Hückelhoven: Kritik am Plan für den Personennahverkehr

Hückelhoven : Kritik am Plan für den Personennahverkehr

Der ÖPNV, wie der Öffentliche Personennahverkehr kurz genannt wird, ist von jeher ein Zuschussgeschäft für die Betreiber gewesen.

Die Frage besonders in Zeiten knapper Kasse ist immer wieder die gleiche: Können wir uns das in der Form noch leisten? Und: Wo können wir einsparen ohne die Grundversorgung der Bürger zu gefährden?

Das Liniennetz

Der Kreis Heinsberg, der als Aufgabenträger des ÖPNV den Nahverkehrsplan alle fünf Jahre fort schreiben muss, hat ein Fachbüro beauftragt, zu untersuchen, wo und wie man im Kreis die Kosten für das Busliniennetz „optimieren” kann. Das Ergebnis liegt jetzt vor, die Städte und Gemeinden, die den ÖPNV über die Kreisumlage finanzieren, sollen bis zum 28. Februar ihre Meinung zu dem Papier kundtun.

Der Discobus

In Hückelhoven diskutierte man im Hauptausschuss darüber. Kämmerer Helmut Holländer fasste aus Sicht der Verwaltung zusammen: „Wenn der Bericht 1:1 umgesetzt wird, dann sägen wir uns den Ast Lindern/Linnich/Brachelen ab.” Die Linie 409 R von Wassenberg nach Linnich soll nämlich in Brachelen enden.

Außerdem: „Wir setzen uns sehr für die Wiedereinführung des Diskobusses ein.” Allerdings sollte der diesmal einen anderen Streckenlauf nehmen als beim ersten Versuch.

„Damals”, so der Kämmerer, „wurde man von Hückelhoven erst durch den halben Kreis gefahren, ehe man nach Himmerich kam.” Das Fazit der Verwaltung: „Es sind noch weitere, intensive Gespräche vonnöten.”

Die Streckenfrequenzen

Das sieht auch die Politik so. Für den Grünen Dr. Henning Herzberg beispielsweise ist nicht einsichtig, warum die Linie nach Katzem, „wo sowieso kaum noch jemand wohnt”, (zurzeit 1221 Einwohner, Tendenz steigend, d.Red.) ausgebaut werden soll, während im Stadtgebiet von Hückelhoven der Linienverkehr ausgedünnt wird. Sein Fazit: „Unsere Stadt ist im ÖPNV nicht ausreichend berücksichtigt.”

Dem stimmte Willi Spichartz (SPD) vorbehaltlos zu und verwies auf die Grafik der Streckenfrequenzen: Dort hängt Hückelhoven am dünnen Fädchen, während anderswo regelrechte Stricke prangen.

Hückelhoven habe, so Spichartz, bezogen auf die Einwohnerzahl zusammen mit dem Selfkant die wenigsten Autobesitzer im gesamten Kreis Heinsberg und man sei deshalb besonders auf den ÖPNV angewiesen. „Oder”, fragte Spichartz, „sollen die mit dem Fahrrad fahren oder die Sau reiten?”.

Das Marketingkonzept

Rudi Freyler (Bürgerpartei) vermisst, wie sei FDP-Kollege Hans Fischer auch, ein vernünftiges Marketingkonzept für den ÖPNV im Kreisgebiet: „Kein Mensch weiß, wo er wie wohin umsteigen muss.” Da schlafe der Kreis. Außerdem findet Freyler es „eine Frechheit, dass das Land angesichts des Kyoto-Protokolls die Zuschüsse für den Nahverkehr kürzt”.

Die Kaufgewohnheiten

Bürgermeister Bernd Jansen sah die geplanten Änderungen pragmatisch: „Die Pläne sind gemacht worden, bevor das Hückelhoven Center stand. Seither haben sich die die Kaufgewohnheiten und damit die Fahrgewohnheiten besonders am Wochenende geändert.” Die Stadt verändere sich rasant, dem müsse auch der Kreis Rechnung tragen.

Sein Resümee: „Das neue Konzept für den ÖPNV muss die Veränderungen in unserer Stadt mit einbeziehen.” Das will man in der Stellungnahme der Stadt ausformulieren.