Kreis Düren: Kreis Düren: 26.000 Erwachsene sind überschuldet

Kreis Düren : Kreis Düren: 26.000 Erwachsene sind überschuldet

Wer überschuldet ist, hat über seine Verhältnisse gelebt, ist ein weit verbreitetes Vorurteil. Tatsächlich aber war 2016 in nur knapp 13 Prozent aller Fälle, mit denen sich die Schuldnerberatungsstellen im Kreis Düren auseinandergesetzt haben, das Konsumverhalten der Hauptgrund für die Überschuldung.

Immer noch ist vor allem die Arbeitslosigkeit Auslöser dafür, dass Verbindlichkeiten nicht mehr beglichen werden können. Im Kreis Düren war das 2016 bei jedem vierten Ratsuchenden (24,6 Prozent) der Fall, gefolgt von den Gründen Krankheit/Sucht/Unfall (20,6 Prozent) und Trennung/Scheidung/Tod (23,4 Prozent), wobei der Faktor Krankheit immer größeres Gewicht einnimmt.

Legten den Jahresbericht der beiden Schuldnerberatungen im Kreis Düren vor (v. l.): Daniela Erne, Dagmar Becker (beide Düren), Ursula Hensen und Claudia Ritter (beide Jülich). Foto: Abels

Viele erkrankte Schuldner gerieten in einen Teufelskreis, betont Ursula Hensen vom Diakonischen Werk Jülich, da Überschuldete im Vergleich zu anderen ein höheres Krankheitsrisiko haben. Nicht selten führe die finanzielle Schieflage zu einer völligen Destabilisierung der Existenz.

„Die meisten kommen unverschuldet in eine finanzielle Schieflage, aus der sie auch nur ganz schwer wieder herauskommen, weil die staatlichen Sozialleistungen nur das Existenzminimum abdecken“, erklärt Dagmar Becker von der Schulden- und Insolvenzberatung der Evangelischen Gemeinde zu Düren.

Überhaupt stelle für viele Ratsuchende ein dauerhaftes Niedrigeinkommen aufgrund von Hartz-IV-Leistungen oder prekärer Beschäftigung ein großes wirtschaftliches Risiko dar. „Wenn dann plötzlich einmal die Waschmaschine kaputtgeht oder eine Stromkostennachzahlung ins Haus flattert, können die zusätzlichen Belastungen nicht mehr aufgefangen werden“, berichtet Dagmar Becker aus ihrer Arbeit.

Im Kreis Düren beträgt die Überschuldungsquote 11,91 Prozent. Sie liegt damit über dem Landes- (11,66) und dem Bundesdurchschnitt (10,66), hauptsächlich begründet in der schlechten Sozialstruktur der Stadt Düren. Damit rangiert der Kreis Düren im bundesweiten Vergleich im unteren Viertel. Über 26 000 Erwachsene im Kreis Düren gelten per Definition als überschuldet. Ein Privathaushalt ist dann überschuldet, wenn Einkommen und Vermögen trotz Reduzierung des Lebensstandards nicht ausreichen, um fällige Forderungen zu begleichen.

Einziger Ausweg ist oft die Privatinsolvenz. Von den 1830 Männern und Frauen, die 2016 Rat bei den Schuldnerberatungsstellen suchten, darunter 962 Neuaufnahmen, stand dieses Ziel in einem Drittel der Fälle (608 Personen) im Mittelpunkt. Durchschnittlich stand jeder Ratsuchende mit 43.000 Euro in der Kreide. Und weil bei vielen Kontopfändungen drohten, wurde auch die Beratung im Zusammenhang mit dem Pfändungsschutzkonto (P-Konto) wieder stark nachgefragt. Mit 512 erreichte deren Zahl 2016 sogar einen neuen Höchststand.

Die Schuldnerberatungsstellen versuchen aber auch präventiv tätig zu werden, beispielsweise Jugendliche über die tatsächlichen Kosten verlockender Handy-Tarife aufzuklären. Claudia Ritter berichtete von knapp 1000 Jugendlichen, die 2016 im Rahmen des Projekts „Fit in Finanzen“ erreicht wurden, mit sehr positiver Resonanz seitens der Lehrer, und von knapp 250 Kita-Kindern, die spielerisch mit dem „Kreislauf des Geldes“ vertraut gemacht wurden.

Kreisdirektor Georg Beyß dankte den Beratungsteams für ihren großen Einsatz, müssten sie doch oft Katastrophenanalyse betreiben. Ihre Arbeit sei auch mit Blick auf die Arbeitsmarktperspektiven der Betroffenen immens wichtig, da die Überschuldung immer noch ein großes Vermittlungshemmnis sei.

(ja)
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