Kreis Heinsberg: Kontemplative Bildwelt ruft Gefühle hervor

Kreis Heinsberg : Kontemplative Bildwelt ruft Gefühle hervor

Es sind menschliche Begegnungen, grundsätzliche Erfahrungen und Fragen menschlicher Existenz, mit denen sich Traude Wirtz in ihren Bildern auseinandersetzt. „Begegnungen” lautet auch der Titel der Ausstellung ihrer Gemälde und Collagen im Heinsberger Kreismuseum.

„Die bildende Kunst hat Traude Wirtz seit vielen Jahrzehnten beschäftigt und begleitet”, stellte Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmanns die Künstlerin vor, die als Lehrerin mit Schwerpunkten Musik und Kunst unterrichtete und seit 2002 mit eigenen Atelier in Wegberg lebt und arbeitet.

Viele der Kunstwerke sind erdfarben, grau oder dunkel. Immer aber findet sich in den Arbeiten der Künstlerin als Kontrapunkt auch das Weiß als Symbol des Lichtes und der Hoffnung, welches das Dunkel der irdischen Welt erhellt. Rot, das für Liebe und Wärme, aber auch für Feuer und Blut steht, gehört außerdem zu den bevorzugten Farben der Künstlerin.

Ihre Bildflächen sind nicht glatt und eben, sondern zerfurcht, reliefartig und lebendig, entstanden aus vielen Farbschichtungen, Leim und Leinen. „Sie zeugen von spontanem Hinzufügen und Wegnehmen, vom Eingreifen mit Werkzeugen und tragen Spuren ständiger Veränderungen” ging Müllejans-Dickmann bei der Eröffnung auf die Technik der Malerin ein. „Zerfranste Leinwandränder verstärken bisweilen den Eindruck des langwierigen Vorgehens.”

Besonders häufig begegnet man in der Ausstellung dem Bildmotiv eines Kleides in der reduzierten, archaisch anmutenden Form einer Tunika. Dieses Gewand wird zum symbolischen Speicher für menschliches Leben, dessen Empfindungen von Leid, Schmerz, Tod und Trauer, aber auch Hoffnung, Freude und Erlösung ablesbar sind.

„In der darin assoziierbaren Form eines Kreuzes aus Längs- und Querbalken versinnbildlichen diese Arbeiten einen Weg, nämlich über die traditionellen Glaubenskräfte hinaus aus eigener schöpferischer Kraft das Spirituelle zu erreichen”, so Müllejans-Dickmann. Für Traude Wirtz ist das Kreuz das Zeichen der geschichtlichen Wurzeln und Kultur und nicht nur Symbol für den Opfertod Jesu oder das grundlegende Symbol christlich-abendländischer Welt- und Seinsorientierung.

Mit ihrer Arbeit „Herzog Blaubart” setzt sich die Künstlerin außerdem mit Literatur und Musik auseinander und erinnert an eine Gestalt aus den mittelalterlichen Drachenmythen. Doch auch aktuelle Themen des Alltags finden sich als Reflektion wieder, wie der Titel „Demenz” veranschaulicht.

„In dieser Ausstellung erschließt sich eine kontemplative Bildwelt, die in ihrer Verdichtung persönliche Assoziationen, Gedanken und Gefühle hervorruft”, lud Rita Müllejans-Dickmann die Besucher ein, sich Zeit für die persönliche Wahrnehmung der Kunst von Traude Wirtz zu nehmen, die noch bis zum 9. November im Kreismuseum präsentiert wird.