Städteregion: Kochendes Wasser im Kampf gegen eingewanderte Pflanzen

Städteregion : Kochendes Wasser im Kampf gegen eingewanderte Pflanzen

Gegen ihn ist kein Kraut gewachsen: Dem Japanische Staudenknöterich ist kaum beizukommen. Zumindest nicht, wenn man die chemische Keule nicht auspacken möchte. Darüber möchte die Biologische Station der Städteregion erst gar nicht nachdenken, denn der Japanische Staudenknöterich ist ihr ein echter Dorn im Auge.

Dabei sieht diese schnellwüchsige, sommergrüne und ausdauernde Pflanze in ihren dichten Gruppen auf den ersten Blick durchaus ansprechend aus. Ganz junge Sprossen können sogar wie Spargel, etwas ältere wie Rhabarber zubereitet werden. Sogar eine Tinktur, die Blutdruck und Cholesterin senken soll, lässt sich aus der Pflanze gewinnen.

Ganze Wälder von Japanischem Schlingknöterich breiten sich aus und verursachen Schäden. Ruwan Vandebeek demonstriert den Heißwassereinsatz in der Hamm. Foto: Jürgen Lange

So etwas macht man in der natürlichen Heimat dieses Staudenknöterichs. In Japan, Korea und China ist die Art eigentlich Zuhause. Eigentlich, denn im 19. Jahrhundert wurde der Staudenknöterich als Zier- und Viehfutterpflanze nach Europa und in die USA importiert. Aber so recht schmeckt das Biologen und Förstern schon längst nicht mehr.

Bis zu zehn Zentimeter tief erfolgt die Injektion in den Wurzelbereich. Foto: Jürgen Lange

Als Äsungspflanze hat das Rotwild den japanischen Geschmack nicht angenommen, als Deckungspflanze etwa für Fasane taugt das Gestrüpp nicht, weil es im Herbst sein Laub verliert. Und das ist aber im Sommer so dicht, dass unter ihm nichts mehr wächst: Der Boden erodiert, bietet Wind und Wasser gute Angriffsfläche. Noch viel schlimmer ist jedoch, dass sich der Japanische Staudenknöterich verbreitet „wie die Kaninchen“.

Nachtanken geht einfach am Hydranten oder aus Gewässern. Foto: Jürgen Lange

Mit seinen zahlreichen Rhizomen verbreitet sich das Wurzelwerk über mehrere Horizonte im Untergrund — schnell, ausdauernd, dicht, dominant und selbst betonsprengend.

Schäden in Millionenhöhe

„Die Schäden gehen in die Millionen“, sagt Maike Guschal, die bei der in Stolberg ansässigen Biologischen Station der Städteregion für das Neophytenmanagement und Vegetations-Monitoring zuständig ist. Zudem verdrängt die Pflanze mit Migrationshintergrund — in der Biologie heißen sie Neophyten — zunehmend die einheimische Artenvielfalt. Mittlerweile verbietet das Bundesnaturschutzgesetz das Ausbringen des Japanischen Staudenknöterichs, doch was kann getan werden gegen die vorhandene Population?

„Das einzige, was wirklich helfen würde, wäre Ausgraben“, berichtet Maike Guschal, die das von der EU geförderte Life-Projekt „Patches and Corridors“ betreut. Das Problem beim Graben: Die Rhizome reichen bis in zwei Meter Tiefe, und selbst die zarteste Haarwurzel müsste aufgesammelt und anschließend verbrannt werden. Aber an Gewässern oder felsigen Bereichen ist das Ausgraben gar nicht möglich.

Hilfsweise versuchen die Biologen mit Abmähen die Bestände einigermaßen unter Kontrolle zu halten. Der Erfolg der mühevollen und aufwendigen Arbeit ist er überschaubar, wie an diesem beispielhaften Standort im Naturschutzgebiet Münsterbachtal in der Hamm zu sehen ist, wo gemäht wurde. Der Staudenknöterich-Bestand weitet sich weiter aus, nur aktuell sind die Pflanzen mit ihren bis zu 50 Zentimeter Höhe niedriger als gewohnt; aber selbst die ist nur eine Frage der Zeit.

Nun präsentierte ein niederländisches Unternehmen eine alternative Behandlungsmethode im Rahmen von Guschals Life-Projekt Vertretern der Biologischen Stationen der Städteregion, aus Bonn und des Kreises Düren, des Wasserverbandes Eifel-Rur sowie der Städte Alsdorf, Stolberg und Eschweiler, die als umweltfreundlich, giftfrei und nachhaltig bezeichnet wird: eine Behandlung mit Heißwasser.

Injektion in den Wurzelbereich

Dabei wird zuerst das Blattwerk mit einem sanften Strahl kochend heißem Wasser aus einem Sprührechen langsam und intensiv eingerieben. Deutlich sichtbar knickt das Blattwerk durch die Heißwasserbehandlung ein.

Anschließend werden mit einer zehn Zentimeter tiefen Injektion mittels einer spitzen Wasserlanze die Wurzeln behandelt. Dies sorge für ein Absterben.„Wichtig ist, dass das Wasser immer 100 Grad heiß ist“, sagt Ruwan Vandebeek vom Anbieter Weed Free Service aus dem nordholländischen Kollum. Die Behandlung im oberen Bereich der Wurzeln schädigen diese bis in die tiefsten Spitzen hinein, so Vandebeek.

Im Nachbarland ist man längst landesweit im Einsatz im Kampf gegen Neophyten wie Staudenknöterich, Riesenbärenklau & Co., aber auch gegen andere unerwünschte Wildkräuter. Einen Drei-Jahres-Vertrag hat der Hafen Antwerpen mit dem Unternehmen geschlossen, berichtet Vandebeek. So will die Betreibergesellschaft ihre Kaianlagen vor dem japanischen Schlingknöterich schützen. Nun bietet das niederländische Unternehmen seine Dienste auch auf dem deutschen Markt an.

Erforderlich wird eine solche Heißwasser-Behandlung mit dem Sprießen der Knospen im März/April etwa alle sechs Wochen. Im ersten Jahr reduziere sich der Bestand des Knöterichs um 30 Prozent. Mindestens drei Jahre müssen die Populationen so bekämpft werden.

Allerdings ist auch diese Behandlung eine zeitaufwendige Angelegenheit. Für das knapp 200 m² große Versuchsterrain setzt Ruwan Vandebeek gut drei Stunden Arbeit an. Je nach örtlicher Situation kostet das dann zwischen 250 und 500 Euro pro Behandlung. Mit einem Monitoring kontrolliert der Anbieter Erfolg und kalkuliert die weiteren Einsätze. Eingesetzt werden dabei Fahrzeuge, auf denen Wassertank und -kocher verladen sind, aber auch Boote.

Methode kann die Lösung sein

Die Biologische Station möchte nun erst einmal eine Bilanz des Einsatzes ziehen und den Erfolg der Behandlung weiter verfolgen. Aber nach dem ersten Eindruck erscheint für Maike Guschal die Heißwasserbehandlung fast schon wie der „Stein des Weisens“ angesichts mangelnder Alternativen zu sein. Mit Blick auf die unterschiedliche Topographie und Geologie in der Städteregion biete die Methode einige Vorteile.

Man könne die verschiedenen Biotope des Staudenknöterichs gut erreichen, und eben auch auf karstigem oder felsigem Untergrund kann die Bekämpfung vorgenommen werden. „Die Methode kann für uns die Lösung sein“, so Gruschal.