Nordkreis: Kommentiert: Eine Wundertüte

Nordkreis : Kommentiert: Eine Wundertüte

Dass die Bezirksregierung Köln vor Jahren das Lagern der „Vanforsch“-Fässer in der kurz zuvor von dieser Aufsichtsbehörde stillgelegten Kiesgrube bei Blumenrath genehmigte, war und bleibt ein Skandal.

Seinerzeit wurde es eben als „günstiger“ angesehen, die Überreste aus chemischen Reinigungen in die Landschaft zu kippen und nicht für teures Geld fachgerecht aufzuarbeiten. Daraus sollten nachfolgende Generationen von Behördenvertretern gelernt haben. Jetzt geht es erneut um Geld — Kosten werden gegen Nutzen abgewägt.

Sicherlich wäre es ungerecht, der Städteregion vorzuwerfen, gedankenlos Geld über Umweltschutz zu stellen. Es ist legitim, zu überprüfen, ob der Aufwand, das Grundwasser dort zu reinigen, noch durch die tatsächlichen Belastungen und Gefährdungen für Flora und Fauna gerechtfertigt ist. Dabei sollte aber der höchste noch gemessene Wert Richtschnur sein. Die Fässer sind nicht gleich verteilt. Die Städteregion spricht von einem jüngeren und einem älteren Fasslager. Und außerdem weiß man bis heute nicht, wie viele von diesen maroden „Chemie-Cocktail-Dosen“ im Boden lauern. Nach Schätzungen von Zeitzeugen und durch Auswertung alter Unterlagen könnten es bis zu 2500 Fässer sein. A

uch die genaue Lage ist immer noch nicht bekannt. 1993 wurden zur Ortung der Fässer durch das Lehr- und Forschungsgebiet für Geophysik der RWTH Aachen geomagnetische Rastermessungen vorgenommen. Ein eindeutiges Ergebnis, räumt die Städteregion ein, konnte aufgrund von flächendeckenden Magnetfeldstörungen durch Bauschuttablagerungen gar nicht erzielt werden. Das Grundwasser aus dieser Wundertüte sollte weiter gereinigt werden. Das ist immer noch preiswerter, als diesen „Schatz“ zu heben.