Kreis Düren: Kommunen am Limit, aber über 200 ehrenamtliche Dolmetscher

Kreis Düren : Kommunen am Limit, aber über 200 ehrenamtliche Dolmetscher

Als zu Beginn des Runden Tisches für Flüchtlingshilfe der Punkt „Sachstandsbericht aus den Kommunen“ aufgerufen wurde, hätte im Grunde ein einziges Statement gereicht.

Denn nachdem das Mikrofon im Kreishaus Düren durch 13 Hände gewandert war, stand unter dem Strich als Schnittmenge der Momentaufnahmen von Titz bis Heimbach diese Aussage: „Noch haben wir alle uns zugewiesenen Flüchtlinge angemessen unterbringen können, doch die Kapazitäten sind fast ausgereizt. Wir finden bald keine Wohnungen mehr auf dem freien Markt. Unsere Mitarbeiter sind am Limit, und ohne die vielen ehrenamtlich Engagierten vor Ort wäre das gar nicht zu bewältigen.“

Egal ob das kleine Heimbach mit 75 zugewiesenen Flüchtlingen, Jülich mit 440 oder die Kreisstadt Düren mit rund 750 — die Kommunen kommen an ihre Grenzen. „Niemand hat diese Entwicklung vorhersehen können, als wir uns zum ersten Mal zum Runden Tisch getroffen haben“, blickte Kreisdezernent Dirk Hürtgen auf das Treffen Anfang Februar 2015 zurück. Damals hatte der Kreis erstmals eingeladen, um die zahlreichen Flüchtlingsinitiativen entlang der Rur miteinander ins Gespräch zu bringen. Sich kennenlernen, austauschen und gute Praxislösungen zum Nutzen aller verbreiten, das stand damals auf dem Programm.

Diesmal fußte der Austausch auf einer viel breiteren Erfahrungsbasis. Mit den Flüchtlingen ist auch die Zahl der ehrenamtlichen Helfer gestiegen. „Die Initiativen vor Ort werden von Hunderten weiteren Aktiven unterstützt“, wusste Sybille Haußmann, Leiterin des Amtes für Schule, Bildung und Integration, zu berichten. Standen dem Kommunalen Integrationszentrum Anfang August 60 ehrenamtliche Dolmetscher zur Verfügung, so sind es zurzeit bereits über 200.

Die Flüchtlinge kommen ins Land und müssen betreut und versorgt werden. „Die Schulen sind zurzeit extrem gefordert. Die Lehrer mit den Qualifikationen, die wir jetzt brauchen, gibt es noch gar nicht in ausreichender Zahl“, stellte Schulrat Michael Schevardo beispielsweise fest. Dennoch haben die Migrantenkinder, die den Kommunen zugewiesen wurden, einen Anspruch auf Bildung. Zwölf Seiteneinsteigerklassen, in denen zugewanderte Kinder und Jugendliche mit Hochdruck Deutsch lernen, gibt es bereits im Kreisgebiet, weitere sind in Vorbereitung, wie Sybille Haußmann berichtete.

Kinderheim und Pflegefamilien

Das Kreisjugendamt arbeitet derweil daran, den zurzeit rund 50 unbegleiteten Kindern und Jugendlichen in seinem Zuständigkeitsbereich gerecht zu werden. „Wir wollen eine Gruppe für Minderjährige im Kinderheim St. Josef einrichten und ziehen zudem die Unterbringung in Pflegefamilien in Betracht“, berichtete Gregor Dürbaum, Leiter des Amts für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren. Darüber hinaus wollen Betreuungsplätze für rund 190 Migrantenkinder zwischen einem und sechs Jahren geschaffen sein; weitere 22 Neugeborene haben binnen Jahresfrist Anspruch auf Betreuung. „Von der Antragstellung bis Entscheidung über den Asylantrag vergehen in Deutschland derzeit durchschnittlich zehn Monate“, wusste Jörg Breuer vom Ordnungsamt des Kreises Düren zu berichten. Zudem gab er einen Kurzüberblick über bevorstehende Gesetzesänderungen.

In nahezu allen Kommunen gibt es seit langem Flüchtlingsinitiativen, deren Mitglieder sich vor allem im Sprachunterricht und bei der Begleitung von Familien engagieren. Einen Überblick über die einzelnen Gruppierungen gaben Frank Kreß und Barthel Korn vom Flüchtlingsrat für den Kreis Düren. Er wird von allen gesellschaftlichen Kräften mit Ausnahme der Parteien getragen und fördert seit 1980 unter anderem den Erfahrungstausch der Gruppen untereinander. „Wir leiten den Flüchtlingsrat neben unserer Beratungstätigkeit; das können wir angesichts der gewachsenen Aufgaben leider nicht so intensiv umsetzen, wie es für die vielen Ehrenamtlichen notwendig wäre“, sagte Frank Kreß.