Geschäftsgebiet erschließen.

Dazu war er gewillt, einen Hückelhovener mit Ortskenntnis einzustellen. Seine Wahl fiel auf einen Langzeitarbeitslosen aus dieser Region, zumal es sich aus Oppenplatz Sicht um einen Extremfall handelt.

„Der Mann hat eine Bewährungsstrafe erhalten, weil er seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkam. Laut Auflage der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach muss er aber bis zum 1. Februar eine feste Arbeit nachweisen, sonst wandert er einen Tag später ins Gefängnis.”

Um den Hückelhovener vor diesem Schicksal zu retten, habe Oppenplatz schon im September beschlossen, ihn einzustellen. Sogleich habe er für den künftigen Mitarbeiter bei der Stadt Hückelhoven die so genannte Reisegewerbekarte, die zum Verkauf im Baguette- und Eiswagen berechtigt, beantragt.

„Zu selben Zeit führte ich Gespräche über den Verkauf im Stadtgebiet und habe mit den zuständigen Ämtern im Rathaus auch die Situation des Arbeitslosen erörtert.” Mündlich habe er die Zusage erhalten, in Hückelhoven verkaufen zu dürfen.

Am Donnerstag schließlich sei die Gewerbekarte für den neuen Mitarbeiter eingetroffen. Sogleich stellte Oppenplatz den Verkäufer ein. Doch schon eine Stunde und 24 Minuten später habe die Stadt den Verkauf in Hückelhoven untersagt.

„Der Imbisswagen, der in der Nähe der Schulen abgestellt war, würde die Schüler veranlassen, das Schulgelände zu verlassen, sagte man mir”, erklärt Oppenplatz. In unmittelbare Nähe der Schule dürfe er nicht verkaufen. „Daraufhin musste ich den Mann wieder entlassen. Die Schulumgebung ist unser Hauptumsatzgebiet, wir leben davon.”

„Die waren völlig gleichgültig”

Sofort nahm Oppenplatz Kontakt zu den Behörden auf und erklärte die Situation - auch die des nun wieder Arbeitslosen. „Die waren völlig gleichgültig, sagten, es sei nicht ihr Problem”, ärgert sich der Geschäftsmann. Zumal er die Entscheidung für ungerechtfertigt hält, da die umliegenden Bistros und Geschäfte die Schüler ebenso vom Schulhof weglockten.

Deshalb hofft Oppenplatz auf ein Einlenken der Verwaltung, damit er den Langzeitarbeitslosen aus Erkelenz doch noch vor dem Gefängnis bewahren kann.

Die Stadt Hückelhoven wollte sich zu dem Vorfall gegenüber unserer Zeitung mit Hinweis auf ein schwebendes Verfahren am Donnerstag nicht äußern.