Heinsberg: Konzert zur Besinnung auf jüdische Wurzeln

Heinsberg : Konzert zur Besinnung auf jüdische Wurzeln

Das Gedenken an den 9. November, der so genannten Reichspogromnacht, steht im Mittelpunkt von Veranstaltungen, zu denen die evangelische Kirchengemeinde Heinsberg einlädt.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November des Jahres 1938 hatten Nazi-Schergen alle Synagogen, die Gebetsstätten der jüdischen Gemeinden, sowie Geschäfte von jüdischen Mitbürgern zerstört und zahlreiche Juden ermordet oder verhaftet.

Auch die Heinsberger Synagoge wurde ein Opfer der Nazi-Verbrechen. Kultgegenstände waren zum Teil auf die Straße geworfen, Thorarollen sogar mit Füßen in den Straßendreck getreten worden.

„Auch wenn die Kirchen den Rassenwahn des Antisemitismus der Nazis nicht hervorgebracht haben, sind sie doch mit ihrem durch Jahrhunderte verübten Antijudaismus nicht unschuldig an den Verbrechen des Dritten Reiches.

Immer wieder hatten zuvor die Kirchen ihre Verwurzelung im Judentum verleugnet, Juden ausgegrenzt und verfolgt und zuletzt der Vernichtung jüdischer Menschen und der jüdischen Kultur weitgehend tatenlos zugesehen”, erläutert Pfarrer Joachim Lyhs die Motivation zu den Veranstaltungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche eine neue Verhältnisbestimmung zu Israel und dem Judentum ein.

So hat die Evangelische Kirche im Rheinland beispielsweise auf ihrer Synode im Jahr 1980 bekannt, dass es Schuld der Kirche sei, Israel „enterbt” zu haben.

Stattdessen gilt für die Protestanten im Rheinland, dass der Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat, durch Christus, den Herrn der Kirche, nicht aufgehoben wurde.

Israel sei nach wie vor das Volk Gottes und habe sein Erbe, das Gesetz mit den zehn Geboten, den Gottesdienst und die Verheißungen bewahrt.

„Umstritten ist in den evangelischen Kirchen bis heute allerdings, ob sich eine Judenmission aufgrund der neuen theologischen Einsichten und der belasteten Geschichte ganz verbietet oder das Christuszeugnis runter vom hohen Ross zu einem Gespräch zwischen Schwestern und Brüdern verändern muss”, erklärt Lyhs bei den Vorbereitungen.

Am Sonntag, 9. November, wird im Mittelpunkt des Gottesdienstes um 10.15 Uhr in der Christuskirche das Wort des Apostels Paulus stehen - „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich” (Römer 11,18b).

Mit dem anschließenden Schweigemarsch um 11.15 Uhr von der Christuskirche aus zum jüdischen Friedhof gedenken Heinsberger Christen der Ermordung der Juden in Heinsberg und erinnern daran, dass mit der Vernichtung der jüdischen Gemeinde nicht nur die Wurzeln des christlichen Glaubens berührt , sondern auch die Wurzeln der europäischen Kultur verletzt sind.

Das jüdische Erbe aufgreifen, nicht nur als Vergangenes erinnern, sondern als lebendiges Gut erfahren, das ist die Intention des Konzertes, das am Abend des 9. November, um 18 Uhr in der Christuskirche in der Hochstraße stattfinden wird.

Die Mezzosopranistin Agnes Erkens, gebürtige Braunsratherin, die in Köln lebt und arbeitet, wird begleitet von dem amerikanischen Pianisten Steve Nobles und dem italienischen Klarinettisten Alessandro Palmitessa. Sie führt mit einem neuen Liederprogramm aus der jüdischen Kultur durch drei historisch prägnante Zeitepochen.

„Das Konzert versteht sich als eine Besinnung auf die jüdische Wurzel unseres Glaubens und unserer Werte”, so die Künstlerin.