Kuag baut 100 Stellen ab

Kuag baut 100 Stellen ab

Oberbruch (an-o) - Das dürfte ein düsteres Jahr für die Kuag GmbH im Industriepark Oberbruch werden. Nach einem "Strategiepapier" des Mutterkonzerns, der Textilwerke Deggendorf (TWD), sollen 100 der rund 300 Beschäftigten bis zum Ende des Jahres entlassen werden.

Die TWD-Geschäftsleitung hatte den Wirtschaftsausschuss - bestehend aus Vertretern der Betriebsräte an den vier TWD-Standorten - am 20. Dezember über die gravierenden Einschnitte informiert. Danach wird, wie am Mittwoch Kuag-Geschäftsführer Albert Giesen auf Anfrage bestätigte, der Konzern unter bayrischer Flagge rund 500 seiner insgesamt 2100 Beschäftigten in den Dependancen Deggendorf, Oberbruch, Glauchau und Konz abbauen.

Kuag Oberbruch zählt in Europa zu den wichtigsten Produktionsstätten für Polyester, seit über 40 Jahren wird dort Diolen (als Nachfolgefaser von Perlon) gesponnen. Doch die weltweite Konkurrenz setzt auch der Traditionsfaser made in Oberbruch mächtig zu. Im Jahr 2000, so bilanziert Kuag-Geschäftsführer Giesen, lag die Diolen-Produktion noch bei 36.000 Tonnen pro Jahr, zwei Jahre später waren es nur noch 19.000 Tonnen. Dieser Negativentwicklung begegnet die Deggendorfer Chefetage mit Stellenreduzierung. "Die Produktion in Oberbruch soll auf 60 Prozent zurückgefahren werden, und das bedeutet, dass 100 Mitarbeiter entlassen werden müssen", bedauert Giesen.

Niedrigeres Preisniveau

Den Grund für den rückläufigen Absatz der Oberbrucher Chemiefaser macht Giesen in der übermächtigen Konkurrenz aus Fernost aus, vor allem in China. "Das Preisniveau liegt dort weit niedriger als hier." Aber es sei nicht nur der Mitbewerber schuld an der Malaise. Auch die Konjunktur vor Ort tue ihr Übriges, um die geschundene heimische Textilindustrie noch mehr zu beuteln: "Den Leuten sitzt das Geld nicht mehr so locker, und sie geben vor allem für Bekleidungsstücke immer weniger aus."

Wer von den über 300 Kuag-Beschäftigten muss gehen? Die Freisetzung soll vor allem sozialverträglich über die Bühne gehen. Betriebsratsvorsitzender Bruno Pigorsch hat schwere Zeiten vor sich. "Jetzt geht es ans Eingemachte", seufzt er. "Entlassungen auf der Altersschiene sind ausgereizt", meint er. Und wie viele freiwillig dem Betrieb den Rücken kehren werden, weiß er nicht. Die Stimmung sei nicht rosig, vor allem wurmt den Betriebsrat der Umstand, dass die Kollegen "aufgrund einer Indiskretion" die schlechte Nachricht zum Jahresauftakt erfahren mussten.

Eigentlich sollte diese im Rahmen einer Belegschaftsversammlung verkündet werden, diese findet nun voraussichtlich statt am 28. Januar; hierzu wird auch der Kaufmännische Geschäftsführer der TWD erwartet, der nach Angaben Pigorschs "Rede und Antwort stehen soll". Am 30. Januar tagt der Wirtschaftsausschuss ein weiteres Mal, noch offene Fragen sollen beleuchtet werden.

"Wichtige Kriterien sind Umsetzungsmodalitäten, Zeitplan und Sozialplan. So wird die Frage zu verhandeln sein, ob es sich um einen einheitlichen Konzern-Sozialplan handelt, da alle vier Standorte betroffen sind, oder ob jeweils einzelne Pläne erstellt werden", erklärt Bruno Pigorsch. Wichtig sei vor allem der "Faktor Zeit, um im Interesse der Belegschaft noch einiges herauszuholen".