Heimbach: Kloster Mariawald ein „Hotspot“ für die Region, der erhalten bleiben muss

Heimbach : Kloster Mariawald ein „Hotspot“ für die Region, der erhalten bleiben muss

„Wir stehen völlig ratlos da.“ Hans Doncks, Regionaldekan und Pfarrer in Heimbach, merkt man an, wie betroffen er von der Schließung der Abtei Mariawald ist. Am Dienstagnachmittag hatte der Päpstliche Kommissar Abt Bernardus Peeters offiziell das Aus von Deutschlands einzigem Trappistenkloster bekanntgegeben.

Doncks: „Unsere Pfarre war dem Kloster und den Mönchen immer sehr herzlich verbunden — auch, weil unsere Wallfahrt da begonnen hat, wo heute die Abtei Mariawald steht. Das Kloster war für unsere Pilger ein wichtiges Ziel.“

Aber nicht nur für die Wallfahrer. Die Abtei kann mit Fug und Recht als Tourismus-Magnet für die Region bezeichnet werden. Für Generationen von Familien war und ist Mariawald beliebtes Ziel für den Wochenendausflug — und das ganz sicher auch wegen der berühmten Erbsensuppe und des Klosterlikörs. Genaue Zahlen, zum Beispiel, wie viele Portionen Erbsensuppe jedes Jahr in Mariawald verkauft werden, konnte Wolfgang Nowak, Chef-Ökonom des Klosters, gestern auf Anfrage unserer Zeitung allerdings nicht sagen.

Nur so viel: „Als ich vor zehn Jahren meine Arbeit in Mariawald begonnen habe, gab es große wirtschaftliche Schwierigkeiten.“ Damals hätten die Mitarbeiter unter anderem auf ihr Weihnachtsgeld verzichtet, um den Klosterbetrieb zu retten. „Heute“, sagt Nowak in aller Deutlichkeit, „ist unser Betrieb sehr gut aufgestellt. Es läuft gut.“ Und zwar so gut, dass mit den Gewinnen aus dem Klosterbetrieb nicht nur bauliche Investitionen an den Klostergebäuden getätigt werden konnten, sondern auch ein Krankenpfleger eingestellt wurde, der für die Versorgung der Mönche verantwortlich war.

Nowak: „Wir arbeiten völlig autark, Zuschüsse vom Bistum gab es nicht.“ 30 Menschen sind in den Klosterbetrieben beschäftigt, das sind Minijobber mit einem 450-Euro-Vertrag genauso wie Vollzeitkräfte. Angestellt sind die Mitarbeiter bei dem beim Amtsgericht Düren eingetragenen Verein „Trappistenkonvent Mariawald“. Der Verein, bei dem alle Mönche, die ihr ewiges Gelübde in Mariawald abgelegt haben, automatisch Mitglied werden, ist auch Eigentümer der gesamten Immobilie.

Ein „herber Verlust“

Für Heimbachs Bürgermeister Peter Cremer (parteilos) ist die Schließung der Abtei ein „herber Verlust“ für die gesamte Region. „Gäste aus Köln, Bonn, Aachen und Düsseldorf sind regelmäßig nach Mariawald gekommen. Dieses touristische Ziel muss erhalten bleiben.“ Ihm seien andere Klöster bekannt, in denen zwar keine Ordensleute mehr lebten, die aber trotzdem Anlaufstelle für Touristen seien. „Man kann auch in Heimbach den religiösen Teil des Klosters vom touristischen trennen. Die wenigsten Besucher, die nach Mariawald kommen, interessieren sich doch für die Mönche.“

Ähnlich sieht das Gotthard Kirch, Geschäftsführer des Vereins „Rureifel-Tourismus“. „Der normale Eifel-Wanderer und Eifel-Tourist besucht häufig auch die Abtei Mariawald — ohne, dass es für ihn eine Rolle spielt, ob dort zehn alte Herren ein klösterliches Leben führen.“

Mariawald, erklärt Kirch weiter, sei Startpunkt der Rangertouren durch den Nationalpark und feste Anlaufstelle der Teilnehmer des „Wildnis-Trails“, einer viertägigen Wanderung von Monschau-Höfen nach Zerkall. „Für diese Wanderung hatten wir in den vergangenen Jahren weit mehr als 8000 Buchungen. Die dritte Etappe Mariawald muss funktionieren, sonst funktioniert der Wildnis-Trail in seiner bisherigen Form nicht mehr.“ Kirch wird noch deutlicher: „Mariawald ist einer der ganz wesentlichen Hotspots für unsere Region.“ Ein Hotspot, der nach Kirchs Meinung unbedingt erhalten bleiben muss. „Falls es gelingen würde, für das riesige Gebäude mit unglaublich vielen Zimmern einen Investor zu finden, der aus Mariawald ein Hotel macht, wäre das für die Rureifel-Region ein ähnlicher Urknall wie die Eröffnung des Ferienparks Landal Eifeler Tor in Heimbach.“

Auch der Förderverein Nationalpark ist eng mit Mariawald verknüpft, weil er einige der klostereigenen Wiesen gepachtet hat, um dort alte Rinderrassen anzusiedeln. „Diese Flächen“, sagt Oliver Krischer, Bundestagsabgeordneter (Bündnis 90/Die Grünen) und Vorsitzender des Fördervereins, „werden von uns seit mehr als zehn Jahren nachhaltig bewirtschaftet. Das möchten wir natürlich auch weiterhin tun.“

Auch Krischer, der nur drei Kilometer entfernt von der Abtei aufgewachsen ist, bedauert die Schließung des Trappistenklosters. „Die Erbsensuppe aus Mariawald ist eine echte Marke für unsere Region, die nicht verloren gehen darf.“ Es sei durchaus auch im Interesse des Nationalparks Eifel, wenn es gelingen würde, Klostergaststätte und Buchladen zu erhalten.