Hückelhoven: „Kompetenzentrum”: Bündelung der Kräfte für die Problemschüler

Hückelhoven : „Kompetenzentrum”: Bündelung der Kräfte für die Problemschüler

Die Peter-Jordan-Schule im Schulzentrum In der Schlee ist die einzige Schule im Kreis Heinsberg, die alle Förderschwerpunkte bei Schülern mit Lern- und Entwicklungsstörungen abdeckt.

Im Gegensatz zu anderen Schulen verzeichnet die Peter-Jordan-Schule, die seit Monaten im Zuge des ehrgeizigen Schulbauplanes der Stadt Hückelhoven von Grund auf umgebaut wird, einen beständigen Anstieg der Schülerzahlen: Für 150 Schüler angelegt, platzt sie heute mit 198 Schülern aus allen Nähten.

Anfang der neunziger Jahre hatte sich die damalige städtische Schule für Lernbehinderte an einem Schulversuch beteiligt, bei dem es darum ging, verschiedene Förderschwerpunkte unter einem Dach zu unterrichten. Damals wurden in der Schule nur so genannte lernbehinderte Kinder unterrichtet, die man heute als „Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen” bezeichnet. Damals drohte die Schule mit nur 80 Schülern geschlossen zu werden - das Kollegium hatte keine andere Wahl, als sich an dem Schulversuch zu beteiligen.

Seither steigen die Schülerzahlen dort, während sie vor allen Dingen an Hauptschulen rückläufig sind. „Wir wollen und müssen diesem Trend ein Stoppschild entgegensetzen”, sagt Schulleiter Hans-Leo Lowis. Da kommt das von der Landesregierung in Düsseldorf ins Spiel gebrachte Projekt zur Einrichtung eines „Kompetenzzentrums für die sozialpädagogische Förderung” von Kindern im Stadtgebiet Hückelhoven in der Peter-Jordan-Schule gerade recht.

In diesem „Kompetenzzentrum” sollen alle sonderpädagogischen Ressourcen, die es im Stadtgebiet Hückelhoven gibt, zentriert werden: Regelschule, Sonderschule, Jugendhilfe, Logopäden und Ergotherapeuten sollen in diesem Projekt zusammenarbeiten. „Die Federführung liegt dabei bei den Sonderpädagogen unserer Schule”, erläutert Konrektor Hans Hilgers.

Und wie soll die Arbeit dieses Kompetenzzentzrums konkret aussehen? Was ist das eigentliche Ziel eines solchen Zentrums? „Auf den Punkt gebracht”, so Hans-Leo Lowis ,„kann man sagen: Wir versuchen durch vorbeugende Maßnahmen zu erreichen, dass Kinder, die bisher an unsere Schule geschickt wurden, weiter an der Regelschule unterrichtet werden können.”

Ohne wie bisher großen bürokratischen Aufwand betreiben, den mühselig-langen Weg durch die Instanzen einschlagen und die Kompetenzen der verschiedenen Behörden unter einen Hut bringen zu müssen, könnte die Arbeit der Sonderpädagogen im Kompetenzzentrum Peter-Jordan-Schule bald so aussehen, wie Hans Hilgers es, sicher verkürzt, erläutert: „Wir werden von einer Grundschule oder Hauptschule angerufen. Die sagen uns: Wir haben da einen Schüler, der hat Probleme. Wir besuchen die Schule, schauen uns den Schüler im Unterricht an, machen uns ein Bild von ihm und unterhalten uns anschließend mit ihm über seine Schwierigkeiten in der Schule, beziehen die Jugendhilfe ebenso mit ein, wie wir mit den Eltern sprechen. Ziel ist es, den Schüler in der Regelschule zu belassen.”

Die vorgegebene Marge von mindestens 75 Prozent der Schulen im Stadtgebiet, mit denen ein Kooperationsvertrag geschlossen werden muss, ist in Hückelhoven weit übertroffen, nur die katholische Grundschule Brachelen macht nicht mit. „Wir erfüllen alle Voraussetzungen für ein Kompetenzzentrum”, sagt Hans-Leo Lowis.

Was kann mit der Einrichtung eines Kompetenzzentrums an der Peter-Jordan-Schule konkret erreicht werden? „Einerseits ”, sagt Hans Hilgers,
„soll durch die Betreuung von Schülern in der Regelschule durch Sonderpädagogen unserer Schule der Wechsel zur Förderschule verhindert werden”.

Andererseits könnten auch Schüler, die in die Förderschule überwiesen wurden, wieder in die Regelschule zurückkehren. Hilgers schätzt, dass „man rund 20 Prozent der Förderschüler in die Regelschule überführen könnte”. Das würde seine Schule entlasten und dem Ausbluten der Hauptschulen entgegenwirken. „Jeder junge Mensch hat das Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit”, heißt es in Paragraf 1 des Sozialgesetzbuches.

Um dieses Ziel zu verwirklichen, soll die Jugendhilfe „junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden und abzubauen”. Deshalb ist an der Peter-Jordan-Schule für das Schuljahr 2011/2012 die Einrichtung einer sozialpädagogischen Tagesgruppe geplant.

„Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt in Hückelhoven ist vorbildlich”, sagt Lowis. Natürlich stehen auch Kostengründe hinter einer solchen Entscheidung: Man erhofft sich durch gezielte Arbeit in der Tagesgruppe eine Reduzierung der Heimunterbringungen. Mit rund 220.000 Euro Betriebskosten jährlich bei neun Plätzen kalkuliert Kämmerer Helmut Holländer.