Kreis Heinsberg: Kris Scholz‘ Fotografien geben einige Rätsel auf

Kreis Heinsberg : Kris Scholz‘ Fotografien geben einige Rätsel auf

Sehr schöne Bilder des Fotografen Kris Scholz können Kunstfreunde zurzeit im Kunstverein Region Heinsberg anschauen.

Doch bekommen die Gäste auch zu sehen, was die Profession des Künstlers verspricht? Kay Heymer ist Leiter der Abteilung Moderne Kunst des Museums Kunstpalast Düsseldorf. Er trägt am Sonntagmorgen zur Vernissage von Kris Scholz auf dem Horster Hof in Unterbruch eine Krawatte mit Rautenmuster und führt das Publikum in die Ausstellung „Zeichen/Spuren/Blaues Licht“ ein.

Ob er die Krawatte mit dem Rautenmuster bewusst gewählt hat, lässt er offen, aber der Binder passt wunderbar zu einem der Bilder von Kris Scholz, die so gar nicht nach Fotografie aussehen — auf den ersten Blick nicht und auch auf den zweiten Blick nicht.

Die Bilder verraten selbst dem aufmerksamen Betrachter nicht, was sie darstellen, was der Fotograf vor die Linse nahm, um seine Kunst entstehen zu lassen. Ihre Materialität unterscheide diese Fotografien von Malerei, erklärt Kay Heymer.

Rangehen lohnt sich

Kris Scholz, der Fotograf, muss mit der eindimensionalen Fläche des fotografischen erzeugten Bildes auskommen. Näher ran gehen lohnt sich, doch auch der gezielte Blick auf die Details verrät noch immer nicht, was Kris Scholz da fotografiert hat.

Sechs großformatige Bilder hat Scholz, Schüler der Foto-Ikone Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf, an die lange Wand im Erdgeschoss des Kunstvereins gehängt.

Als Professor lehrt Dr. Kris Scholz an der Hochschule Darmstadt künstlerische Fotografie. Wie bei jedem Becher-Schüler sucht man auch in den Fotografien von Kris Scholz nach Relikten der Becher-Klasse, deren Meister und Schüler der Fotografie den Weg in die Kunst öffneten. Im Kabinett im ersten Stock zeigt Scholz Architekturaufnahmen, die die Verbindung zu Bernd Bechers dokumentarischer Industrie-Fotografie noch gut erkennen lassen. Dem neutralem Blick auf Rheinufer und -wiesen oder Bauten des Architekten Mies van der Rohe gibt Kris Scholz bei diesen Aufnahmen ein fotografisches Verfahren bei, das die Sachlichkeit ein wenig verändert.

Papier-Negativ-Verfahren

Scholz nutzte das Papier-Negativ-Verfahren, bei dem nicht nur das Positiv, sondern auch das Negativ Papier ist. Dessen Struktur verleiht den Bildern eine Weichheit der Kontraste. „Marks and Traces“ heißt die Serie der Fotografien im Erdgeschoss, die bezüglich des Aufnahmegegenstandes Rätsel aufgibt.

Einige der Aufnahmen sind in Beijing entstanden, verrät die ausgelegte Bilderlegende, und sie gibt Auskunft über die Preise, zwischen 6000 und 10.000 Euro pro Bild.

Alles Schauen hilft nichts, nur Fragen macht schlau: „Was hat der Fotograf denn nun fotografiert?“ „Fußböden — aus Ateliers und Fabrikhallen“, gibt Kay Heymer Auskunft, dessen Krawatte, wie erwähnt, perfekt mit einem von Kris Scholz fotografierten Fayenceboden in Rautenmuster gelegt harmoniert.

Arbeitstische und Fußböden

„Marks and Traces“ zeigt auch die Abbildungen von Arbeitstischen in Künstlerateliers. Und wenn man einmal die „Fußböden“ als solche wahrnimmt, bemerkt man, dass Kris Scholz das „Abbilden“, das Becher und machte, weiterhin betreibt. „Kris Scholz gelingt es, Bilder zu finden“, so Kay Heymer, Bilder die seiner Persönlichkeit entsprechen und seinem künstlerischen Werk.

(defi)