Erkelenz: Klassentreffen als explosive Zeitreise

Erkelenz : Klassentreffen als explosive Zeitreise

40 Jahre ist es her, dass überall die Zeichen auf Sturm standen und die Jugend den Aufstand gegen das Establishment probte. Die Rede ist vom „Mythos 68”, von Flower-Power, Prager Frühling, Studentenbewegung und Protest gegen den Vietnamkrieg.

Derzeit geistert „68” wieder durch die Medien und beflügelt die Fantasie derjenigen, die es nicht erlebt haben. Unter dem Titel „40 years ago today” nahm sich auch der Literaturkurs der zwölften Klasse des Cornelius-Burgh-Gymnasiums des Themas an.

Unter der Gesamtleitung von Wolfgang Wittmann luden die 15 Schüler zu einer explosiven Zeitreise in den Burghkeller ein. Gezeigt wurde ein Klassentreffen des Abschlussjahrganges von 1968. Die Inszenierung bezog ihre Kraft aus den Zeitsprüngen zwischen heute und 1968, das in den Erinnerungen der Akteure immer wieder lebendig wurde.

Der Zoff mit den Eltern, der Streit um Beatles oder Rolling Stones oder die ersten Drogenexperimente wurden in einer lockeren Szenenfolge ebenso thematisiert wie die Studentenbewegung und politische Aktionen in Form der Besetzung des Lehrerzimmers.

Musikalisch bot die Schulband unter der Leitung von Wolfgang Wittmann mit fetzigen Stücken aus der Hippie- und Protestära den Rahmen dieser unterhaltsamen Zeitreise. Zur Einstimmung des Publikums wurden auch Bilder und Filmausschnitte von 1968 gezeigt, in denen neben Hippies und Woodstock auch politische Ereignisse und die 68er-Ikone Che Guevara zu sehen waren.

Die ehemaligen Schüler, die nach 40 Jahren noch einmal zusammen gekommen waren, um in Erinnerungen zu schwelgen, ließen ihre Erlebnisse Revue passieren. Dabei wurde auch ihre Unterschiedlichkeit hervorgehoben. Während einige den alten Idealen irgendwie treu geblieben waren, hatten sich andere zu angepassten Durchschnittsmenschen oder knallharten Karrieristen entwickelt. Allen gemeinsam war die Erinnerung an „ihre große Zeit”.

Doch auch kritische Töne wurden laut. So bezeichnete eine der ehemaligen Mitschülerinnen 1968 als „Forum für eitle Selbstdarsteller”, das zum Werteverfall beigetragen hatte. Eine Meinung, mit der sie durchaus alleine da stand, denn die meisten wollten sich und ihre Jugend noch einmal feiern.

So schwang die wehmütige Frage mit, was von dem damals Erreichten geblieben sei. Wohl eine Menge, wenn man bedenkt, dass sich Jugendliche heute dieser 40 Jahre zurück liegenden Zeit annehmen. Das Publikum hatte auf jeden Fall eine vergnügliche Zeit, in der sich mancher an „sein 68” erinnert haben mochte.