Eschweiler: Konjunkturprogramm unter der Erde

Eschweiler : Konjunkturprogramm unter der Erde

Das Landeswassergesetz schreibt allen Hauseigentümern vor, ihre Kanalanschlüsse auf Dichtheit prüfen zu lassen. Bis zum Jahr 2015. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, die Fristen verlängern zu lassen, was viele Kommunen auch schon getan haben. In Eschweiler zum Beispiel wird der letzte Bezirk erst im Jahr 2022 untersucht.

Bei einem Wasserschutzgebiet besteht jedoch ein schneller Handlungsbedarf: Die dortigen Haushalte werden bereits im kommenden Jahr unter die Lupe genommen. Es geht um Geld, viel Geld. Die Kreishandwerkerschaft rechnet mit einem Auftragsvolumen von über 300 Millionen Euro in der Städteregion bis 2022. Hier befinden sich etwa 150.000 private Kanalanschlüsse, die untersucht werden müssen.

Im Schnitt liegen die Kosten bei 400 Euro pro Grundstück. Hinzu kommt eine eventuelle Reparatur, denn auch dazu ist der Eigentümer verpflichtet, sollte sich ein Leck in der Leitung befinden. Kreishandwerksmeister Hans Winnen geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Kanalanschlüsse undicht ist. Er spricht deswegen von einem „Konjunkturprogramm für das Handwerk”.

Damit das Geld möglichst in der Städteregion bleibt, will die Kreishandwerkerschaft tätig werden: Im Berufsbildungs- und Gewerbeförderungszentrum Simmerath sollen Fachleute fortgebildet und zertifiziert werden. Allerdings ist derzeit noch offen, welche Anforderungen an die Zertifizierung gestellt werden. „Wir sind aber sicher, dass wir in zwei bis drei Monaten weiter sind”, betont der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Ludwig Voß. Die Fortbildung in Simmerath habe den Vorteil für hiesige Unternehmen, dass die Mitarbeiter nicht länger ausfielen und Hotelkosten gespart werden könnten. Derzeit wird solch ein Lehrgang nur von wenigen Instituten angeboten.

Was sich in anderen Bereichen, etwa bei der Vernetzung mit Kabelfernsehen, bewährt hat, soll auch bei den Dichtheitsprüfungen angewandt werden: Die Handwerkskammer will den Zusammenschluss von Firmen unterstützen, die gemeinsam die Hausanschlüsse prüfen wollen. Denn die Geräte sind teuer. „Wer sämtliche Kameras und Tests anbieten will, gibt schnell über 100.000 Euro aus”, weiß Voß. Zu viel für kleine Betriebe. Sie sollen sich deshalb die Investitionskosten teilen.

Mit diesen Anregungen tritt die Kreishandwerkerschaft in den nächsten Wochen an die Unternehmen heran. Die meisten Kommunen werden den Bürgern Ansprechpartner mitteilen, die beraten sollen. Und auf der Internetseite des Landes-Umweltministeriums befindet sich bald eine Liste mit den bisher zertifizierten Unternehmen, zu denen sich nach dem Willen der Kreishandwerkerschaft bald weitere aus der Städteregion gesellen sollen.