Städteregion: Kreissynode: Demografischer Wandel als Chance

Städteregion : Kreissynode: Demografischer Wandel als Chance

Der demografische Wandel und die Chancen, die er bringt: Dieses Leitthema stand im Mittelpunkt der Kreissynode, zu der rund 120 Delegierte aus den 13 Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Aachen am Wochenende zusammen kamen.

Der steigende Anteil älterer Menschen an der Gesellschaft sei keine Bedrohung oder Katastrophe, erklärte der Sozialwissenschaftler Prof. Gerhard Bäcker. Es liege jedoch an der Gemeinschaft vor Ort, gegenseitige Unterstützungsleistungen zu bringen, um ein selbstbestimmtes Wohnen und Handeln zu ermöglichen. Und zu dieser Gemeinschaft gehöre auch die Kirche.

Innerhalb der von der Politik geschaffenen Rahmenbedingungen kann die Kirche dabei von einer ziemlich guten Ausgangsposition aus agieren: Gemeindehäuser und Kirchenvertreter bieten eine hervorragende Infrastruktur für die gemeinsame Quartiersarbeit vor Ort.

Zwei Initiativen leisten bereits vorbildliche Koordinationsarbeit in der Region: die evangelische Initiative „Engagiert älter werden“ in Aachen bietet älteren Menschen in der Stadt eine Plattform, während das „Netzwerk an Urft und Olef“ Raum und Koordination für die Umsetzung eigener Interessen in der Eifel bereitstellt.

Zu „Seniorencafés“ wird hier aber längst nicht mehr eingeladen. Vielmehr soll die Möglichkeit geschaffen werden, sich mit anderen über Interessen auszutauschen und zum Beispiel gemeinsame Englischkurse zu belegen oder Computerkenntnisse an andere weiterzugeben. In der Eifel sind im Rahmen des „Netzwerks“ inzwischen bereits rund 450 Menschen aktiv. Offen sind die Angebote dabei für alle, nicht nur für Kirchenmitglieder.

Eine erfreuliche Entwicklung, findet Pfarrer Erik Schumacher. Angesichts des Rückgangs an Gemeindemitgliedern profitiere die Kirche von dieser Öffnung. Zugleich werde unter den Bürgern das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. „Nachbarschaftshilfe wird wieder selbstverständlich“, erklärte Renate Weidner von der Stabsstelle für Kirche und Diakonie.

Weitere Ideen für „Weitsicht und beherztes Handeln“ — so der Titel der Begleitschrift — wurden in Werkstattgruppen während der Kreissynode ausgearbeitet. Besonderer Fokus liegt bei der Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel auf der Verflechtung der Generationen und der Einbindung junger Menschen. Gemeinsam mit der Jungen Kirche Aachen, der Evangelischen Studierendengemeinde und den Koordinatoren eines Generationenbegegnungsprojektes wurden die Möglichkeiten und Chancen einer „caring community“ (fürsorglichen Gemeinschaft) ausgelotet. Wichtig sei, dabei im Blick zu behalten, dass ältere Menschen nicht nur „Nehmende“ sind, sondern auch viel zu geben haben.

An vier Standorten in der Region sollen die „Zukunftslabore“ zum demografischen Wandel fortgeführt werden. Die begeisterte Aufnahme durch die Kreissynode habe einen gelungenen Auftakt für die Auseinandersetzung mit dem Thema geboten, sagte Superintendent und Pfarrer Hans-Peter Bruckhoff. Das sei ein gutes Zeichen dafür, dass die Kirche nicht nur um sich selbst kreise, sondern mitten in der Gesellschaft stehe. Es tue gut, gemeinsam Ideen zu entwickeln und Projekte zu starten — und da sei eine Menge in den Gemeinden und im Kirchenkreis auf den Weg gebracht worden.