Städteregion: Kommentiert: Diese Entscheidung verdient Respekt

Städteregion : Kommentiert: Diese Entscheidung verdient Respekt

Wann ist der richtige Zeitpunkt, sich aus einem Amt wie dem eines Städteregionsrates zurückzuziehen? Wenn andere sagen, nun sei es aber an der Zeit? Oder dann, wenn man spürt, dass man seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird, weil die Gesundheit nicht mehr so mitspielt, wie sie sollte?

Muss man in einem solchen Amt, in das man direkt von den Bürgern gewählt wird, nicht die Zähne zusammenbeißen und durchziehen? Helmut Etschenberg hat entschieden, auf die noch leisen Signale seines Körpers zu hören. Und er hat aus dem plötzlichen Tod zweier von ihm geschätzten Städteregionstagsabgeordneten vor wenigen Monaten Schlüsse gezogen.

Deshalb hat er am Mittwoch, an einem 71. Geburtstag, verkündet, dass zum Jahresende Schluss sein wird. Keine Frage, Sinn für eine gute Inszenierung hat er. Aber geschenkt! Seine Entscheidung verdient Respekt. Viele schaffen es nicht, rechtzeitig ein Amt aufzugeben, dass zwar ziemlich arbeitsintensiv und stressig ist, aber andererseits auch mit Macht, Gestaltungsspielraum und Ansehen verbunden ist und Türen in Welten öffnet, die einem sonst verborgen blieben.

Leicht gefallen ist Etschenberg die Entscheidung jedoch nicht, das war ihm am Mittwoch deutlich anzumerken. Denn er war und ist mit Leidenschaft bei der Sache. Und er hat noch vieles auf der Agenda. Manches wird er bis zum Jahresende noch umsetzen können, aber sicher nicht alles. Was einen Macher, wie er einer ist, wurmt. Aber er hat am Mittwoch auch deutlich gesagt, dass er sich darauf freut, mehr Zeit für seine Familie zu haben — und für einige Ehrenämter. Langeweile wird ihn sicher nicht plagen.